Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 4 › Seite 110

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1860, Seite 110

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110 Ueber die Grundlagen der Schenkel'schen vom Standpuncte des Gewissens ꝛc.

sei, und der ganze Mensch eben auch nichts weiter als Person sei. Wir können
auf diese Vorstellungsweise nicht eingehen. Der spiritualistischen stolzen
Anschauung Schenkels aber, wonach der Mensch „nach seinem wahren ewigen
Wesen Geist ist“ oder, wie er es auch ausdrückt, der Mensch nicht nur Geist
hat, sondern vorzugsweise Geist ist, halten wir die Anschauung Davids
entgegen, welcher Ps. 103, 14. von Gott sagt: „er kennet, was für ein Gemächte
wir sind, er gedenket daran, daß wir Staub sind.“

Im folgenden schnappt Schenkels Gewissen gänzlich in den Pantheismus
über. Erl. Krit. 276: „Noch von einer dritten Erklärung Schenkels über
den Geist (I. 16.) müssen wir Notiz nehmen, in der er sagt: „Der (menschliche)
Geist steht als der Unveränderliche, Unzerstörbare, Ewige,
in sich Selbstständige dem Stoffe als dem Veränderlichen, Zerstörungsfähigen,
Zeitlichen, Selbstständigkeitslosen gegenüber.“ Und ähnlich heißt es I, 20,
daß der Geist seinem wahren Wesen nach nicht stofferfüllendes, sondern reines
Sein sei; was aber unter diesem „reinen Sein“ zu verstehen sei, macht
eine weitere Stelle (I, 21) unzweifelhaft, wo gesagt wird: „Der Geist ist
unsterblich, weil er nicht raumerfüllend, sondern reines unendliches Sein
ist. Also der menschliche Geist — denn von diesem ist in den angeführten
Stellen immer die Rede — ist etwas Unveränderliches, Unzerstörbares,
Ewiges, ein reines Sein, ja ein reines unendliches
Sein!“ Doch hält diese pantheistische Exstase, worin Schenkel den Menschengeist
für eine Emanation des göttlichen Geistes ansieht, nicht immer an, denn

an andern Stellen erklärt er ihn für endlich.

Ergötzlich ist, was Schenkels Gewissen über die Seele fabelt. Erl. Krit.
278: „Ohne klar darüber geworden zu sein, was Schenkel eigentlich über den
menschlichen Geist denke, müssen wir uns jetzt von seinen Erklärungen über
den Geist zu seinen Erklärungen über die Seele wenden. Er sagt darüber
an der Hauptstelle (I, 21) folgendermaßen: „Je weniger wir uns aber erklären
können, wie der Geist als wesentlich immaterieller auf die Materie
wirkt: um so näher liegt die Vermuthung, daß es zwischen Geist und Stoff
in der Mitte ein Drittes gebe, welches beide zur Einheit des Personlebens
zu verknüpfen im Stande sei. Dieses Dritte ist auch erfahrungsgemäß wirklich
vorhanden; es ist die Seele.“ Die Voraussetzung, von welcher diese
Erklärung ausgeht, ist die, daß der menschliche Geist auf die menschliche Materie
zu wirken habe und auch wirklich wirke; nun könne aber der Geist als
etwas wesentlich Immaterielles nicht unmittelbar auf die Materie wirken
wegen der Gegensätzlichkeit zwischen beiden; daher müsse es zwischen beiden
ein Drittes geben, welches zu beiden „in einem Verhältnisse“ steht. „Die
Seele ist weder Materie noch Geist, aber zu beiden in einem Verhältnisse:
zu der Materie, in sofern sie raumerfüllend und an den Organismus gebunden,
zu dem Geiste, in sofern sie nicht materiell stoffartig ist.“ Aber wenn
nur Gleiches auf Gleiches wirken kann, wenn der Geist deshalb nicht unmittelbar
auf die Materie wirken kann, weil er nicht auch materiell ist, so muß
das Dritte, durch welches der Geist auf die Materie wirkt, also die Seele,

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110 On the Foundations of Schenkel's Christian Dogmatics as Set Forth from the Standpoint of Conscience, etc.

is [person], and that the whole man is likewise nothing more than person.
We cannot go along with this way of picturing the matter. But against
Schenkel's proud spiritualistic view, according to which man 'according to
his true, eternal essence is spirit,' or, as he also puts it, man not only has
spirit but is preeminently spirit, we hold up the view of David, who says of
God, Ps. 103:14: 'he knoweth our frame; he remembereth that we are
dust.'"

In what follows, Schenkel's conscience leaps entirely over into
pantheism. Erlangen critique, 276: "We must also take note of a third
explanation Schenkel gives of spirit (I, 16), in which he says: 'The
(human) spirit stands, as the unchangeable, indestructible, eternal, and
self-subsistent, over against matter as the changeable, destructible,
temporal, and lacking self-subsistence.' And similarly it is stated, I, 20,
that spirit, according to its true essence, is not matter-filling but pure
being; but what is to be understood by this 'pure being' is put beyond
doubt by a further passage (I, 21), where it is said: 'Spirit is immortal,
because it is not space-filling but pure, infinite being. So the human spirit
— for it is always of this that the passages cited speak — is something
unchangeable, indestructible, eternal, a pure being, indeed a pure infinite
being!'" Yet this pantheistic ecstasy, in which Schenkel regards the human
spirit as an emanation of the divine spirit, does not always hold,

for in other passages he declares it to be finite.

Amusing is what Schenkel's conscience fables about the soul. Erlangen
critique, 278: "Without having become clear as to what Schenkel actually
thinks about the human spirit, we must now turn from his explanations
about the spirit to his explanations about the soul. He speaks of it in the
principal passage (I, 21) as follows: 'The less we are able to explain how
spirit, as essentially immaterial, acts upon matter, the nearer lies the
conjecture that between spirit and matter there is, in the middle, a third
thing, which is able to bind the two into the unity of personal life. This
third thing is also, according to experience, really present; it is the soul.'
The presupposition from which this explanation proceeds is that the
human spirit has to act, and does actually act, upon human matter; but
now spirit, as something essentially immaterial, cannot act directly upon
matter, on account of the opposition between the two; hence there must
be, between the two, a third thing, which stands 'in a relation' to both.
'The soul is neither matter nor spirit, but stands in a relation to both: to
matter, insofar as it is space-filling and bound to the organism; to spirit,
insofar as it is not materially substantial.'" But if only like can act upon
like, if spirit therefore cannot act directly upon matter because it is not
also material, then the third thing, through which spirit acts upon matter
— that is, the soul —