Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 8 › Seite 243

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1855, Seite 243

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion

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Die Union. 243

Professor Müller zugesteht (S. 341): „wer die kirchliche Union auf Grundlage des gegebenen Consensus durchaus verwerfe, der müsse auch die Abendmahlsgemeinschaft grundsätzlich schlechthin verwerfen,“ das muß sich doch auch so umkehren lassen: Eine Kirche, welche die Abendmahlsgemeinschaft für zulässig hält, muß sich auch mit dem Consensus einverstanden wissen, d. h. sie muß beide Bekenntnisse für gleich berechtigt erklären. Höchstens könnte in der Union dem Einzelnen gestattet werden, sich für das eine oder das andere Sonderbekenntniß zu entscheiden. Aber doch wird auch der Einzelne auf das Sonderbekenntniß durchaus kein Gewicht legen dürfen, denn sobald er ausschließliche Geltendmachung desselben, Treue auch im Geringsten in dieser Beziehung als Pflicht erkennen sollte, würde er nicht mehr mit der Kirche gehen können, welche eben Nivellirung der Bekenntnisse zu ihrem Princip hat. So hat es sich auch an viel Beispielen zu allen Zeiten gezeigt; wir erinnern nur an Paul Gerhard, an die „separirten Lutheraner“ und die lutherischen Vereine in Preußen.

Mit einer Kirche, von der man erkennt, daß sie in ihrem Bekenntnisse irgendwie wider die reine Lehre des göttlichen Worts verstößt, sich zu uniren ist Sünde; und — die reformirte Kirche ist eine solche: das sind die von uns jetzt begründeten Prämissen. So ist denn auch der Schluß unausweichlich: Wir dürfen uns also mit der reformirten Kirche nicht uniren. Das ist, so lange die reformirte Kirche diese selbe bleibt, ihr Bekenntniß nicht ändert, wider das göttliche Recht.

Hr. Prof. Müller macht freilich darauf aufmerksam, daß Luther den „hohen Werth einer wirklichen Vereinigung mit den schweizerischen und oberdeutschen Protestanten nicht verkannt, und viel zur Beförderung derselben gethan habe. Ja wohl; aber nie hat Luther eine andre Vereinigung als die im rechten Glauben gewollt. Zur Zeit der Wittenberger Concordie mag ihn der Eifer des Wunsches Manches haben übersehen lassen, was sonst wohl wäre vorherzuerkennen gewesen; aber auch damals ist es ihm nicht in den Sinn gekommen, „einem abweichenden Lehrtropus“ — wie Hr. Dr. Müller ihm nachsagt (S. 324) — „in derselben Kirchengemeinschaft Duldung zu gewähren;“ wie denn auch Hr. Dr. Müller gleich darauf zugesteht, er sei dabei „nicht gemeint gewesen, von seiner Abendmahlslehre auch nur einen Zoll breit zu weichen.“ Die Sätze der Concordie enthielten die reine Lehre; wenn die Privaterklärungen der reformirten Theologen allerlei Ausdeutungen hinzufügten, bei welchen sie doch ihre Meinung behalten konnten, so mag Luther darüber hinweggesehen haben mehr als die Klugheit rieth, aber gewiß nur in der Zuversicht, deren er damals lebte, daß die als geltend hingestellte Lehre sich bald Anerkennung erringen würde. Damit war doch gewiß für die nach Luthers innigster Ueberzeugung der Schrift widersprechende Lehre nicht Duldung beabsichtigt. Auch das ist noch keineswegs ausgemacht, wie weit Luther von Melanchthons viel besprochenen Abweichungen von der reinen Lehre Kenntniß gehabt hat; jedenfalls, wenn er von denselben wußte, war, was er

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The Union. 243

Professor Müller concedes (p. 341): “Anyone who utterly rejects church union on the basis of the existing consensus must also, as a matter of principle, reject fellowship in the Lord’s Supper altogether.” Surely this must also be reversible: A church that considers fellowship in the Lord’s Supper permissible must also consider itself in agreement with the consensus; that is, it must declare both confessions equally legitimate. At most, within the Union, the individual might be permitted to decide in favor of one or the other particular confession. Yet even the individual must not attach any real importance to the particular confession, for as soon as he were to recognize the exclusive assertion of that confession, and faithfulness even in the smallest matter in this regard, as a duty, he could no longer go along with the church whose very principle is the leveling of the confessions. This has also been shown by many examples in every age; we need only recall Paul Gerhard, the “separated Lutherans,” and the Lutheran associations in Prussia.

To unite with a church which one recognizes as violating in any way, in its confession, the pure doctrine of God’s Word is sin; and the Reformed Church is such a church: these are the premises we have now established. Thus the conclusion is also inescapable: We must therefore not unite with the Reformed Church. As long as the Reformed Church remains what it is and does not change its confession, such union is contrary to divine law.

Professor Müller does, to be sure, point out that Luther “did not fail to recognize the great value of a genuine union with the Swiss and Upper German Protestants, and did much to promote it.” Indeed; but Luther never desired any union other than one in the true faith. At the time of the Wittenberg Concord, the fervor of his desire may have caused him to overlook some things that otherwise might well have been foreseen; but even then it never occurred to him “to grant toleration within the same church fellowship to a divergent form of doctrine,” as Dr. Müller alleges of him (p. 324); for Dr. Müller himself immediately afterward concedes that Luther had “not intended thereby to deviate even an inch from his doctrine of the Lord’s Supper.” The articles of the Concord contained the pure doctrine; if the private declarations of the Reformed theologians added all sorts of interpretations by which they could nevertheless retain their own view, Luther may have overlooked this more than prudence advised, but certainly only in the confidence he then held that the doctrine set forth as authoritative would soon gain acceptance. Surely this was not intended to grant toleration to a doctrine that, according to Luther’s deepest conviction, contradicted Scripture. Nor has it by any means yet been established how much Luther knew of Melanchthon’s much-discussed deviations from the pure doctrine; in any case, if he knew of them, what he was