Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 8 › Seite 253

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1855, Seite 253

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verlobung 7

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Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. 253

Verlöbnisse heimliche, welche gänzlich insgeheim und durchaus in Niemandes Gegenwart geschlossen werden; insgemein aber und im weiteren Sinne heißen diejenigen heimliche, welche zwar in Gegenwart von Zeugen geschlossen worden sind, aber ohne Consens der Eltern. Denn da bei diesen die öffentliche Auctorität der Eltern fehlt, die vermöge eines ausdrücklichen göttlichen Gesetzes bei Verehelichung der Kinder erforderlich ist, daher rechnet man dieselben nicht mit Unrecht zu den heimlichen Verlöbnissen, indem man den Grund dieser Benennung nicht sowohl vom Ort, als von der Art und Weise nimmt, daß dieselben wider die Gesetze und wider das öffentliche Recht, welches den Consens der Eltern erfordert, geschlossen werden.“

„Es entsteht die Frage: Wenn jemand bekennt, daß er heimlich die Ehe versprochen habe, und dennoch sagt, daß er nicht verbunden sei, sein Versprechen zu erfüllen, darum, weil er heimlich versprochen habe und es ihn jetzt reue — ob ein solcher zu hören sei? Antwort: Ist er selbstständig, das heißt, nicht unter elterlicher Gewalt stehend, so darf man diese Ausflucht nicht gelten lassen, sondern man muß vielmehr auf das eigene Bekenntniß Rücksicht nehmen; denn wie die Rechtsgelehrten von der ersteren Art der heimlichen Verlöbnisse richtig sagen: die bloße Geheimheit benimmt der Ehe nichts, so muß man in Betreff der anderen Art der heimlichen Verlöbnisse, welche nehmlich ohne elterliche Einwilligung geschlossen worden sind, das Gegentheil behaupten.“

„Es fragt sich: Ist ein heimliches Verlöbniß der anderen Gattung, das heißt, welches von selbstständigen Personen ohne Zeugen vollzogen worden ist, wenn die fleischliche Verbindung dazu gekommen ist, dem öffentlichen vorzuziehen? Antwort: Dies bejahen meist alle, weil derjenigen, welcher außer dem Eheversprechen die vorzüglichste Ausstattung geraubt worden ist, ein größeres Unrecht zugefügt worden ist, als jener, welcher nur, obgleich öffentlich, die Ehe versprochen worden ist; daher ist auf jene mehr Rücksicht zu nehmen. Siehe Luther Tom. Jen. V, 244. Anders ist jedoch in zwei Fällen zu urtheilen: erstlich, wenn der Schuldige das Eheversprechen weder zugesteht, noch desselben rechtmäßig überführt werden kann; zweitens, wenn zu dem öffentlichen Verlöbniß noch die kirchliche Einsegnung, die Heimführung und die eheliche Zusammenwohnung hinzu gekommen ist; denn dann ist dem heimlichen Verlöbniß, auch wenn es durch fleischliche Verbindung bekräftigt worden ist, das öffentliche, durch die Eheschließung vollzogene, vorzuziehen.“

„Hier kommt die schwierige Frage zur Erörterung: Ob Verlöbnisse, welche ohne Wissen und Willen der Eltern vollzogen und mit einem Eid bekräftigt worden sind, kraft der elterlichen Gewalt von denselben aufgelöst werden können? Antwort: Wie wir oben bei der Frage über die Nothwendigkeit des elterlichen Consenses zwischen der Strenge und einer gewissen mildernden Nachlassung des Rechtes unterschieden haben, so wenden wir dieselbe Distinction hier auf die eidlich bekräftigten heimlichen Verlöbnisse an. Wir geben zu, daß zuweilen in Rücksicht auf die Umstände den Eltern zu rathen sei, zu

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Excerpts as Contributions to Pastoral Casuistry. 253

“Clandestine betrothals are those contracted in complete secrecy and in the presence of no one at all; generally, however, and in the broader sense, those are called clandestine which were indeed contracted in the presence of witnesses, but without the consent of the parents. For since these lack the public authority of the parents, which is required for the marriage of children by an explicit divine law, they are therefore not wrongly counted among clandestine betrothals, the basis of this designation being taken not so much from the place as from the manner in which they were contracted—contrary to the laws and to the public law that requires parental consent.”

“The question arises: If someone confesses that he secretly promised marriage, and yet says that he is not bound to fulfill his promise because he made it secretly and now regrets it, should such a person be heard? Answer: If he is independent, that is, not under parental authority, this excuse must not be accepted; rather, his own confession must be taken into account. For just as the jurists rightly say of the first kind of clandestine betrothal, ‘Mere secrecy takes nothing away from the marriage,’ so with respect to the other kind of clandestine betrothal, namely, those contracted without parental consent, the opposite must be maintained.”

“The question is asked: Is a clandestine betrothal of the other kind, that is, one contracted by independent persons without witnesses, if sexual intercourse has also taken place, to be preferred to a public betrothal? Answer: Nearly everyone answers in the affirmative, because a greater wrong has been done to the woman who, in addition to the promise of marriage, has been robbed of her most precious endowment than to the woman who has merely been promised marriage, though publicly; therefore, greater consideration must be given to the former. See Luther, Tom. Jen. V, 244. A different judgment must, however, be made in two cases: first, if the guilty party neither admits the promise of marriage nor can lawfully be proved to have made it; second, if the public betrothal has been followed by the church blessing, the taking of the bride to her home, and marital cohabitation. For then the public betrothal, consummated by the marriage ceremony, is to be preferred to the clandestine betrothal, even if the latter was confirmed by sexual intercourse.”

“Here the difficult question comes up for discussion: Whether betrothals contracted without the parents’ knowledge and consent and confirmed by an oath can be dissolved by them by virtue of parental authority? Answer: Just as above, in the question concerning the necessity of parental consent, we distinguished between the strictness of the law and a certain mitigating relaxation of it, so we apply the same distinction here to clandestine betrothals confirmed by oath. We concede that sometimes, in view of the circumstances, parents should be advised to”