Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 8 › Seite 254
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1855, Seite 254
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verlobung 7
254 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik.
den eidlich bekräftigten Verlöbnissen ihre Einwilligung zu geben, wenn nehmlich fleischliche Verbindung darauf gefolgt ist, wenn die Kinder die Schuld erkennen und abbitten, wenn die Person, mit welcher das Verlöbniß vollzogen worden ist, sonst ehrbar und gleiches Standes ist, wenn auf anderem Wege den Gewissen der Kinder nicht gerathen und Ruhe geschafft werden zu können scheint, wenn die Ehe vollzogen und aus derselben Kinder geboren sind u. dgl. „„Die Eltern sind, schreibt Bidenbach, zu ermahnen, daß sie, wenn sie nicht sehr wichtige Ursachen haben, solche Eidschwüre ihrer Kinder nicht leicht aufheben, sondern der Gewissen der Ihrigen schonen.““ Indeß achten wir doch, wenn die Eltern auf ihr Recht streng dringen wollten, daß auch beschworene Verlöbnisse ihrer Kinder, so jene darauf bestehen, aufgelöst werden können; jedoch, wie auch Beust gottselig erinnert, werde ihnen eine öffentliche Bußerklärung, die in einer bestimmten Form von der Canzel zu verlesen ist, auferlegt, in welcher wegen gegebenen Aergernisses vor dem Volke Abbitte geschehe.
Diese unsere Meinung beweisen wir gegen die römischen Kirchenrechtslehrer: 1. aus der offenbaren Beschaffenheit des göttlichen Rechts 4 Mos. 30, 4—6., woraus wir also schließen: Wenn der Vater ein Gelübde seiner Tochter umstoßen kann, das sie Gott unmittelbar gethan und durch einen Schwur bestätigt hat, so kann er auch jedenfalls ein Versprechen umstoßen, das einem Menschen gegeben worden, mag dasselbe immerhin mit einem Eid bestätigt worden sein. Nun ist das Erste wahr. Also auch das Andere. Es kann auch nicht urgirt werden, daß jenes Verlöbniß wegen der fleischlichen Verbindung, welche dazu gekommen, zu einer Ehe geworden sei und daher nicht mehr aufgelöst werden könne, denn wir haben oben gezeigt, daß es durch das göttliche Gesetz in die Macht der Eltern gestellt sei, ob sie dem Deflorator die Tochter zur Ehe geben wollen, oder nicht. Vergl. 2 Mos. 22, 16. Man verbinde damit das Beispiel der Dina 1 Mos. 34, 8. — 2. Aus dem canonischen Rechte. Ein Eid, der gegen die guten Sitten ist, ist unverbindlich, auch darf der Eid nicht ein Band der Ungerechtigkeit sein: es widerstreitet aber guten Sitten, weil es dem göttlichen Gesetz widerstreitet, und es ist ungerecht und ungesetzlich, weil es wider das Gesetz von der schuldigen Ehre der Eltern geht, daß Kinder ohne der Eltern Einwilligung die Ehe schließen. Ein Eid soll drei Begleiter haben: Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, so daß, wenn einer von diesen Begleitern fehlt, der Schwur den, der geschworen hat, nicht verbindet. Aber bei diesem Eid fehlt das Recht, weil der Consens des Kindes, das unter elterlicher Gewalt steht, ohne den Consens der Eltern nicht völlig und vollständig ist; es fehlt die Gerechtigkeit; weil das, was der Sohn oder die Tochter geschworen hat, ungerecht und unerlaubt ist.... 3. Aus dem Grunde der Gleichheit. Denn wenn Verlöbnisse nicht gültig sind, die in Graden (der Verwandtschaft) vollzogen worden sind, welche durch das göttliche Gesetz verboten werden, obgleich sie mit einem Eid bekräftigt wurden: so werden freilich auch die Verlöbnisse, welche gegen das Gebot von schuldiger Ehrung der Eltern
English translation AI translation
254 Excerpts as Contributions to Pastoral Casuistry.
to give their consent to betrothals confirmed by oath, namely when carnal relations have followed, when the children acknowledge their guilt and ask forgiveness, when the person with whom the betrothal was entered into is otherwise honorable and of equal social standing, when there seems to be no other way to counsel the children’s consciences and bring them peace, when the marriage has been consummated and children have been born of it, and the like. “The parents,” writes Bidenbach, “are to be admonished that, unless they have very weighty reasons, they should not lightly annul such oaths of their children, but should have consideration for the consciences of their own.” Nevertheless, we hold that if the parents wished to insist strictly upon their right, even their children’s sworn betrothals may be dissolved if the parents insist upon it; however, as Beust also piously advises, the children should be required to make a public declaration of repentance, to be read from the pulpit in a prescribed form, in which they ask forgiveness before the people for the offense they have caused.
We prove this opinion of ours against the Roman teachers of canon law: 1. From the manifest character of divine law in Numbers 30:4–6, from which we argue as follows: If a father can annul a vow that his daughter has made directly to God and confirmed by an oath, then he can certainly also annul a promise made to a human being, even if it has been confirmed by an oath. Now the first is true. Therefore, so is the second. Nor can it be urged that such a betrothal has become a marriage because of the carnal relations that followed it and therefore can no longer be dissolved; for we have shown above that divine law places it within the parents’ authority to decide whether or not they wish to give their daughter in marriage to the man who deflowered her. Compare Exodus 22:16. Consider together with this the example of Dinah in Genesis 34:8. — 2. From canon law. An oath that is contrary to good morals is not binding, nor may an oath be a bond of injustice; but it is contrary to good morals because it is contrary to divine law, and it is unjust and unlawful because children’s entering into marriage without their parents’ consent violates the law requiring due honor toward parents. An oath should have three companions: truth, right, and justice, so that if one of these companions is lacking, the oath does not bind the one who has sworn it. But in this oath, right is lacking, because the consent of a child who is under parental authority is not full and complete without the parents’ consent; justice is lacking because what the son or daughter has sworn is unjust and unlawful.... 3. From the principle of equivalence. For if betrothals entered into within degrees of kinship forbidden by divine law are invalid, even though they were confirmed by an oath, then surely also betrothals that violate the commandment requiring due honor toward parents