Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 3 › Seite 95

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1862, Seite 95

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Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.    95

freilich aber von diesem Körper nicht wegen Unterschiede in der Lehre, sondern wegen Unzu⸗
friedenheit mit dem Kirchenregiment getrennt hat. Sie führt den Namen: „Die Con⸗
ferenz der unabhängigen Methodisten⸗Kirchen in den Vereinig⸗
ten Staaten,“ und ist zu New York durch den Zusammentritt von sechs Pastoren, die
einen siebenten ordinirt und unter sich aufgenommen haben, ins Leben getreten. Aus den
angeführten Gründen, die sie zur Rechtfertigung ihres Austritts und ihrer Neugestaltung
vorbringen, ersehen wir, daß allerdings auch das bischöfliche Regiment der Methodisten ein
kostspieliges Ding ist, indem die sechs oder sieben Bischöfe zusammt den „vorsitzenden Ael⸗
testen,“ die die Kirche regieren, derselben jährlich nahezu eine Viertel Million Dollars
kosten. Und da dieselben nicht nur das ausschließliche Ordinationsrecht, sondern auch das
Vorrecht haben, bei ihren vierteljährlichen Besuchen in den Gemeinden allein das Abend⸗
mahl verwalten zu dürfen mit Hintansetzung des Ortspastors, so ist das immerhin beschwe⸗
rend. Auch ist die Forderung der Ausgetretenen gerecht, daß die Laien Antheil am Kir⸗
chenregiment haben sollten, dann ihre Bestreitung der Nothwendigkeit eines dreigegliederten
Kirchenamtes, eines Amtes der Diakonen, der Aeltesten und der Bischöfe, ferner ihr Ein⸗
spruch gegen das fortwährende willkürliche Versetzen der Pastoren. Doch die so verderbte
Lehre bleibt ja leider dieselbe, und wenn mehrere der Ausgetretenen diesen Schritt deshalb
gethan haben, weil ein großer Theil der bischöflichen Methodisten die Sclaverei nicht ver⸗
werfen, so ist dies allerdings verkehrt. Auch zeigt sich der radikale Sinn dieser Leute, die
ihre Herkunft nicht verleugnen können, in der Behauptung, daß jeglicher Unterschied und
jede Ueberordnung eines Pastors über andere römisch sei. Endlich fehlt auch das weite,
methodistische Liebesherz nicht, das brüderliche Genossenschaft mit allen andern Körperschaf⸗
ten evangelischer Christen erlaubt. Weitherzig in der Lehre und eng in der Verfassung und
anderen äußeren Dingen — so wills ja unsere auf den Kopf gestellte Zeit haben. — C.

II. Ausland.

Aus Mecklenburg, 20. December. Der ehemalige Professor Dr. Baum⸗
garten in Rostock ist von dem akademischen Gericht daselbst wegen der in seinen Schriften:
„Der kirchliche Nothstand in Mecklenburg“ und „Soll die mecklenburgische Landeskirche zu
Grunde gehen?“ enthaltenen Preßvergehen gegen den Consistorialrath Krabbe, gegen den
Oberkirchenrath, gegen die mecklenburgischen Pastoren und gegen den Beichtvater des
Consistorialraths Krabbe zu einer achtwöchigen Gefängnißstrafe und zu einer
Geldstrafe von 100 Thalern verurtheilt worden. Auch sollen die nicht in Privatbesitz über⸗
gegangenen Exemplare beider Schriften vernichtet werden. (A. Kz.)

„Freimund“. Der bisherige ausgezeichnete Redacteur dieses interessanten, reich⸗
haltigen, wahrhaft populär geschriebenen Blattes, Herr Pastor Wucherer, nimmt in der letz⸗
ten Nummer dieses Blattes im vorigen Jahre von seinen Lesern Abschied. Ein Dr. We⸗
ber in Neudettelsau wird von nun an die Redaction übernehmen. Nur die allmonatliche
politische Um⸗ und Ueberschau wird Wucherer noch ferner für das Blatt liefern.

Wien. Wie es hier um die s. g. lutherische Gemeinde steht, läßt sich daraus schließen,
daß die Gemeinde zur Wiederbesetzung ihrer vakant gewordenen ersten Predigerstelle fünf
Candidaten aufgestellt hat, welche sämmtlich Rationalisten sind; zu ihnen gehört sogar der
berüchtigte Diakonus Sulze in Osnabrück.

