Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 6 › Seite 192

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juni 1859, Seite 192

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 8

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192 Kirchlich-Zeitgeschichtliches.

stehen unter der Leitung von Laien und sind von der Oberaufsicht des Diöcesanbischofs frei.
Ihre Herausgeber kennen kein anderes Haupt, als den Papst, oder die Jesuiten, die päpstlichen
Sendlinge. Nicht bloß ohne Gutheißung ihres Bischofs reden, lehren, und lassen sie
ihre Sprüche erschallen, selbst gegen dessen Einwendungen. Man erinnere sich des früheren
Erzbischofs von Paris, Sibour, der mehr als einmal die Verfahrungsweisen und die bittere
Kampfesart des Univers tadelte, und gegen dessen Einmischung in politische Dinge förmliche
Amtsverordnungen erließ. Aber Rom unterstützte den Univers, welcher da Berufung eingelegt
hatte, gegen die Verweise des geistlichen Hauptes der Diöces, und der Laie war
Sieger. Von da ab barg der Erzbischof seine Angriffe unter dem Namen und der Hand
eines Priesters. Das ist eine Thatsache, die in der Geschichte des Romanismus noch nicht
da war. „Außer-bischöfliche Einflüsse“ haben also die Obmacht in der Leitung der Bisthümer.“

Preußisch-lutherische Kirche. — Hengstenberg hatte in seinem diesjährigen
Vorwort über das Aufkommen eines falschen Kirchenbegriffs innerhalb dieser Kirche geklagt.
Infolge dessen richtet ein zu dieser Kirche gehöriges Glied, Hr. v. Thadden auf Trieglaff,
unter dem 14. Februar d. J. ein Schreiben an ersteren. Darin finden wir die erfreuliche
Erklärung, daß Hengstenberg über das Ziel hinaus schieße, wenn er die Verirrungen
Einzelner oder Vieler unter den preußischen Lutheranern der ganzen Kirche zurechne und den
irrigen Kirchenbegriff als ihre publica doctrina hinstelle. Es sei Hengstenberg ja schwerlich
unbekannt, wie Ehlers im Kirchenblatt dazu stehe und davon schreibe. Auf keine Weise
könne zugegeben werden, jener falsche Kirchenbegriff, welcher außer der lutherischen Kirche
von keiner Christenheit weiß, sei bereits bei ihnen öffentliche Kirchenlehre. Dies, berichtet
Thadden, sei auch die an ihn ergangene Erklärung eines der hervorragendsten Prediger der
preußisch-lutherischen Kirche; er fährt fort, daß Ehlers Kirchenblatt ernstlich gegen die beklagten
gefährlichen Irrthümer Front mache und ankämpfe und in neuester Zeit immer mehr
mit siegreichem Erfolge. „Ich glaube, heißt es endlich, daß mein Urtheil ganz unbefangen
ist, wenn ich behaupte: daß wir solche Zurücksetzung von unsern nächsten Glaubensnachbarn
nicht verdienen, auch wenn die Bedrängten sehr oft zu ungeweihten Waffen ihre Zuflucht
nehmen, wie es leider in höchst tadelnswertherWeise von der lutherischen Dorfkirchenzeitung
geschieht.

Ungarn. — Die lutherische Kirche zählt in Ungarn 552 Gemeinden mit 820,000
Seelen. Von den Gemeinden sind 241 slavische, 104 deutsche, 103 magyarisch-slavische,
23 deutsch-slavische und 16 deutsch-magyarisch-slavische. Von den Gemeindegliedern sind
435,268 Slaven, 201,598 Deutsche und 183,028 Magyaren. Es gehören der lutherischen
Kirche 14 Gymnasien und 3 theologische Lehranstalten, und in allen diesen Schulen wird,
mit Ausnahme von zweien, der Unterricht durch Vermittelung der magyarischen Sprache
ertheilt.

Die reformirte Kirche, deren Bekenner mit Ausnahme von acht Gemeinden sämmtlich
der magyarischen Nationalität angehören, hat achtzehn Gymnasien und fünf theologische
Lehranstalten.

Preußische unirte Kirche. — Die Erklärungen des Prinz-Regenten haben u.
A. in der thüringischen Stadt Mühlhausen zur Folge gehabt, daß man Unterschriften bei
den Bürgern gesammelt hat zu einem Gesuch, daß derselbe als ein Widersacher der
Union der Gemeinde abgenommen und versetzt werde. Kaum war die Erklärung am 1.
December veröffentlicht worden, so kam im dortigen Schauspielhause eine Local-Posse: „der
letzte Mucker im Jahre 1862“ zur Aufführung, worin der Beginn der absoluten Herrschaft
der Demokraten in Aussicht gestellt war. Inmitten des Actes verbot jedoch der Polizei-Commissar
die Fortsetzung.

Frankreich. Hier haben die lutherischen Gemeinden mit ihrem Hauptsitz im Elsaß
281 Prediger, 403 Gotteshäuser und 609 Schulen. Die reformirte Nationalkirche hingegen
zählt 617 Prediger, zu denen noch 120 der freien reformirten Kirche, der Methodisten und
Baptisten kommen.

