Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 4 › Seite 100
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1863, Seite 100
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100 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft.
erkennen, wo der Schlag eigentlich hinfällt, denken, durch unsere, die Zusammenhangslosigkeit unserer Behauptungen verdeckende, wissenschaftliche Sprache geblendet, der Gegenstand ihres Glaubens sei wirklich getroffen, gerathen in Scrupel, werden unruhig und zaghaft in ihrem Glauben, unser Ansehen ist gestiegen und damit unser Einfluß. Die Anderen, welche ohnedies nicht lieben, sich mit Gott zu beschäftigen, werden durch unser Auftreten um so mehr abgehalten, der Predigt von dem Glauben an Gott ernstes Nachdenken zuzuwenden. Darum nur frisch einen unsinnigen Begriff von Gott aufgestellt, sollte ihn auch noch kein Mensch je gehabt haben. Diesen Begriff müssen wir nach allen Seiten hin und unter allen möglichen Voraussetzungen beleuchten, damit all der Unsinn, der darin liegt, zu Tage trete und dabei mit aller Dreistigkeit, die uns zu Gebote steht, durch Krümmungen und Wendungen die Meinung in dem Leser erzeugen, es werde ihm damit eine Einsicht gewährt in die Fehlerhaftigkeit seiner eigenen Vorstellungen vom göttlichen Wesen. Etwaige Einsprüche, die der Leser machen könnte, schlagen wir ein für alle Mal nieder mit der Bemerkung: Der von uns beleuchtete Begriff sei der einzige, der wissenschaftliche Bedeutung habe, und philosophische Denkweise befolge. Habe der Leser noch einen anderen, so könne ein wissenschaftlich gebildeter Geist sich nicht damit beschäftigen, da jener nur individuell menschliche Eigenschaften und Unvollkommenheiten auf abstracte Begriffe übertrage. Irgend eine derartige Phrase wird hier denselben Dienst thun.
Forscher Büchner fährt fort:
„Welche allgemeine Consequenz läßt sich aus dieser Erkenntniß ziehen?
Daß diejenigen, welche von einer Schöpferkraft reden" — und den Unsinn begehen, entweder die blos in ihrem Kopfe vorhandene Abstraktion als vor der Welt existirend, oder aber die Kraft des Stoffes als die Schöpferkraft sich zu denken —, „welche die Welt aus sich selbst oder aus dem Nichts hervorgebracht haben soll, mit dem ersten und einfachsten Grundsatze philosophischer und auf Empirie gegründeter Naturbetrachtung unbekannt sind. Wie hätte eine Kraft existiren können, welche nicht an dem Stoffe selbst in die Erscheinung tritt, sondern denselben willkürlich und nach individuellen Rücksichten beherrscht?" — Jedoch existirt in mir, Forscher Dr. Büchner selbst, eine solche Kraft, welche die Begriffe nicht nur willkürlich und nach individuellen Rücksichten beherrscht, sondern sogar sie in unsinniger Weise verbindet, ohne daß diese unsinnige Kraft als Eigenschaft der Begriffe selbst in die Erscheinung tritt! — „Ebenso wenig konnten sich gesondert vorhandene Kräfte in die form⸗ und gesetzlose Materie übertragen und auf diese Weise die Welt erzeugen. Denn wir haben gesehen, daß eine getrennte Existenz dieser beiden zu den Unmöglichkeiten gehört. Daß die Welt nicht aus dem Nichts entstehen konnte, wird uns eine spätere Betrachtung lehren, welche von der Unsterblichkeit des Stoffs handelt. Ein Nichts ist nicht blos ein logisches, sondern auch ein empirisches Unding. Die Welt oder der Stoff mit seinen Eigenschaften, die wir Kräfte nennen, mußten von Ewigkeit sein und werden in Ewigkeit sein müssen — mit einem Worte: Die Welt kann
English translation AI translation
100 Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science.
recognize where the blow actually falls; dazzled by our scientific language, which conceals the incoherence of our assertions, they think the object of their faith has really been struck, fall into scruples, grow uneasy and fainthearted in their faith — our standing has risen, and with it our influence. The others, who in any case do not care to occupy themselves with God, are all the more kept back by our appearing on the scene from turning any earnest thought to the preaching of faith in God. Therefore let us only boldly set up some senseless concept of God, even should no man ever yet have held it. This concept we must illuminate from every side and under all possible suppositions, so that all the nonsense contained in it may come to light, and at the same time, with all the boldness at our command, through twists and turnings, produce in the reader the impression that this is granting him an insight into the faultiness of his own notions of the divine being. Any objections the reader might raise we strike down once and for all with the remark: the concept we have illuminated is the only one that has scientific significance and follows a philosophical mode of thought. If the reader has some other concept, then a scientifically educated mind cannot occupy itself with it, since that other concept transfers merely individual human properties and imperfections onto abstract notions. Some such phrase will here do the same service.
Researcher Büchner continues:
"What general consequence can be drawn from this insight?
That those who speak of a creative force" — and commit the folly of conceiving either the abstraction present merely in their own head as existing before the world, or else the force of matter as the creative force — "who are supposed to have brought forth the world out of themselves or out of nothing, are unacquainted with the first and simplest principle of a philosophical and empirically grounded view of nature. How could a force have existed which does not manifest itself in matter itself, but rather governs matter arbitrarily and according to individual considerations?" — Yet there exists in me, the researcher Dr. Büchner himself, just such a force, which governs concepts not only arbitrarily and according to individual considerations, but even combines them in a senseless manner, without this senseless force itself manifesting as a property of the concepts! — "Just as little could separately existing forces transfer themselves into formless and lawless matter and thereby generate the world. For we have seen that a separate existence of these two belongs among the impossibilities. That the world could not have arisen out of nothing, a later consideration, dealing with the immortality of matter, will teach us. A nothing is not merely a logical but also an empirical absurdity. The world, or matter with its properties, which we call forces, had to be from eternity and will have to be for eternity — in a word: the world can