Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 4 › Seite 99

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1863, Seite 99

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Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 99

wälsch, ihr hohles Pathos, ihr mythisches Phrasengeklingel für wissenschaftliche Realitäten ausgeben, und gegen unsere nüchterne Philosophie nichts vorbringen können als ein Nothgeschrei über die täglich zunehmende Abmagerung ihres hohen Rosses, und über den drohenden Einsturz ihrer kleinen hölzernen Throne, die zu wanken anfangen, sobald wir auftreten, von deren Höhe herab diese Herren bisher gewohnt waren, ihre philosophischen Nebelbilder vor den Augen des erstaunten Publikums vorbei zu führen und ihrem Zeitalter jedesmal vorzuschreiben, wie es über Gott und Welt zu denken habe. Besonders nöthig ist, dem ungeschickten Haufen zu schmeicheln und zu erklären: unsere Behauptungen, die eigentlich Thatsachen seien, die nur die Dummheit leugnen könne, ergeben sich jedem klar denkenden Gebildeten von selbst; wer sie nicht einsehen könne, stehe noch auf einer Bildungsstufe, welche ihn für eine Ueberlegung der von uns vorgelegten Resultate der Forschung nicht befähige. Was gilt's? Es muß uns gelingen! Es giebt doch nur wenige Menschen, welche sich durch Nachdenken klare Begriffe darüber zu verschaffen suchen, und sollte hie und da Jemand etwas unverständlich finden, wird er, wenn wir nur recht dreist als Männer der Wissenschaft auftreten, glauben, der Fehler liege an ihm, und um das nicht merken zu lassen, unserer Behauptung nicht zu widersprechen wagen. Wie Viele giebt's denn wohl, die hier auf eigenen Füßen stehen? Darum frisch zu! Wir müssen den Büchermarkt mit unseren Produkten überschwemmen, in denen wir dem neugierigen Haufen der „Gebildeten" erklären, wie wir, vom Wohle der Menschheit beseelt, uns die Mühe gegeben haben, ihnen in allgemein verständlicher Darstellung etwas von dem darzureichen, was sonst nur die geringe Anzahl jener Bevorzugten genieße, die sich durch die Energie ihres Geistes und den angestrengtesten Fleiß hindurchgearbeitet haben in das eigentliche Heiligthum der Wissenschaft, an dessen Schwelle sogleich das volle, helle, erhebende Licht des Wissens ihnen entgegenleuchtet, vor dessen Scheine alle Nebel und Schattenbilder der Unwissenheit, alle Geburten des Wahnes und der Finsterniß, alle Gespenster und Schattengestalten des Aberglaubens wie Unholde fliehen. Wird uns dabei von gewisser Seite her vorgeworfen, „wir seien eigentlich nichts als ein Troß von Kärrnern, die den Abhub und Abwurf der Naturforschung auf allerlei Weise in Büchern und Zeitschriften im Lande umher verkarren und verhandeln," so darf uns das nicht abhalten, unser Ziel zu verfolgen. Dreistigkeit und Unverschämtheit muß unser Symbolum bleiben. Wir können nicht verfahren, wie der ächte Forscher, der, ehe er eine bestimmte Behauptung aufstellt, wieder und immer wieder sich besinnt und prüft, ob er auch festen Boden unter den Füßen habe. Wir müssen im Gegentheil durch kecke Behauptungen, die in Erstaunen setzen, uns die Anerkennung als Forscher erzwingen. Denn der Vernichtung der Gottes⸗Idee gilt unser Streben, nicht aber der Aufhellung dunkler Punkte im Gebiete des Wissens. Treffen wir dabei den Nagel nicht auf den Kopf, so treffen wir doch daneben, und das ist, wie die Menschen einmal sind, glücklicher Weise für unseren Zweck dasselbe. Sie sehen doch meist nicht scharf genug, um zu

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Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science. 99

their hollow pathos, their mythical jingle of phrases, as scientific realities, and can bring nothing against our sober philosophy but a cry of distress over the daily increasing emaciation of their high horse, and over the threatening collapse of their little wooden thrones, which begin to totter as soon as we step forward — thrones from whose height these gentlemen have hitherto been accustomed to parade their philosophical phantom-pictures before the eyes of the astonished public, and to prescribe to their age each time how it is to think about God and the world. It is especially necessary to flatter the clumsy crowd and to declare: our assertions, which are really facts that only stupidity can deny, are self-evident to every clear-thinking educated person; whoever cannot see them stands still on a level of education which does not enable him to weigh the results of research we have presented. What of it? We must succeed! There are, after all, only a few people who seek to gain clear concepts about it by reflection, and should here and there someone find something incomprehensible, he will, if we only step forward boldly enough as men of science, believe that the fault lies with him, and, so as not to let that be noticed, will not dare to contradict our assertion. How many are there, after all, who stand here on their own feet? So, onward boldly! We must flood the book-market with our products, in which we explain to the curious crowd of the "educated," how we, animated by the welfare of mankind, have taken the trouble to offer them, in generally understandable form, something of what otherwise only that small number of the privileged enjoy who have worked their way through, by the energy of their spirit and the most strenuous industry, into the very sanctuary of science, at whose threshold the full, bright, uplifting light of knowledge at once shines forth to meet them, before whose radiance all the mists and shadow-pictures of ignorance, all the offspring of delusion and darkness, all the ghosts and shadow-shapes of superstition flee like goblins. If it is then thrown up against us from a certain quarter that "we are really nothing but a rabble of carters, who haul about and peddle the refuse and offal of natural science of every sort in books and journals throughout the land," that must not keep us from pursuing our goal. Boldness and impudence must remain our watchword. We cannot proceed as the genuine researcher does, who, before he sets up a definite assertion, reflects and tests again and again whether he indeed has firm ground under his feet. We must, on the contrary, force recognition as researchers through bold assertions that cause astonishment. For our striving is directed toward the annihilation of the idea of God, not toward the clarification of dark points in the field of knowledge. If in doing so we do not hit the nail on the head, we still hit near it, and that is, given how men are, fortunately the same thing for our purpose. Most of them, after all, do not see sharply enough to