Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 10 › Seite 311

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1864, Seite 311

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Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.    311

gegen das Verfahren des Brigade⸗Generals Tuttle protestirt. Der Bischof hat die ganze Sache dem Präsidenten der Ver. Staaten mitgetheilt und demselben den Gegenstand zur Einsicht unterbreitet, wogegen auf der anderen Seite der Brigade⸗General Tuttle zugibt, „„daß er in dieser Sache ganz auf seine eigene Verantwortung und durchaus ohne irgend welchen Befehl von irgend einer höheren Behörde als seiner eigenen hin handelt.““ Um jene Zeit wurde Tuttle von seinem Commando in Natchez entfernt und der Oberst Farrar an seine Stelle ernannt. Nachdem auch dieser von seinem Posten in Natchez abberufen worden war, übernahm Brigade⸗General McBrayman das Commando in jener Stadt und dieser Mann erließ dann fast unmittelbar nach der Uebernahme seines Amtes die bekannte Special⸗Order No. 11. In Uebereinstimmung mit dieser Special⸗Order No. 11 wurde der Bischof am 26. Juli aus Natchez entfernt und nach dem Städtchen Videlia verbannt, woselbst er ungefähr zwei Wochen verblieb, nach welcher Zeit durch die Special⸗Order No. 31 jedes weitere Verfahren gegen den Bischof suspendirt wurde. Bischof Elder von Natchez ist aus seiner Verbannung bereits wieder nach dem Sitze seiner Diöcese zurückgekehrt und hat die Besorgung seiner amtlichen Functionen wieder übernommen. Der Conflict zwischen ihm und dem General Brayman hat also, wie wir nicht anders erwarteten, mit einer Niederlage für den letzteren geendigt und der Bischof hat schließlich den Sieg davon getragen, wie aus dem Inhalte des nachfolgenden Tagesbefehls vom 12. August hervorgeht:

Hauptquartier der Ver. St. Truppen, Natchez, Miss., 12. August 1864. Da die Militär⸗Autorität für einstweilen behauptet worden ist, so wird der Theil von Order No. 11, welche den Rev. William Henry Elder von Natchez angewiesen hat, innerhalb der Militär⸗Linien von Videlia (La.) zu verweilen, suspendirt und er mag nach seinem Wohnorte und zu seinen Berufspflichten zurückkehren, bis die Verfügung des Kriegsministeriums bekannt sein wird. Und da alle Gebete zum höchsten Wesen, die nicht von ehrlichem Herzen kommen, für Gott beleidigend sein müssen und gegen die gesunde Moral verstoßen, so wird der Specialbefehl No. 31 vom 18. Juni 1864, worin vorgeschrieben ist, daß für den Präsidenten und die Union gebetet werden muß, bis auf weitern Befehl suspendirt und es ist allen Personen, die gottesdienstliche Handlungen verrichten, freigestellt, ihren Haß gegen die Regierung und die Union und ihre Sympathie für die Rebellion durch Unterlassen von jenem Gebete freien Spielraum zu lassen, wenn und soweit ihnen das beliebt. Auf Befehl des Brigade⸗Generals McBrayman. J. H. Odlin, A. G. A.

Man sieht, daß der Herr General keine gute, sondern eine sehr böse Miene zu dem Spiele macht, und sich sogar erlaubt, gegen seine Vorgesetzten, die ihm die Zurücknahme der Maßregeln gegen den Bischof befohlen, satirisch zu werden. Wahrscheinlich ist es der Einfluß des Staatssecretärs, der sich mit dem katholischen Clerus immer auf gutem Fuße zu halten suchte, welchem die obenstehende Order zuzuschreiben ist. In einem Schreiben des Bischofs an den Obersten Farrar, damals Commandeur von Natchez, läßt sich ersterer u. A. folgendermaßen aus: „Der mir von dem Militär⸗Commando von Natchez zugegangene Befehl schließt jedoch das Recht in sich, von uns, als den Vertretern der kath. Kirche, wenn nothwendig die Abfassung und Einführung von ganz neuen Gebeten zu verlangen, die eben gewissen Zeiten und Umständen angepaßt und eine gewisse bestimmte Gesinnungsäußerung gegen den obersten Executiv⸗Beamten der Ver. Staaten enthalten müssen. Dieser Umstand schließt dann selbstverständlich wieder etwas anderes in sich ein, nämlich das Recht und die Befugniß irgend eines militärischen Befehlshabers — zu bestimmen, welche Zeiten und welche Umstände und Verhältnisse gerade nothwendig sind, um neue und geeignete Gebete in der Kirche einzuführen und anzuordnen, welcher Geist unsere Gebete durchwehen muß. Die Folge davon würde nothwendigerweise die sein, daß nicht allein die Kirche, sondern sogar unsere Gebete unter die unmittelbare Controle und Ueberwachung irgend einer Civil⸗ oder Militärbehörde gestellt sein würden. Der zuständigen kirchlichen Behörde aber würde dadurch ihr Recht geschmälert und ihre Entscheidungen denjenigen der Militärbehörden unterworfen werden. Sie befinden sich gerade in diesem Augenblicke in dem Fall, ein solch controlirendes Recht der Kirche gegenüber wirklich und thatsächlich in Ausführung zu bringen. Ich, als Bischof, habe Ihnen gesagt, daß wir gewisse Gebete gebrauchen und ich, als Bischof, glaube, daß diese Gebete den Zeiten angemessen sind und eine freundliche Gesinnung gegen unsere Regierung ausdrücken, so daß