„Löhe über die symbolischen Bücher ꝛc.“ Ueber diese Materie bringt
der „Kirchenfreund“ einen längeren Abschnitt aus Löhes „Kirchlichen Briefen“ in Vilmars
pastoral⸗theologischen Blättern. Derselbe enthält nun freilich nichts Neues, sondern zeugt
nur abermals von der leider schon allbekannten bedenklichen Stellung des Verfassers zu
dem Bekenntniß seiner Kirche. Merkwürdig ist hier nur die große Perfidie, mit welcher er
sich über diesen Punkt ausspricht, gewiß zu herzbrechender Betrübniß für alle treuen Söhne
der Kirche, zumal für solche, die, wie der Schreiber dieser Zeilen, ihm aus einer früheren,
besseren Zeit vieles verdanken. Ganz rechtgläubig hebt er mit dem Satze an: „Ich stimme
den symbolischen Büchern der lutherischen Kirche bei, nicht so weit (quatenus), sondern
weil (quia) sie dem göttlichen Worte entsprechen.“ Aber welch eine sophistische Verklau⸗
selirung, die den Satz in das gerade Gegentheil, in das schändlichste, willkürlichste, unge⸗
messenste quatenus verkehrt, folgt sofort als ein hinkender Bote hinterdrein! „Wenn ich
ihnen — den symbolischen Büchern — aber beistimme, weil sie dem göttlichen Worte ent⸗
sprechen, so heißt das nicht, weil jedes Wort in ihnen dem göttlichen Worte entspricht, oder
jede Wendung, jede Darstellung, sondern es heißt ganz einfach, weil die Lösung der im
16. Jahrhundert zwischen den Kirchen obschwebenden Streitfragen, also die eigentlich sym⸗
bolischen Sätze dem göttlichen Worte entsprechen.“ Welches nun aber diese „eigentlich
symbolischen Sätze“ seien, das wird wohlweislich nicht gesagt, und somit Weitschaft
genug gelassen, jede noch so klar darin bezeugte Lehre unter dem Vorwand von sich abzuwei⸗
sen, das sei ja kein eigentlich symbolischer Satz. Daß dieser Schalk wirklich, nicht etwa

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Church News of the Day.    95

though, to be sure, it has separated from this body not on account of differences in doctrine, but on account of dissatisfaction with the church government. It bears the name: "The Conference of the Independent Methodist Churches in the United States," and came into being at New York through the coming-together of six pastors, who ordained and received among themselves a seventh. From the reasons given, which they advance in justification of their withdrawal and their new organization, we see that the episcopal government of the Methodists is indeed a costly affair, in that the six or seven bishops, together with the "presiding elders" who govern the church, cost it nearly a quarter of a million dollars annually. And since these same men have not only the exclusive right of ordination, but also the privilege, on their quarterly visits to the congregations, of alone being allowed to administer the Lord's Supper, to the exclusion of the local pastor, this is at any rate burdensome. The demand of those who have withdrawn is also just — that the laity should have a share in church government; then their disputing of the necessity of a threefold church office, an office of deacons, elders, and bishops; further, their objection to the continual arbitrary transferring of the pastors. Yet the corrupted doctrine, unfortunately, remains the same, and if several of those who withdrew took this step because a large part of the Episcopal Methodists will not renounce slavery, that is indeed perverse. The radical temper of these people, who cannot deny their origin, also shows itself in the assertion that every distinction and every superiority of one pastor over another is Romish. Finally, the broad, Methodistic loving heart is also not lacking, which permits brotherly fellowship with all other bodies of evangelical Christians. Broad-hearted in doctrine and narrow in constitution and other external matters — so, indeed, our topsy-turvy age will have it. — C.

II. Abroad.

From Mecklenburg, December 20. The former professor Dr. Baumgarten of Rostock has been sentenced by the academic court there, on account of the press offenses contained in his writings "The Ecclesiastical Distress in Mecklenburg" and "Is the Mecklenburg Territorial Church to Go to Ruin?" against Consistorial Councillor Krabbe, against the supreme church council, against the Mecklenburg pastors, and against Consistorial Councillor Krabbe's father confessor, to eight weeks' imprisonment and a fine of 100 thalers. It is also ordered that the copies of both writings not yet passed into private possession be destroyed. (A. Kz.)

"Freimund." The hitherto excellent editor of this interesting, substantial, and truly popularly written paper, the Reverend Pastor Wucherer, takes leave of his readers in the last issue of this paper for the previous year. A Dr. Weber of Neudettelsau will take over the editorship from now on. Only the monthly political review and survey will still be supplied for the paper by Wucherer.

Vienna. How matters stand here with the so-called Lutheran congregation may be inferred from the fact that the congregation, in order to refill its first preaching post, which has become vacant, has put forward five candidates, all of whom are Rationalists; among them is even the notorious deacon Sulze of Osnabrück.

"Löhe on the Symbolical Books, etc." On this subject the "Kirchenfreund" brings a longer excerpt from Löhe's "Kirchliche Briefe," in Vilmar's pastoral-theological papers. This excerpt, to be sure, contains nothing new, but testifies once again to the author's unfortunately already well-known questionable position toward the confession of his own church. What is remarkable here is only the great perfidy with which he expresses himself on this point — certainly a heartbreaking grief for all faithful sons of the church, especially for those who, like the writer of these lines, owe him much from an earlier, better time. Quite orthodox is the sentence with which he begins: "I agree with the symbolical books of the Lutheran Church, not so far as (quatenus), but because (quia) they correspond to the divine Word." But what a sophistical equivocation follows immediately afterward, like a limping messenger, twisting the sentence into its very opposite, into the most shameful, most arbitrary, most unmeasured "quatenus"! "But if I agree with them — the symbolical books — because they correspond to the divine Word, that does not mean that every word in them corresponds to the divine Word, or every turn of phrase, every presentation; rather it simply means that the resolution of the points of controversy pending between the churches in the sixteenth century — that is, the properly symbolical propositions — correspond to the divine Word." But which these "properly symbolical propositions" are is, quite deliberately, not said, and thus ample latitude is left for rejecting, under this pretext, any doctrine however clearly attested therein, on the grounds that it is, after all, no properly symbolical proposition. That this trick is a real one, and not merely