Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 4 › Seite 119

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1863, Seite 119

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sklaverei · Sklaverei 3

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Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei. 119

bald härter, bald erträglicher sind. Obgleich aber die Rechtsgelehrten sagen, daß die Knechtschaften wider das natürliche Recht seien, denn nach dem natürlichen Rechte seien alle Menschen anfänglich frei geboren; doch, weil die Sünde in die Welt gekommen und die Knechtschaft eine von den Fesseln ist, durch welche entweder die am Verstande Schwächeren bei ihrer Pflicht erhalten oder die Wilderen in Schranken gehalten werden, so verdammt darum Gott die bürgerliche Verfassung nicht, in welcher Knechtschaften gebräuchlich sind, wenn sie nur erträglich sind und nicht mit der Liebe streiten, die man dem Nächsten schuldig ist, das ist, wenn es den Herren nicht erlaubt ist, die Knechte nach ihrem Gelüsten wie Zugthiere zu behandeln und zu tödten, sondern wenn sie dem Knechte sein Brod und Zucht gewähren, wie Syrach redet. Denn daß die Frechen und Wilden im Zaum gehalten und mit Knechtschaft gestraft werden und daß Gott keinen Abschen vor den Banden der Knechtschaft unter den Menschen habe, dies zeigt der heil. Geist selbst nicht undeutlich an, da er dem Canaan fluchte, indem er sprach: Verflucht sei Canaan, und sei ein Knecht aller Knechte unter seinen Brüdern. Gen. 9, 25., und von Esau: Der Größere wird dem Kleineren dienen. Gen. 25, 23. hierzu kommt auch Paulus, welcher spricht: Ein jeglicher bleibe in dem Beruf, darinnen er berufen ist. Bist du ein Knecht berufen, sorge dir nicht ꝛc., 1 Cor. 7, 20. 21. Und anderwärts ermahnt er die Herren, nicht daß sie ihre Knechte freilassen sollten, wenn sie Christen sein wollten, obwohl ihnen dies erlaubt und eine überaus preiswürdige Güte war, sondern er ermahnt sie, den Knechten zu beweisen, was gleich ist, und zu bedenken, daß sie auch einen Herrn im Himmel haben." (Zu Lev. 25. Opp. I, 902. 903.)

Daß die Pflichten des Sclaven gegen seinen Herrn zu denen des vierten Gebotes gehören, steht dem altem hocherleuchteten Theologen Brenz so fest, daß er dies an anderen Stellen, anstatt es erst zu beweisen, vielmehr zu seinem Beweisgrunde macht. Er schreibt zu Genes. 16, 9.: „Doch wollen wir auch hören, was der Engel der Magd Hagar predige. Zuerst befehlt er ihr nach Hause zurückzukehren und lehrt, daß sie ihrer Herrin den gesetzmäßigen Gehorsam leiste. Man sieht also, daß es ein guter Engel war. Denn des Satans Engel lehrt nicht gesetzmäßigen Gehorsam, sondern ungesetzmäßige Rebellionen und Aufstände." (A. a. O. 156.)

Caspar Cruciger, Luthers Mitarbeiter am Werke der Bibelübersetzung, von dem Luther sagt: „Seine an den Tag gegebenen Bücher geben ihm genugsam Zeugniß, mit was Geist und Fleiß er Gottes Wort lehret und fördert," *) schreibt u. A. Folgendes zu 1 Tim. 6.: „Um Menschen von allen Ständen zu unterweisen, lehrt er (Paulus) auch die Knechte ihre Pflichten. Und hier haben wir vorerst zu lernen, daß im Evangelio die Einrichtung der bürgerlichen Knechtschaft oder der Unterschied zwischen Freien und Knechten nicht aufgehoben werde. Ja, wie das Evangelium andere

*) Siehe Luther's Vorrede zu seiner Auslegung der Genesis.

English translation AI translation

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The Old Lutheran Teachers on Slavery. 119

—are sometimes harsher, sometimes more bearable. Although the jurists say that servitude is against the law of nature — for by the law of nature all men are born free at the outset — yet, because sin has come into the world, and servitude is one of the bonds by which either the weaker in understanding are kept to their duty, or the wilder are held within bounds, God therefore does not condemn the civil constitution in which servitude is customary, provided only that it is bearable and does not conflict with the love one owes to one's neighbor — that is, provided the masters are not permitted to treat and kill their servants according to their whims like draft animals, but rather grant the servant his bread and correction, as Sirach says. For that the insolent and the wild are kept in check and punished with servitude, and that God has no abhorrence of the bonds of servitude among men — this the Holy Spirit himself indicates not obscurely, in that he cursed Canaan, saying: Cursed be Canaan, and let him be a servant of servants unto his brethren. Gen. 9:25. And of Esau: The elder shall serve the younger. Gen. 25:23. To this Paul also comes, who says: Let every man abide in the calling wherein he was called. Art thou called being a servant, care not for it, etc., 1 Cor. 7:20–21. And elsewhere he exhorts the masters — not that they should set their servants free if they wished to be Christians, though this was permitted them and would have been an exceedingly praiseworthy kindness — but he exhorts them to show their servants what is fair, and to consider that they too have a Master in heaven." (On Lev. 25. Opp. I, 902–903.)

That the duties of the slave toward his master belong to those of the Fourth Commandment stands so firm for the old, highly enlightened theologian Brenz that in other places, instead of first proving it, he rather makes it the ground of his proof. He writes on Gen. 16:9: "Let us also hear what the angel preached to the maid Hagar. First he commands her to return home, and teaches that she render lawful obedience to her mistress. One sees, then, that it was a good angel. For Satan's angel does not teach lawful obedience, but unlawful rebellions and insurrections." (Loc. cit. 156.)

Caspar Cruciger, Luther's collaborator in the work of Bible translation, of whom Luther says: "The books he has given to the light bear him sufficient testimony with what spirit and diligence he teaches and advances God's Word,"*) writes, among other things, the following on 1 Tim. 6: "In order to instruct men of every station, he [Paul] also teaches servants their duties. And here we have first of all to learn that in the Gospel the institution of civil servitude, or the distinction between free men and servants, is not abolished. Indeed, just as the Gospel confirms other

*) See Luther's preface to his exposition of Genesis.