Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 4 › Seite 97

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1863, Seite 97

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Lehre und Wehre.

Jahrgang IX.    April 1863.    No. 4.

Der Materialismus oder die sogenannten Resultate der modernen Naturwissenschaft.

(Fortsetzung.)

Ehe wir zu dem, durch die hier mitgetheilten Sätze vorbereiteten, Resultate übergehen, in welchem ein armseliges Geschöpf es wagt, vor seinen Mitgeschöpfen seinen Gott für eine absurde Idee der Thoren zu erklären, möchte zu besserem Verständnisse dieses Resultats und die etwa nöthige Widerlegung desselben abzukürzen, dienlich sein, wenn wir zuvor einen nicht mit Dummheit geschlagenen Materialisten uns vorstellen, der sich seine Stellung, das Ziel und die Bedeutung seines Strebens klar macht. Er würde etwa in folgender Weise sich darüber aussprechen. Der Gedanke an Gott und Gericht und seine Weltordnung sind peinlich, unerträglich belästigend. Doch können wir dieser Plage nicht entgehen, so lange die Gesellschaft, in der wir leben, sie immer auf's Neue reproducirt. Wir müssen sie zu zerstören suchen. Für diesen Zweck lassen sich die Naturwissenschaften als wirksames Mittel gebrauchen. Denn einmal haben, wegen der schönen und nützlichen Entdeckungen auf ihrem Gebiete, die freilich keiner der Unsrigen gemacht hat, die Naturwissenschaften eine außerordentliche Gunst und Hochachtung sich bei der Menge erworben, sodann — und das macht sie besonders brauchbar — sind sie noch in einem so unvollkommenen Zustande, daß man sie zur Stütze der wunderlichsten und unsinnigsten Behauptungen herbei ziehen kann, ohne den Anspruch, ein Naturforscher zu sein, zu verlieren. Der Gottesläugnung muß deshalb, wenn sie in unserer Zeit etwas ausrichten soll, ein naturwissenschaftlicher Ausdruck gegeben werden. Man stelle einfach den Satz auf: Die Naturforschung hat als eine unleugbare Thatsache gefunden, daß Kraft eine dem Stoffe von Ewigkeit innewohnende Eigenschaft sei. Nun kann Jeder, auch der nichts von den Naturwissenschaften versteht, leicht den Schluß machen: Da Kraft und Stoff von Ewigkeit sind, so kann die Welt nicht erschaffen sein, folglich giebt's keinen Schöpfer. Freilich könnte hier ein kluger Kopf einwenden: „Wie wißt ihr doch, daß die Kraft dem Stoffe von Ewigkeit innewohnt? Habt ihr denn je in den Stoff hineinsehen können, und darin die Kraft wohnend gefunden? Und wie könnt ihr wissen, daß die Kraft nie in ihre Wohnung eingezogen ist, sondern nur immer darin war? Konnte es

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Lehre und Wehre.

Volume IX.    April 1863.    No. 4.

Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science.

(Continued.)

Before we proceed to the result prepared for by the propositions communicated here — a result in which a wretched creature dares, before his fellow creatures, to declare his God an absurd notion of fools — it may serve, for a better understanding of this result and to abbreviate the refutation it will presently require, if we first picture to ourselves a materialist not afflicted with stupidity, who makes clear to himself his position, his goal, and the meaning of his striving. He would express himself about it somewhat as follows. The thought of God and judgment, and of his world-order, is painful, unbearably burdensome. Yet we cannot escape this affliction so long as the society in which we live keeps reproducing it ever anew. We must seek to destroy it. For this purpose the natural sciences can be used as an effective means. For, in the first place, on account of the beautiful and useful discoveries in their domain — which, to be sure, none of our own number has made — the natural sciences have won for themselves extraordinary favor and esteem among the multitude; and then, further — and this is what makes them especially serviceable — they are still in so imperfect a state that one can drag them in to prop up the strangest and most senseless assertions without forfeiting one's claim to be a natural scientist. The denial of God must therefore, if it is to accomplish anything in our time, be given a scientific expression. One simply sets up the proposition: natural science has found it to be an undeniable fact that force is a property inherent in matter from eternity. Now anyone, even one who understands nothing of the natural sciences, can easily draw the conclusion: since force and matter are from eternity, the world cannot have been created, and consequently there is no Creator. To be sure, a clever mind might object here: "But how do you know that force inheres in matter from eternity? Have you ever been able to look into matter and found force dwelling there? And how can you know that force never moved into its dwelling, but only ever remained there? Could there