Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 12 › Seite 366
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — December 1858, Seite 366
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehrer 11 · Lehre. — Falſche Lehrer 14
366 Verwirret die Gewissen nicht.
fort nicht mehr mit ihm; und trotzdem daß St. Paulus einen großen
Theil der Judenchristen sich zu Feinden machte und ihre Lostrennung von der
Kirche veranlaßte; ja zu Zeiten mußte er wegen Gefahr des Streites und
der Entzweiung mit den übrigen Aposteln und mit Petrus selbst besorgt sein.
Aber das alles hat weder Christum noch die Apostel zum Verschweigen der
Wahrheit bewegen können. Und was hätte die Kirche und die Menschheit
auch dabei gewonnen, wenn sie abgelassen hätten, mit heiligem Ernste die
reine Lehre des Evangeliums zu bezeugen und den Irrthum zu widerlegen,
und dagegen mit toleranter Friedfertigkeit Wahrheit und Lüge hätten neben
einander gleichberechtigt stehen lassen, damit „die Kirche nicht zertrennt würde?“
Es gäbe dann kein Evangelium und keine Kirche mehr in der Welt. Die
Dornen und Disteln des Irrthums und der Ketzerei würden den guten Samen
des lauteren Worts bald überwuchert und gänzlich erstickt haben. Denn statt
daß durch das Zeugniß der Wahrheit der Kirche geschadet oder dieselbe zerstört
wird, ist es vielmehr das einzige Mittel ihrer Erhaltung und Entwickelung.
Wenn darum Pfr. Wucherer einem andern nachspricht: „Eine Kirche, die
ihre Richtungen nicht mehr ertragen kann, muß zerbröckeln,“ so sagen wir:
„Eine Kirche oder eine Parthei in der Kirche, die das unverfälschte Zeugniß
der lautern Wahrheit nicht mehr ertragen kann und annehmen will, verfällt
bei aller äußerlichen Einheit und Einförmigkeit dem Irrthum und geistlichen
Tode; wo aber dies Zeugniß im Schwange geht, da wirkt es nach Gottes
Verheißung klare Erkenntniß in allen Stücken der Lehre und lebendige
Einheit im wahren Glauben.“ Keineswegs ist die Wirkung
des Zeugnisses der Wahrheit die Verwirrung der Gewissen, wie
Pfr. Wucherer meint.
Denn es gibt eben nach Gottes Willen kein anderes Mittel, die Erkenntniß
klar, das Herz fest, den Willen entschieden zu machen, es gibt kein anderes
Mittel, die Gewissen von aller Verwirrung, von allem Schwanken, von aller Unsicherheit
frei zu machen als eben das unverfälschte Zeugniß der lauteren Wahrheit.
Und wenn man davon die Zertrennung der Kirche fürchtet, so sind
das bloße Menschengedanken. Es darf auch nicht das kleinste Stück der evangelischen
Wahrheit verschwiegen werden, weil wir fürchten müssen, es könne,
wenn auch vielen ein Geruch des Lebens zum Leben, so doch etlichen ein Geruch
des Todes zum Tode werden. Und wie dürfte erst das Zeugniß der
Wahrheit verstummen, damit Leute, die im Glauben und in der Lehre
nicht einig sind, äußerlich unter demselben Namen mit einander in kirchlicher
Gemeinschaft bleiben? Was soll daraus werden? Es kann nichts anders
werden als eine Kirche nach dem Muster der römischen, wo über der äußerlichen
Einheit die innerliche, lebendige Einheit im Glauben und in der Lehre
gering geschätzt und verachtet wird, wo man den Frieden mit Menschen höher
hält als Gottes klares Wort. Gott wolle uns vor einer solchen Einheit in
Gnaden bewahren durch das unverfälschte Zeugniß seiner lauteren
Wahrheit in allen Stücken!
Wir können nicht schließen, ohne nochmals unsere Verwunderung darüber
English translation AI translation
366 Confuse Not the Consciences.
forth no more with him; and notwithstanding that St. Paul made a great part
of the Jewish Christians his enemies and brought about their separation from
the church — indeed, at times he had, because of danger of strife and
discord, to be wary even of the other apostles and of Peter himself. But all
of this was able to move neither Christ nor the apostles to keep silent
about the truth. And what would the church and mankind have gained by it, if
they had ceased to bear witness with holy earnestness to the pure doctrine
of the gospel and to refute error, and had instead, with tolerant
peaceableness, let truth and falsehood stand side by side on equal footing,
so that "the church might not be split"? There would then be no gospel and
no church left in the world. The thorns and thistles of error and heresy
would soon have overgrown and utterly choked the good seed of the pure Word.
For instead of the church being harmed or destroyed by the testimony of the
truth, it is rather the sole means of its preservation and growth. When,
therefore, Pastor Wucherer repeats after another: "A church that can no
longer bear its factions must crumble apart," we say: "A church, or a party
within the church, that can no longer bear and will not accept the
unadulterated testimony of pure truth falls, for all its outward unity and
uniformity, into error and spiritual death; but where this testimony
prevails, there it works, according to God's promise, clear knowledge in
every particular of doctrine and living unity in true faith." The effect of
the testimony of the truth is by no means the confusion of consciences, as
Pastor Wucherer supposes.
For there is, indeed, by God's will, no other means of making knowledge
clear, the heart firm, the will resolute; there is no other means of freeing
consciences from all confusion, from all wavering, from all uncertainty,
than precisely the unadulterated testimony of pure truth. And if one fears
from this the splitting of the church, that is mere human thinking. Not even
the smallest particle of evangelical truth may be kept silent, because we
must fear that it could become, though to many a savor of life unto life,
yet to some a savor of death unto death. And how much less could the
testimony of the truth fall silent, so that people who are not at one in
faith and doctrine might remain outwardly, under the same name, in church
fellowship with one another? What is to come of that? Nothing else can come
of it than a church after the pattern of the Roman one, where, above the
outward unity, the inner, living unity in faith and doctrine is lightly
esteemed and despised, where peace with men is held higher than God's clear
Word. May God graciously preserve us from such a unity, through the
unadulterated testimony of his pure truth in every particular!
We cannot close without once more expressing our astonishment at