Der Pilger aus Sachsen schreibt unter dem 9. April d. J.: „Wenn unsre
americanischen Freunde aus der Kirche ausschließen alle, welche von einem tausendjährigen
Reiche lehren, so wird nicht bloß P. Löhe, sondern es werden noch gar Manche, welche für
Säulen der rechtgläubigen Kirche angesehen“ (leider!) „sind aus gegenwärtiger und letzter
Zeit“ (recht so! — nicht aus dem Zeitalter lutherischer Rechtgläubigkeit!) „diesem Banne
unterliegen müssen.“ Traurig, daß also auch der Pilger gegen gewisse Irrthümer, weil sie
einmal Mode geworden, indifferent ist! O wie ist doch diese unsere Zeit eine böse Zeit!
Wenig, ja viel Sauerteig soll den ganzen Teig nicht mehr versäuern!

Preußen. Dem berüchtigten Prediger der freien Gemeinde in Königsberg, Dr.
Rupp, ist der unter dem vorigen Ministerium untersagte Unterricht der Kinder seiner Gemeinde
in der Religion durch die Minister des Inneren und der geistlichen Angelegenheiten
erlaubt und das bisher entgegenstehende polizeiliche Verbot aufgehoben worden.

English translation AI translation

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192 Church and Contemporary History.

stand under lay direction and are free from the oversight of the diocesan bishop.
Their publishers acknowledge no head other than the pope, or the Jesuits, the papal
emissaries. Not merely without their bishop's approval do they speak, teach, and let
their pronouncements ring out, even against his objections. One need only recall the former
Archbishop of Paris, Sibour, who more than once censured the proceedings and the bitter
manner of contention of the Univers, and issued formal official orders against its
interference in political matters. But Rome supported the Univers, which had lodged
an appeal against the censures of the spiritual head of the diocese, and the layman was
victorious. From then on the archbishop hid his attacks under the name and hand
of a priest. That is a fact which had not before occurred in the history of Romanism.
"Extra-episcopal influences" thus hold the upper hand in the direction of the dioceses."

The Prussian Lutheran Church. — Hengstenberg had, in his preface for this year,
complained of the rise of a false concept of the church within this church.
As a result, a member belonging to this church, Mr. von Thadden of Trieglaff, addresses
a letter to the former, dated February 14 of this year. In it we find the gratifying
declaration that Hengstenberg overshoots the mark when he attributes the errors
of one or many among the Prussian Lutherans to the whole church, and sets up
the mistaken concept of the church as their publica doctrina [public doctrine]. It could hardly be
unknown to Hengstenberg how Ehlers stands and writes on this in the Kirchenblatt. By no
means could it be granted that that false concept of the church, which knows of no
Christendom outside the Lutheran Church, is already public church doctrine among them. This,
Thadden reports, is also the declaration made to him by one of the most prominent preachers of
the Prussian Lutheran Church; he continues that Ehlers's Kirchenblatt earnestly fights and
contends against the dangerous errors complained of, and with ever more
victorious success of late. "I believe," it finally says, "that my judgment is entirely unbiased
when I maintain that we do not deserve such disparagement from our nearest brethren
in the faith, even if the hard-pressed often take refuge in unconsecrated weapons very
often, as is unfortunately done, in a most reprehensible manner, by the Lutheran village
church newspaper."

Hungary. — The Lutheran Church in Hungary numbers 552 congregations with 820,000
souls. Of the congregations, 241 are Slavic, 104 German, 103 Magyar-Slavic,
23 German-Slavic, and 16 German-Magyar-Slavic. Of the church members,
435,268 are Slavs, 201,598 Germans, and 183,028 Magyars. Belonging to the Lutheran
church are 14 gymnasia and 3 theological seminaries, and in all these schools
instruction is given, with the exception of two, by means of the Magyar language.

The Reformed Church, whose adherents, with the exception of eight congregations, belong
entirely to the Magyar nationality, has eighteen gymnasia and five theological
seminaries.

The Prussian United Church. — The declarations of the Prince Regent have, among
other things, had the result, in the Thuringian city of Mühlhausen, that signatures were
collected among the citizens for a petition that he [a certain clergyman] be removed as an opponent
of the Union and transferred from the congregation. Scarcely had the declaration been published on December 1
when there appeared at the local theater a local farce, "The Last Mucker in the Year 1862,"
in which the beginning of the absolute rule of the democrats was held out in prospect. In the
middle of the act, however, the police commissioner forbade its continuation.

France. Here the Lutheran congregations, with their headquarters in Alsace, have
281 preachers, 403 houses of worship, and 609 schools. The Reformed National Church, on the other hand,
numbers 617 preachers, to which are added another 120 of the Free Reformed Church, the Methodists,
and Baptists.

The Pilger aus Sachsen writes under date of April 9 of this year: "If our
American friends exclude from the church all who teach of a thousand-year
kingdom, then not only P. Löhe, but a good many others, who are considered
pillars of the orthodox church" (alas!) "and who are of the present and recent
time" (quite right! — not of the age of Lutheran orthodoxy!) "will have to fall
under this ban." Sad that even the Pilger, too, is indifferent toward certain errors just because
they have become fashionable! Oh, how evil indeed is this our age!
Little, yes, much leaven is no longer to leaven the whole lump!

Prussia. To the notorious preacher of the free congregation in Königsberg, Dr.
Rupp, the instruction of the children of his congregation in religion, forbidden under
the previous ministry, has been permitted by the Ministers of the Interior and of Ecclesiastical
Affairs, and the police prohibition hitherto standing against it has been lifted.