Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 10 › Seite 303

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1864, Seite 303

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Zwei Actenstücke aus der preußisch⸗lutherischen Kirche.    303

dern zerstört werden würden. Sie gewannen auch durch das vorgelesene Schreiben keine andere Ueberzeugung und mußten jene Grundsätze für verwerflich erklären. Pastor Vollert selbst bezeugte freilich, daß er nicht nach diesen Grundsätzen Kirchenzucht übe, vielmehr in seiner Amtsführung höchst selten Ausschließungen vorgekommen seien, konnte es aber doch nicht über sich gewinnen, diese Grundsätze geradezu zu verwerfen. Die verschiedene Stellung zu diesen Grundsätzen ist nun wohl ein Grund geworden, daß Past. Vollert sich an unsern Synodalverband noch nicht angeschlossen hat, nicht aber ein Hinderniß der Sakramentsgemeinschaft, wie denn derselbe am Mittwoch mit uns das Sakrament genossen hat.“

Ferner: „Der Vorschlag des Pastor Crome, die von Breslau getrennten Pastoren möchten sich durch eine förmliche Kundgebung ihren Gemeinen als einiges geistliches Ministerium vorstellen, führte zunächst auf Besprechung des, besonders dem Pastor Diedrich gemachten Vorwurfes, er wolle nichts von einer sichtbaren Kirche wissen. Und ferner wurde auch der dem Pastor Könnemann gemachte Vorwurf besprochen, als beschränke er die Kirche Christi auf die lutherischen Gemeinen. (Als letzterer Punkt besprochen wurde, waren die Pastoren Ehlers, Könnemann und Zöller soeben (um die Mittagszeit) in die Versammlung getreten.) Ueber beide besprochene Punkte fanden sich die Pastoren in ihren Ueberzeugungen einig und es stellte sich kein Hinderniß einem gemeinsamen Wirken im Weinberge des HErrn entgegen; und alle erkannten es von Herzen dankbar an, daß Gott sie durch ihre kirchliche Führung an einander gewiesen habe, sich untereinander durch gegenseitiges Lehren, Ermahnen, Trösten und Strafen zu dienen, auf daß die ihrer Pflege anvertrauten Gemeinen durch ihren Dienst desto größeren Segen empfangen möchten.“ Es ist verwunderlich, daß Ehlers über das, worüber man einig geworden, nichts verlauten läßt, um so mehr, da, namentlich was Könnemann betrifft, die Anklage unzweifelhaft begründet ist. Vom zweiten Sitzungstag berichtet Ehlers: „Den Hauptgegenstand der Besprechungen bildete die Berathung des von den Pastoren Crome und Zöller in Folge Tags zuvor ihnen gewordenen Auftrages gemachten Entwurfes einer Erklärung über unsere synodale Stellung, welche den Gemeinen sollte vorgelegt werden. Da diese Erklärung unten mitgetheilt werden wird, so ist es nicht nöthig, ihren Inhalt hier anzugeben.

Es wurde aber auch noch ein Schreiben an den Minister der geistlichen Angelegenheiten beschlossen, eine Petition um staatliche Anerkennung. Die Versammlung hielt diese Petition besonders darum für ihre Pflicht, weil bei Gelegenheit von Eheschließungen in Gemeinen, die nicht staatlich anerkannt sind, hie und da Schwierigkeiten vorkommen. Ferner aber, warum sollten wir nicht die Vortheile einer Stellung suchen, welche laut unserer Ueberzeugung nach den bestehenden Gesetzen uns zukommt? Denn wir können nicht erkennen, daß die unter dem OKC. stehenden Gemeinen, was Lehre und Bekenntniß betrifft, vor uns etwas voraus hätten, auf Grund dessen ihnen gewährt werden könnte, was uns versagt werden müßte. Freilich ist unsere

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Two Documents from the Prussian Lutheran Church.    303

but destroyed. Nor did they gain any different conviction from the letter that was read, and had to declare those principles reprehensible. Pastor Vollert himself indeed testified that he did not practice church discipline according to these principles, but that on the contrary exclusions had occurred only very rarely in his ministry; yet he could not bring himself to reject these principles outright. This difference of position toward these principles has, it seems, become a reason why Pastor Vollert has not yet joined our synodical body, but not a hindrance to sacramental fellowship, since he in fact received the Sacrament with us on Wednesday."

Further: "The proposal of Pastor Crome, that the pastors separated from Breslau should present themselves to their congregations, by a formal declaration, as a united spiritual ministry, led first to a discussion of the reproach made especially against Pastor Diedrich, that he would not acknowledge a visible Church at all. And further, the reproach made against Pastor Könnemann was also discussed, that he restricted the Church of Christ to the Lutheran congregations. (While this latter point was being discussed, the pastors Ehlers, Könnemann, and Zöller had just then, around midday, entered the assembly.) On both points discussed the pastors found themselves at one in their convictions, and no hindrance presented itself to a common labor in the vineyard of the Lord; and all acknowledged with heartfelt gratitude that God had directed them to one another through their ecclesiastical leadership, to serve one another through mutual teaching, admonishing, comforting, and rebuking, so that the congregations entrusted to their care might receive all the greater blessing through their ministry." It is remarkable that Ehlers lets nothing be known about what was agreed upon, all the more since, particularly as regards Könnemann, the accusation is undoubtedly well founded. Of the second day of session Ehlers reports: "The main subject of the discussions was the deliberation on the draft — made by pastors Crome and Zöller pursuant to the commission given them the day before — of a declaration concerning our synodical position, which was to be submitted to the congregations. Since this declaration will be communicated below, it is not necessary to give its contents here.

But a letter to the Minister of Ecclesiastical Affairs was also resolved upon, a petition for state recognition. The assembly held this petition to be especially its duty because, on the occasion of marriages in congregations that are not recognized by the state, difficulties occur here and there. Further, however, why should we not seek the advantages of a position which, according to our conviction, belongs to us under the existing laws? For we cannot recognize that the congregations standing under the OKC have, as regards doctrine and confession, any advantage over us on the ground of which they could be granted what would have to be denied to us. To be sure, our