Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 8 › Seite 240
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1855, Seite 240
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion · Union 8
240 Die Union.
Vereinigung der beiden Kirchen zugestehen sollte, da es ja heißt: Was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde. — Wir versprechen dagegen, sobald das von uns zur Zeit für unmöglich gehaltene wirklich möglich würde, daß wir überführt würden, in den Unterscheidungslehren die Schrift wider uns oder auch nur nicht für uns zu haben, wollen wir augenblicklich die wärmsten Unionsfreunde werden.
Doch man ist längst des mühsamen Wegs der dogmatischen Ausgleichung zwischen den beiden Kirchen müde geworden. Auch der Hr. Verfasser greift die Sache auf eine ganz andere Weise an.
Wie gezeigt, behauptet er, daß man sich recht wohl uniren könne, wenn man auch nicht von der Schriftwidrigkeit der eigenen und Schriftmäßigkeit der gegnerischen Lehre, oder davon, daß beide Lehren nach der Schrift mögliche Tropen seien, sich überzeugt halte; wenn man auch fortwährend der Meinung sei, in den abweichenden Lehren die Schrift für sich zu haben. „Der Canon der Schriftgemäßheit bedürfe jedenfalls noch eines leitenden Gesichtspunktes, um aus der Mannigfaltigkeit und Fülle des in der Schrift vorliegenden Stoffes dasjenige herauszufinden, was Grundlage zu sein vermöge für eine aus den innersten Lebenstrieben der Schrift entspringende Gestaltung der Lehre, nur daß dieser leitende Gesichtspunkt schlechterdings kein von außen herzugebrachter, sondern ein aus der heiligen Schrift selbst hervorgehender sein müsse“ (S. 104). Dieser leitende Gesichtspunkt ist dann kein anderer, als der bereits angedeutete „göttliche Prüfstein für die Frage um kirchliche Vereinigung oder Trennung der religiösen Gemeinwesen,“ welcher liegen soll in der Unterscheidung fundamentaler und nicht fundamentaler Lehren, solcher, welche nöthig seien, um zum Besitz des ewigen Lebens zu gelangen, und solcher, ohne welche diese Wirkung auch erfolgen könne. Ueber die letzten, nicht fundamentalen, die nicht durchaus zur Seligkeit nothwendig sind, soll eine Kirche allenfalls auch Sätze festhalten können, die von uns als schriftwidrig erkannt werden, falls nur rücksichtlich der ersten nicht das Gleiche stattfindet, ohne uns dadurch ein Recht zu geben, die Union mit ihr für etwas von Gott nicht Gebotenes, sondern Verbotenes zu halten.
Damit können wir uns nun und nimmermehr einverstanden erklären, wir müssen den major in dem oben mitgetheilten die Quintessenz seines ganzen Buchs bildenden Schluß des Hrn. Dr. Müller auf das bestimmteste läugnen und dafür an dem von uns entgegengesetzten, die gleiche Stelle im Syllogismus einnehmenden Satze entschieden festhalten.
Also sofern ein religiöses Gemeinwesen nur noch eine Lehre hat, durch welche die Menschen zum Besitz des ewigen Lebens gelangen, so soll es Ungehorsam gegen Gott sein, wenn ein andres mit demselben sich nicht uniren will, und darum auch Ungehorsam gegen Gott, wenn die Lutheraner die Union mit den Reformirten zurückweisen? Aber was zu viel beweiset, beweiset nichts. Der Hr. Verfasser selbst gesteht zu, daß in der eben gezeichneten Lage sich auch die römische Kirche befindet. „Die römische Kirche“ — das sind seine eigenen
English translation AI translation
240 The Union.
should consent to the union of the two churches, since it is written: Whatever does not proceed from faith is sin. — We, on the other hand, promise that, as soon as what we currently consider impossible should actually become possible—namely, that we should be convinced that, in the doctrines on which we differ, Scripture is against us, or even merely not in our favor—we will at once become the warmest advocates of union.
But people have long since grown weary of the arduous path of dogmatic reconciliation between the two churches. The author, too, approaches the matter in an entirely different way.
As shown, he maintains that people can very well unite even if they are not convinced that their own doctrine is contrary to Scripture and the opposing doctrine scriptural, or that both doctrines are possible interpretations according to Scripture; even if they continue to believe that, in the doctrines on which they differ, Scripture is on their side. “The canon of conformity to Scripture in any case still requires a guiding principle by which, from the variety and abundance of the material presented in Scripture, to identify what is capable of serving as the foundation for a formulation of doctrine arising from the innermost vital impulses of Scripture; only this guiding principle must by no means be brought in from outside, but must emerge from Holy Scripture itself” (p. 104). This guiding principle is then none other than the already mentioned “divine touchstone for the question of ecclesiastical union or separation among religious bodies,” which is said to lie in the distinction between fundamental and non-fundamental doctrines: those necessary for attaining possession of eternal life, and those without which this result may also be achieved. With regard to the latter, non-fundamental doctrines, which are not absolutely necessary for salvation, a church is supposedly permitted, if need be, to maintain even propositions that we recognize as contrary to Scripture, provided that the same is not true with respect to the former; and this is not supposed to give us the right to regard union with that church as something not commanded by God, but forbidden by Him.
With this we can never agree. We must most emphatically deny the major premise in the conclusion by Dr. Müller quoted above, which constitutes the essence of his entire book, and instead firmly uphold the proposition we have set against it, which occupies the same place in the syllogism.
Thus, provided that a religious body still possesses even one doctrine through which people attain possession of eternal life, is it to be disobedience to God if another body refuses to unite with it, and therefore also disobedience to God if the Lutherans reject union with the Reformed? But what proves too much proves nothing. The author himself concedes that the Roman Church also occupies precisely the position just described. “The Roman Church”—these are his own