Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 12 › Seite 375

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — December 1858, Seite 375

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Trauer 3

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Excerpte als Beiträge zur pastoralen Casuistik. 375

nung der Obrigkeit, welche den Wittwen innerhalb des Trauerjahres zu heirathen
verbietet, auf ehrbaren und gerechten Gründen. Derselbe Apostel
Paulus verlangt Phil. 4, 8., daß wir dem, was ehrbar ist und was
wohl lautet, nachdenken sollen: aber eine solche Ehe hat den Makel
der Infamie; daß wir uns der Ehrbarkeit vor allen Menschen
befleißigen sollen: aber eine solche Ehe ist nicht ehrbar. 5) Wenn die
Wittwen wegen der vom Apostel festgesetzten Freiheit der Ehe während des
Trauerjahres von der Verheirathung nicht abgehalten werden dürfen, warum
halten sie denn den ganzen geistlichen Stand gänzlich von der Ehe ab? warum
behaupten sie, daß die Ehe wegen geistiger Verwandtschaft verhindert sei?
warum führen sie so viele verbotene Grade ein? u. s. w. Wenn sie meinen,
daß in diesen und ähnlichen Verordnungen des kanonischen Rechts der Freiheit
der Ehe kein Hinderniß in den Weg geworfen werde, warum behaupten sie
dies denn von dem, auf den billigsten Gründen beruhenden Verbote des bürgerlichen
Rechts?

Was das zweite Stück betrifft, so halten wir es für billig, daß auch die
Wittwer während der Zeit des Trauerjahres oder wenigstens eines halben
Jahres vom Tode ihrer ersten Frau an sich nicht wieder verheirathen. Denn
obgleich sie nicht gerade durch ein göttliches oder bürgerliches Recht dazu verpflichtet
sind; obgleich auch der erste Grund, nämlich Verwechslung der Nachkommenschaft,
bei den Männern wegfällt: so hat doch der zweite Grund, nämlich
die öffentliche Ehrbarkeit, auch bei ihnen statt. Denn ein Mann scheint
nicht mit aufrichtiger Gattenliebe der zugethan gewesen zu sein, deren Andenken
er sogleich mit dem Tode derselben bei Seite legt, und ohne öffentliches
Aergerniß wird über dem frischen Grabhügel der ersten Gattin nicht der neue
Ehebund geschlossen. Daß zwischen dem Tode der Sarah und der zweiten
Ehe des Abraham einige Zeit verflossen war, zeigt die Mosaische Erzählung.
Obgleich darum diejenigen, welche nach dem Tode der ersten Frau zur zweiten
Ehe eilen, nicht der Infamie des Gesetzes verfallen, wie Seneca sagt: „den
Männern ist keine bestimmte Trauerzeit gesetzt, weil keine auch ehrbar ist“: so
können sie doch von der Infamie der That und vom Verdachte der Leichtfertigkeit
und Unenthaltsamkeit kaum frei sein. Es ist unmenschlich, „mit denselben
Augen die Beerdigung der Seinigen zu sehen, mit denen man sie selbst
gesehen hat, ihr Gedächtniß mit ihrer Leiche hinauszutragen und nicht bewegt
zu werden in Folge der ersten Zerreißung des Familienbandes“, sagt derselbe
Seneca: nun aber wird diese Trauer grade am meisten dadurch an den
Tag gelegt, daß man sich einer neuen Ehe enthält.

English translation AI translation

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Excerpts as Contributions to Pastoral Casuistry. 375

of the authorities forbidding widows to marry within the year of mourning
rests on honorable and just grounds. The same apostle Paul demands, in
Philippians 4:8, that we should think on whatsoever is honorable and of
good report: but such a marriage bears the stain of infamy; that we should
be diligent in decency before all men: but such a marriage is not
decent. 5) If widows, because of the freedom of marriage established by
the apostle, may not be kept from marrying during the year of mourning,
why then do they keep the whole clerical estate entirely from marriage?
why do they maintain that marriage is hindered on account of spiritual
kinship? why do they introduce so many forbidden degrees? and so on. If
they think that in these and similar ordinances of canon law no obstacle
is thrown in the way of freedom of marriage, why then do they maintain
this concerning the prohibition of civil law, which rests on the fairest
grounds?

As for the second point, we hold it fair that widowers too, during the
time of the year of mourning, or at least of half a year from the death of
their first wife, should not marry again. For although they are not,
strictly, bound to this by any divine or civil law — although also the
first reason, namely confusion of offspring, does not apply to men — yet
the second reason, namely public decency, holds for them as well. For a
man does not seem to have been sincerely devoted in spousal love to her
whose memory he lays aside immediately upon her death, and it is not
without public scandal that a new marriage bond is entered upon over the
fresh grave-mound of the first wife. That some time elapsed between the
death of Sarah and the second marriage of Abraham, the Mosaic narrative
shows. Although, therefore, those who hasten to a second marriage after
the death of the first wife do not fall under the infamy of the law, as
Seneca says: "no fixed time of mourning is set for men, because none is
even decent" — still they can scarcely be free from the infamy of the deed
and from the suspicion of frivolity and want of restraint. It is
inhuman, "to see the burial of one's own with the same eyes with which one
saw them alive, to carry out their memory along with their corpse, and not
to be moved as a result of the first tearing of the family bond," says the
same Seneca: yet now this mourning is shown most of all precisely by one's
abstaining from a new marriage.