Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 10 › Seite 310

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1864, Seite 310

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310    Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.

desselben in dem Glauben, daß damit alle ferneren Schwierigkeiten beseitigt seien. Einige Tage später empfing jedoch der Bischof einen zweiten Brief, in welchem er ersucht wurde, nochmals bei dem Brigade⸗General Tuttle vorzusprechen. Er begab sich in Begleitung des Generalvicars Grignon abermals nach dem Hauptquartier des Generals. Letzterer redete den Bischof alsbald mit den Worten an: „„Bischof, Sie haben das nicht gesagt; Sie haben mir dies Buch nicht gesandt.““ Der Bischof erwiederte: „„General, ich sagte nicht, daß ich Ihnen ein Buch senden wolle,““ worauf der General antwortete: „„Es macht nichts aus, ich selbst habe mir dieses Buch verschafft,““ indem er zugleich einen Offizier nach demselben sendete. Das betreffende Buch wurde dem Bischof eingehändigt und letzterer machte hierauf die Bemerkung: „„Gerade was ich Ihnen gesagt habe, General. Dieses ist ein Andachtsbuch für das Volk; es ist nicht das sogenannte „Missale Romanum,“ in welchem der kirchliche Gottesdienst vorgeschrieben ist.“ “ — „„Gut,““ antwortete der General, „„ich ersuche Sie, dieses Gebet zu lesen. Ich bin nun vollkommen befriedigt. Ich werde Ihre Weigerung, dieses Gebet zu lesen, als ein Zeichen Ihrer Disloyalität betrachten, mein Herr! Ich hasse einen Verräther. In dieser Stadt sind viele Verräther und ich glaube, Sie sind Einer.““ Der Bischof unterdrückte die Gefühle seiner Entrüstung, die durch diese Worte des Generals in seinem Innern hervorgerufen wurden und erwiederte einfach: „„Ich danke Ihnen, mein Herr, für Ihr Compliment; dürfte ich Sie fragen, ob Sie irgendwelche Thatsachen oder Zeugnisse haben, auf welche Sie einen solchen Glauben gründen?“ General Tuttle erwiederte: „„Dies ist Thatsache genug!““ und der Bischof entfernte sich. Zwei Offiziere der Ver. Staaten Armee, beide Zahlmeister und zugleich Bekenner des katholischen Glaubens, begaben sich endlich in Begleitung des Bischofs zu dem General und erklärten demselben, daß eine Darbringung dieses Gebetes in Mississippi unter den gegenwärtig obwaltenden Umständen nicht allein ein Widerspruch, sondern sogar eine Absurdität sein würde. Es sei dies ein Gebet für den Präsidenten der Vereinigten Staaten und für einen rebellischen Gouverneur und eine rebellische Gesetzgebung. Der einzige Gouverneur, welcher jetzt im Staate Mississippi sei, sei der Gouverneur Clark. Der General wurde befragt, ob „„er wünsche, daß man für diesen Gouverneur bete, oder ob es sein Wunsch sei, daß der Bischof das Gebet theile, oder ob er wünsche, daß das ganze Gebet gelesen werden solle.““ Für einen Augenblick zögerte der General und dachte der Sache nach. Dann aber sagte er: „„Man sage das Gebet gerade so, wie es in dem Buche enthalten ist,““ und fuhr fort: „„Ich befehle Ihnen nicht, dieses Gebet darzubringen, aber ich ersuche Sie, es zu lesen. Wenn Sie es nicht lesen, dann betrachte ich Sie als unloyal und werde Sie wegen Ihrer Disloyalität bestrafen.““ Dieses ist ungefähr die Substanz der Schwierigkeit. Seitdem nun hat sich der Bischof direct an den General⸗Major Sherman und an den Präsidenten Lincoln gewandt und hat einen ernstlichen Protest eingelegt gegen das Verfahren des Brigade⸗Generals Tuttle. Er protestirt gegen dasselbe aus den folgenden wichtigen Hauptgründen, nämlich deshalb, weil der kirchliche Gottesdienst ohne irgend welche Einmischung von einer andern Seite her einzig und allein von der Autorität der Kirche regulirt werden und nicht von irgend einer Militär⸗, Civil⸗, politischen oder irgend einer anderen Person dictirt werden darf. Er protestirt gegen dasselbe im Namen der 150,000 katholischen Soldaten und Offiziere, die sich jetzt in der Armee der Ver. Staaten befinden. Er protestirt gegen dasselbe in seinem eigenen Namen und zu Gunsten der ganzen katholischen Kirche America's, als gegen eine unverantwortliche und nicht zu rechtfertigende Einmischung in die Rechte dieser Kirche und Derer, die sich zu ihr bekennen. Er protestirt gegen dasselbe als gegen eine directe und augenscheinliche Verletzung der Constitution und als gegen eine alle Grundsätze, auf denen dieselbe ruht, umstoßende Anmaßung. Er protestirt gegen dasselbe besonders auch im Namen der 14 katholischen Kirchen und Gemeinden und ihrer resp. Seelenhirten, die sich noch im Staate Mississippi und zwar außerhalb der föderalen Linien befinden und deren Kirchen von den Rebellen niedergebrannt werden möchten, wenn er von dem General Tuttle gezwungen werden sollte, den Weg einzuschlagen, den er von ihm verlangt oder um dessen Einschlagung er von ihm ersucht werde. Diese 14 Kirchen seien und könnten nicht von der föderalen Armee in Schutz genommen werden. Dieses sind die Gründe, aus welchen der Bischof Elder

