Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 8 › Seite 252
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — August 1855, Seite 252
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verlobung 5 · Verlobung 7
252 Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik.
Von heimlichen Verlöbnissen.
So schreibt Johann Gerhard:
„Obgleich die heimlichen Verlöbnisse durch das Recht selbst nicht gebilligt werden, so sagt man doch, daß sie in Kraft bleiben, wenn beide Theile dieselben eingestehen, oder wenn dieselben auf eine gesetzmäßige Weise erwiesen werden, insonderheit wenn die Versprechungen mit einem Eide gethan worden sind. Dieses ist aber mit einer zweifachen Einschränkung zu verstehen: erstlich, wenn nicht auch öffentliche Verlöbnisse entweder vorhergegangen oder nachgefolgt sind; zweitens, wenn die, welche den Vertrag geschlossen haben, nicht unter fremder Gewalt stehen, sondern selbstständig sind (sui juris). Denn eine andere Bewandtniß hat es mit den Kindern, welche noch unter elterlicher Gewalt sind; die Verlöbnisse, welche diese ohne Consens der Eltern eingegangen sind, sind nicht gültig, mögen sie dieselben immerhin eingestehen und eidlich bekräftigt zu haben vorgeben. Kommen nun ein öffentliches und ein heimliches Verlöbniß zusammen, so ist das öffentliche dem heimlichen vorzuziehen, mag nun das öffentliche der Zeit nach früher oder später sein, als das heimliche. Denn das öffentliche kommt mit der Stiftung des Ehestandes und mit den Gesetzen der Ehrbarkeit überein, das heimliche hingegen widerstreitet denselben; daher jenes diesem mit Recht vorgezogen wird, und es kommt nichts darauf an, ob das öffentliche Verlöbniß vorausgegangen oder gefolgt ist, weil das, was am Anfange fehlerhaft war, mit der Zeit nicht rechtskräftig wird. Wenn man daher sagt, daß heimliche Verlöbnisse in Kraft bleiben, so ist das so zu verstehen, wenn beide contrahirende Theile ihren Consens aufs neue vor ehrbaren Männern aussprachen und wenn auf diese Weise aus dem heimlichen Verlöbniß ein öffentliches wird; dergleichen Exempel in Boas vorgestellt wird Ruth. 3, 12. 4, 9.“
„Uebrigens, da oben gezeigt worden ist, daß Kinder, welche sich noch unter elterlicher Gewalt befinden, ohne Consens und Rath derselben keine Ehe schließen können, daher nennt Luther auch jene Verlöbnisse heimliche, welche von denen, die nicht selbstständig sind, ohne den Consens derjenigen, unter deren Gewalt sie stehen, eingegangen werden, und wenn hundert Zeugen dabei zugegen gewesen sein sollten. In diesem Sinn und in dieser Rücksicht also heißen öffentliche Verlöbnisse, welche in Gegenwart und mit Consens der Eltern und derjenigen, die an der Eltern Statt sind, von den Kindern vollzogen werden, heimliche, welche ohne Rath und Wissen der Eltern geschlossen werden. Und solche Verlöbnisse sind für ungültig zu erklären, wenn sie auch vor mehreren Zeugen vollzogen worden sind, wie Luther mit großem Ernste erklärt und aus den Gründen, die wir oben für die Nothwendigkeit des elterlichen Consenses angeführt haben, leicht zu ersehen ist. Eigentlich und strikt genommen heißen wohl diejenigen
English translation AI translation
252 Extracts as Contributions to Pastoral Casuistry.
On Secret Betrothals.
Johann Gerhard writes:
“Although secret betrothals are not approved by the law itself, they are nevertheless said to remain valid if both parties acknowledge them, or if they are proved in a lawful manner, especially if the promises were made under oath. This, however, must be understood with a twofold qualification: first, if no public betrothal either preceded or followed them; second, if those who entered into the agreement are not under the authority of another, but are legally independent (sui juris). For the situation is different with children who are still under parental authority; betrothals into which they have entered without the consent of their parents are not valid, even if they acknowledge them and claim to have confirmed them under oath. Now, if a public and a secret betrothal coincide, the public one is to be preferred to the secret one, whether the public one occurred earlier or later than the secret one. For the public one accords with the institution of marriage and with the laws of propriety, whereas the secret one conflicts with them; therefore the former is rightly preferred to the latter, and it makes no difference whether the public betrothal preceded or followed it, because what was defective at the outset does not become legally valid with the passage of time. Therefore, when it is said that secret betrothals remain valid, this is to be understood as applying when both contracting parties renewed their consent before honorable men, and when in this way the secret betrothal becomes a public one; an example of this is presented in Boas, Ruth 3:12; 4:9.”
“Furthermore, since it has been shown above that children who are still under parental authority cannot enter into marriage without their parents’ consent and counsel, Luther also calls those betrothals secret which are entered into by persons who are not legally independent without the consent of those under whose authority they stand, even if a hundred witnesses were present. In this sense and in this respect, therefore, betrothals performed by children in the presence and with the consent of their parents and of those who stand in the place of parents are called public, while those contracted without the counsel and knowledge of the parents are called secret. And such betrothals are to be declared invalid even if they were performed before several witnesses, as Luther declares with great earnestness and as may easily be seen from the reasons we have given above for the necessity of parental consent. Properly and strictly speaking, those are indeed called”