Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 3 › Seite 81
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1862, Seite 81
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Kritik des Berichts der Siebenten Synode der aus Preußen ꝛc. 81
liche Widerwille gegen den Vollzug eines Bannes genommen? Werden die
Partheifreunde des Sünders dadurch, daß man ihre Gewissensbedenken nicht
hören will und trotz all ihres Widerspruchs den Bann durchsetzt, nun dem
Sünder weniger anhangen, ihn ernstlicher als bännisch halten und meiden?
Wird der Sünder erschrecken über die Folgen seiner Unbußfertigkeit, daß er
geschieden und gemieden ist von allen Gliedern der Gemeinde, und ihm so
schon die letzte Scheidung vor dem jüngsten Gericht vorgebildet wird, wenn
die „Mehrzahl“ der Gemeinde sich um so näher an ihn schließt, je mehr sie
meint, daß ihm zu nahe geschehen, und je erbitterter sie selbst ist, daß ihren
Bedenken keine Rechnung getragen? Was kann die Folge solches unreifen,
unverständigen, unchristlichen Bann⸗Verfahrens sein? Nichts anders als
tiefe Spaltung, bitterer Streit, Zerreißung der Gemeinden! Wahrlich es ist
schlimm, wenn in einer Gemeinde viele ungereifte, irrige und unlautere Kir⸗
chenvorsteher und Kirchenglieder sind, oder wenn gar „die Mehrzahl“ aus
solchen Leuten besteht; aber es ist noch viel schlimmer, wenn ein unsinniges
Kirchenministerium in einer Gemeinde den Bann ausübt, wo noch kein kirch⸗
licher Sinn und Verstand herrscht, und so die Gemeinde gänzlich zerrissen
wird. Wie wenig hat doch Grabau, der große Kirchenregierer, von der
himmlischen Weisheit des wahren Regenten der Kirche gefaßt, wenn derselbe
sagt Matth. 9, 16. 17.: „Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen
von neuem Tuch; denn der Lappe reißt doch wieder vom Kleide, und der
Riß wird ärger. Man faßt auch nicht Most in alte Schläuche, anders die
Schläuche zerreißen, und der Most wird verschüttet und die Schläuche kom⸗
men um. Sondern man faßt Most in neue Schläuche, so werden sie beide
mit einander behalten.“ —
Satz 6: „Daß ein falscher Bann die Kirche zwar nicht falsch mache,
derselbe aber, wo er bewiesen werden könne, abgethan werden müsse, und
niemand genöthigt werden dürfe, einen falschen Bann, wie einen rechten zu
respectiren, und in Worten, oder durch die That den falschen Bann recht zu
heißen.“ — Grabau antwortet: „In diesem Satze ist so viel wahr, daß ein
falscher Bann die Kirche noch nicht falsch macht, daß solcher auch, wenn er
bewiesen ist (nicht bloß wie es hier heißt, bewiesen werden kann) abgethan
werden muß. — Falsch aber ist, daß Niemand genöthigt werden dürfe, einen
falschen Bann, wie einen rechten zu respectiren ꝛc., wenn er als falsch bewie⸗
sen werden könne; denn es ist mit dem bloßen können in der Christen⸗
heit nicht genug, sondern es wird billig der wirkliche, d. h. ordentliche und
öffentliche Erweis seiner Irrigkeit oder Falschheit dazu erfordert, d. i. aus
Gottes Wort und mithin auch nach bestehender evangelischen Kirchenord⸗
nung?“ — Was ist der Herr Senior doch über diesen Satz so sehr grämlich
und wie beantwortet er denselben doch so über alle Maaßen läppisch. Er
sagt, mit dem bloßen können ist es in der Christenheit nicht genug, noth⸗
wendig ist, daß der falsche Bann als solcher auch bewiesen ist. Wie ist er aber
nun in aller Welt zu beweisen, wenn er nicht als solcher bewiesen werden
kann? Hätten die Fragesteller gesagt, daß der falsche Bann, wo er bewiesen
English translation AI translation
Critique of the Report of the Seventh Synod of the Emigrants from Prussia, etc. 81
taken toward the carrying out of a ban? Will the sinner's partisans, through the fact that one refuses to hear their scruples of conscience and pushes the ban through despite all their objection, now cling less to the sinner, hold him more earnestly as banned, and shun him? Will the sinner take fright at the consequences of his impenitence — that he is separated and shunned by all the members of the congregation, and that the final separation before the Last Judgment is thereby already prefigured for him — if the "majority" of the congregation, the more it thinks that he has been wronged, and the more embittered it becomes that no account has been taken of its scruples, only draws the closer to him? What can be the consequence of such an immature, senseless, unchristian manner of proceeding with the ban? Nothing else than deep division, bitter strife, the tearing-apart of congregations! Truly it is bad when many immature, erring, and insincere church elders and church members are in a congregation, or when "the majority" even consists of such people; but it is far worse when a senseless church ministerium exercises the ban in a congregation where no churchly sense and understanding yet prevails, and the congregation is thereby utterly torn apart. How little, indeed, has Grabau, that great ruler of the church, grasped of the heavenly wisdom of the true Regent of the Church, when He says, Matt. 9:16–17: "No one puts a patch of new cloth on an old garment, for the patch tears away again from the garment, and the tear becomes worse. Neither does one put new wine into old wineskins; otherwise the skins burst, and the wine is spilled, and the skins are ruined. But new wine is put into new wineskins, so both are preserved together." —
Thesis 6: "That a false ban does not make the church false, but that it, where it can be proven, must be set aside, and that no one may be compelled to respect a false ban as a true one, nor to call the false ban just, either in words or in deed." — Grabau answers: "In this thesis there is this much truth: that a false ban does not yet make the church false, and that such a ban, when it is proven (not merely, as is said here, when it can be proven), must be set aside. — But it is false that no one may be compelled to respect a false ban as a true one, etc., if it can be proven false; for mere possibility is not enough in Christendom, but rather the actual, that is, orderly and public, demonstration of its erroneousness or falsity is properly required for that, that is, from God's Word and accordingly also according to the standing evangelical church order." — How very peevish the Herr Senior is over this thesis, and how utterly foolishly he answers it. He says that mere possibility is not enough in Christendom, that it is necessary that the false ban also be proven as such. But how in all the world is it to be proven, if it cannot be proven as such? Had the questioners said that the false ban, where it is proven,