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News of Church History.    310

in the belief that all further difficulties had thereby been removed. A few days later, however, the bishop received a second letter in which he was requested to call again on Brigadier General Tuttle. He betook himself, in the company of Vicar General Grignon, once more to the general's headquarters. The latter at once addressed the bishop with the words: "'Bishop, you did not say that; you did not send me this book.'" The bishop replied: "'General, I did not say that I would send you a book,'" whereupon the general answered: "'It makes no difference; I procured this book myself,'" while at the same time sending an officer for it. The book in question was handed to the bishop, who thereupon made the remark: "'Exactly what I told you, General. This is a devotional book for the people; it is not the so-called "Missale Romanum," in which the churchly divine service is prescribed.'" — "'Good,'" answered the general, "'I request you to read this prayer. I am now completely satisfied. I shall regard your refusal to read this prayer as a sign of your disloyalty, sir! I hate a traitor. There are many traitors in this city, and I believe you are one.'" The bishop suppressed the feelings of indignation which these words of the general aroused within him, and replied simply: "'I thank you, sir, for your compliment; might I ask you whether you have any facts or evidence on which you base such a belief?'" General Tuttle replied: "'This is fact enough!'" and the bishop withdrew. Two officers of the United States army, both paymasters and likewise professors of the Catholic faith, finally went, in the bishop's company, to the general and explained to him that the offering of this prayer in Mississippi, under the circumstances now prevailing, would not merely be a contradiction but even an absurdity. This was, they said, a prayer for the President of the United States and for a rebel governor and a rebel legislature; the only governor now in the State of Mississippi was Governor Clark. The general was asked whether "'he wished prayer to be made for this governor, or whether it was his wish that the bishop divide the prayer, or whether he wished the whole prayer to be read.'" For a moment the general hesitated and reflected on the matter. Then, however, he said: "'Let the prayer be said exactly as it stands in the book,'" and continued: "'I do not command you to offer this prayer, but I request you to read it. If you do not read it, then I shall regard you as disloyal and shall punish you for your disloyalty.'" This is roughly the substance of the difficulty. Since then the bishop has applied directly to Major General Sherman and to President Lincoln, and has entered a serious protest against the proceedings of Brigadier General Tuttle. He protests against this on the following important principal grounds, namely, because divine worship in the Church, without any interference whatsoever from any other quarter, must be regulated solely and alone by the authority of the Church, and may not be dictated by any military, civil, political, or any other person whatsoever. He protests against it in the name of the 150,000 Catholic soldiers and officers now serving in the army of the United States. He protests against it in his own name and on behalf of the whole Catholic Church of America, as against an irresponsible and unjustifiable interference with the rights of this Church and of those who profess it. He protests against it as against a direct and manifest violation of the Constitution and as against a presumption overturning all the principles on which it rests. He protests against it especially also in the name of the 14 Catholic churches and congregations, and of their respective pastors, that still find themselves in the State of Mississippi, namely outside the federal lines, and whose churches the rebels might burn down should he be compelled by General Tuttle to take the course demanded of him, or the taking of which he is asked by him. These 14 churches, he says, are not and cannot be protected by the federal army. These are the grounds on which Bishop Elder