Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 4 › Seite 119
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1855, Seite 119
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung
Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 119
er schon in V. 21 gebraucht, dazu wurde er genöthigt durch die Beschaffenheit
der Leute, die er anredet. Sie führten, wie klar aus der folgenden Rede hervorgeht
, die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben in den Ausdrücken
, derer sich namentlich Paulus zur Darstellung derselben bedient, im
Munde, behaupteten durch ihren Glauben gerechtfertigt zu sein, hielten demjenigen
, welcher sie erinnerte, daß ihr Glaube keine Werke habe, vor, daß
man ja eben ohne Werke gerechtfertigt werde, und beriefen sich dabei auf den
Abraham, an welchem Paulus den rechtfertigenden Glauben so schön darstellt,
oder etwa auf die Rahab, die doch einestheils für eine Hure und anderentheils
für ein Glaubensbeispiel erklärt wurde (vergl. Ebräer 11, 31). Würde ihnen
der Mund verstopft worden sein, wenn Jakobus ihnen bloß nachgewiesen
hätte, der lebendige Glaube sei nimmer ohne Werke und daher ihr Glaube
todt? würden sie sich nicht fortdauernd darauf gestützt haben, der Glaube
rechtfertige ohne Werke, so auch der ihrige und deshalb sei derselbe nicht todt?
Ihnen mußte er beweisen, eben der rechtfertigende Glaube sei nimmer ohne
die Frucht der guten Werke, daher sei ihr Glaube, der solche Werke nicht habe,
auch nicht der rechtfertigende; sahen sie das ein, so durften sie sich auch nicht
mehr sträuben, ihren Glauben für einen todten zu erkennen. Jakobus brach
die Gelegenheit, von der Rechtfertigung zu reden, nicht vom Zaun, sondern
war dazu genöthigt.
Ueberrascht er uns indeß mit jenem plötzlichen Angriff auf der faulen
Christen Geschwätz von ihrer Rechtfertigung durch den Glauben, so überrascht
er uns noch mehr durch die Art, wie er in V. 21 die Nichtigkeit und Lügenhaftigkeit
jenes Geschwätzes ans Licht zu stellen beginnt.
Vers 21.
Wir sollen uns Abraham vorstellen, wie er seinen Sohn Isaak eben auf
den Altar zum Opfer hebt und also das Höchste unter den Werken seines
Gehorsams vollbringt, dasselbe, welches Gott besonders anerkennt. 1. Mose
22, 16 u. 18. Als Vater Abraham seinen eignen Sohn Isaak auf dem Altar
opferte, wurde er da nicht durch die Werke gerechtfertigt? frägt Jakobus, die
Frageform wählend, damit die faulen Christen mit ihren Antworten wider
sich selbst zeugen, sich selbst überführen möchten. Durch die Werke als durch
viele heißt es mit Hindeutung auf die allgemeine Regel, die aus Abrahams
Exempel gezogen werden soll und V. 24 ausgesprochen ist, daß der Mensch
durch die Werke gerechtfertigt werde. Als Antwort erwartet Jakobus ein
„Ja"; werden wir bejahen?
Jedenfalls müssen wir zuvörderst die Bedeutung des Wortes erkunden,
welches Luther hier und Röm. 3, 28 u. a. a. O. mit „gerecht werden," sonst
auch wie Matthäi 12, 37 mit „gerechtfertigt werden", und dessen Aktivum er
mit „gerecht machen", Röm. 3, 30, mit „rechtfertigen" Lucä 10, 29 übersetzt.
Wortgetreuer als mit „gerecht machen" konnte er es gar nicht wiedergeben,
denn es ist aus dem „gerecht" bedeutenden griechischen Worte mittelst einer
Endung entstanden, die wir mit „machen", in andern Fällen mit Anhängung
English translation AI translation
James's Teaching on Justifying Faith. 119
...he already uses in verse 21, and to this he was compelled by the character of the people whom he addresses. They had, as clearly emerges from the following discourse, the doctrine of justification by faith in their mouths, in the very expressions which Paul in particular uses to set it forth; they claimed to be justified by their faith, and against anyone who reminded them that their faith had no works, they objected that one is justified precisely without works — appealing in doing so to Abraham, in whom Paul so beautifully sets forth justifying faith, or perhaps to Rahab, who is on the one hand declared a harlot and on the other a model of faith (cf. Hebrews 11:31). Would their mouths have been stopped if James had merely shown them that living faith is never without works, and that their faith was therefore dead? Would they not have continued to insist that faith justifies without works, so also theirs, and that it was therefore not dead? What he had to prove to them was precisely this: that justifying faith is never without the fruit of good works, and that their faith, which had no such works, was therefore also not the justifying faith; once they recognized this, they could no longer resist acknowledging their faith to be dead. James did not seize upon the occasion to speak of justification without cause, but was compelled to it.
If he surprises us, however, with that sudden attack upon the lazy Christians' chatter about their justification by faith, he surprises us still more by the manner in which, in verse 21, he begins to bring to light the vanity and mendacity of that chatter.
Verse 21.
We are to picture Abraham as he lifts his son Isaac onto the altar for the sacrifice, thus performing the highest of the works of his obedience — the very one which God especially acknowledges. Genesis 22:16 and 18. "When father Abraham offered his own son Isaac on the altar, was he not then justified by works?" James asks, choosing the form of a question so that the lazy Christians, by their own answers, might testify against themselves and convict themselves. It says "by works" — as by many — with an allusion to the general rule which is to be drawn from Abraham's example and is stated in verse 24: that man is justified by works. As the answer James expects a "Yes"; shall we answer yes?
In any case we must first of all inquire into the meaning of the word which Luther here, and at Romans 3:28 and elsewhere, translates as "gerecht werden" [to become righteous], and elsewhere, as at Matthew 12:37, as "gerechtfertigt werden" [to be justified], and whose active form he renders as "gerecht machen" [to make righteous] at Romans 3:30, and as "rechtfertigen" [to justify] at Luke 10:29. He could not have rendered it more literally than with "gerecht machen," for it is formed from the Greek word meaning "righteous" by means of an ending which we render with "machen" [to make], and in other cases by the addition of