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News of Church History.    311

against the proceedings of Brigadier General Tuttle. The bishop communicated the whole matter to the President of the United States and submitted the subject to him for his consideration, whereas, on the other side, Brigadier General Tuttle admits "'that in this matter he acts entirely on his own responsibility and altogether without any order whatsoever from any authority higher than his own.'" About that time Tuttle was removed from his command at Natchez and Colonel Farrar appointed in his place. After the latter, too, had been recalled from his post at Natchez, Brigadier General McBrayman took over the command in that city, and this man issued, almost immediately after assuming his office, the well-known Special Order No. 11. In accordance with this Special Order No. 11, the bishop was removed from Natchez on July 26 and banished to the little town of Videlia, where he remained about two weeks, after which time, by Special Order No. 31, all further proceedings against the bishop were suspended. Bishop Elder of Natchez has already returned from his banishment to the seat of his diocese and has resumed the discharge of his official functions. The conflict between him and General Brayman has thus, as we expected no otherwise, ended in a defeat for the latter, and the bishop has in the end carried off the victory, as appears from the content of the following order of the day of August 12:

Headquarters U.S. Forces, Natchez, Miss., August 12, 1864. The military authority having for the present been vindicated, that part of Order No. 11 which directed the Rev. William Henry Elder of Natchez to remain within the military lines at Vidalia (La.) is suspended, and he may return to his place of residence and to his professional duties, until the action of the War Department shall be known. And whereas all prayers to the Supreme Being that do not come from an honest heart must be offensive to God and are contrary to sound morals, Special Order No. 31 of June 18, 1864, which prescribed that prayer be made for the President and the Union, is hereby suspended until further orders, and it is left free to all persons performing divine service to give free rein to their hatred of the government and the Union and their sympathy for the rebellion by omitting that prayer, if and so far as it pleases them to do so. By order of Brigadier General McBrayman. J. H. Odlin, A.A.G.

One sees that the general is putting not a good but a very sour face on the matter, and even permits himself to become sarcastic toward his superiors, who had ordered him to withdraw the measures against the bishop. It is probably the influence of the Secretary of State, who has always sought to keep on good terms with the Catholic clergy, to whom the above order is to be attributed. In a letter from the bishop to Colonel Farrar, then commandant of Natchez, the former expresses himself, among other things, as follows: "The order sent to me by the military command of Natchez, however, implies the right, should it deem it necessary, to require of us, as representatives of the Catholic Church, the composition and introduction of entirely new prayers, which must be suited to particular times and circumstances and must contain a certain definite expression of sentiment toward the supreme executive officer of the United States. This circumstance then, of course, implies in turn something else, namely the right and authority of any military commander to determine what times and what circumstances and conditions are precisely necessary for introducing and ordaining new and suitable prayers in the Church, and what spirit must pervade our prayers. The consequence of this would necessarily be that not only the Church, but even our prayers, would be placed under the direct control and supervision of some civil or military authority. The right of the competent ecclesiastical authority would thereby be curtailed, and its decisions made subject to those of the military authorities. You find yourselves, at this very moment, in the position of actually and in fact putting such a controlling right into practice against the Church. I, as bishop, have told you that we use certain prayers, and I, as bishop, believe that these prayers are suited to the times and express a friendly disposition toward our government, so that