Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 3 › Seite 82
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1856, Seite 82
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82 A plea for the Augsburg Confession ꝛc.
nicht die Mittel gehabt habe, ihre Kinder in eignen Lehranstalten zu erziehen
und namentlich zum lutherischen Predigtamt auszubilden, so daß sie dieselben
den Lehranstalten anderer Confession hätte übergeben und damit dem Einflusse
derselben aussetzen müssen. Auf diese Weise sei es dahin gekommen, daß die
Lutheraner mehr und mehr ihren eigentlichen Lehren und kirchlichen Einrichtungen
entfremdet, auch in ihren Bekenntnissen sich nicht zurechtfinden könnten
. Obwohl indeß unter diesen nachtheiligen Umständen die lutherische
Kirche fast einem Nebelbilde gleich geworden sei, so werde das nicht so bleiben:
sie habe einen großen Beruf zu erfüllen, der mehr den Geist als den Leib der
Kirche betreffe, darum sollten ihre Lehren von ihren Kindern am wenigsten
gering geachtet werden. Uebrigens sei es betrübt, daß gerade die augsburgsche
Confession um vermeintlicher Irrthümer willen angegriffen werde, dies
edle, freie und mehr als alle anderen weltgeschichtliche Bekenntniß, welches
die Gewissen an keine Menschenfündlein, sondern allein an das Wort Gottes
binde. Die Unterscheidungslehren unserer Kirche hinderten nicht die Ausbreitung
desselben; diese werde gehindert durch die Unbekanntschaft mit ihren
Lehren, die sich oft bei ihren eignen Kindern finde und jedenfalls durch Darstellungen
wie die des „Grundrisses“ nicht verringert werde. Falsch wie diese
seien, würden sie nur das Vorurtheil gegen unsere Kirche vermehren und in
ihr selbst bloß Hader und Zank hervorrufen. Von anderen Kirchen brauchten
wir keinen Schmuck für die unsere zu borgen; die unsere sei reich und herrlich
genug und werth, daß wir sie herrlich halten und ihre Lehre und ganzes Wesen
eifrig erforschen. Der Verfasser schließt mit dem Wunsche, seine Schrift
möge nicht verwunden, sondern heilen, nicht angreifen, sondern vertheidigen,
und erfleht dabei Gottes Segen über unser „lutherisches Zion.“ —
Die lieben Leser werden es natürlich finden, daß ich ihnen diese kleine
Schrift geradezu im Auszuge vorgeführt habe. Freilich konnte auch auf diese
Weise die christliche Wärme und Herzlichkeit, mit welcher sie geschrieben ist,
nicht recht hervortreten, wie ich es wohl gewünscht hätte, doch sehen die Leser,
daß es Herrn Pfarrer Mann gelungen ist, nachzuweisen:
1. Wie der „Grundriß“ die augsburgsche Confession auf grobe Weise
falsch dargestellt hat, wenn er sie die Ceremonien der Messe billigen läßt, den
Schein auf sie wirft, als fordere sie die Beibehaltung der Ohrenbeichte, die
Leute glauben macht, sie verwerfe eine rechte christliche Sonntagsfeier, endlich
ihre Lehre vom heil. Abendmahl so darstellt, daß man meinen sollte, sie schreibe
den Sacramenten die Kraft zu, auch dem Ungläubigen Vergebung der Sünden
zu ertheilen. Falsche Darstellung hat das Herr Pfarrer Mann genannt
und wird, wie ich eben sehe, um dieses Ausdrucks willen von Dr. B. Kurtz
getadelt: aber wie in aller Welt sollte er denn glimpflicher bezeichnen, was den
Namen der Verläumdung reichlich verdient?!
2. Ferner hat Pfarrer Mann gezeigt, daß in der Lehre von der christlichen
Freiheit, auf welcher die Stellung unserer Kirche zu den erbaulichen, dem
Worte Gottes nicht zuwiderlaufenden Ceremonien, zu der Sonntagsfeier und
English translation AI translation
82 A plea for the Augsburg Confession etc.
did not have the means to educate its children in its own institutions of learning, and in particular to train them for the Lutheran preaching office, so that it had to hand them over to the schools of other confessions and thereby expose them to their influence. In this way it has come about that the Lutherans have become more and more estranged from their proper teachings and church institutions, and could no longer find their bearings even in their own confessions. Although, indeed, under these unfavorable circumstances the Lutheran Church has become almost like a phantom, this will not remain so: it has a great calling to fulfill, one that concerns the spirit of the Church more than its body, and for that reason its teachings ought least of all to be held in low regard by its own children. It is, moreover, distressing that it is precisely the Augsburg Confession that is attacked for the sake of supposed errors — this noble, free confession, of world-historical significance beyond all others, which binds the conscience to no petty human tenet but to the Word of God alone. The distinctive doctrines of our Church do not hinder its spread; that is hindered by unfamiliarity with its teachings, which is often found even among its own children, and is in no way lessened by presentations such as that of the „Grundriß.“ False as these are, they would only increase the prejudice against our Church and stir up nothing but strife and quarreling within it. We need borrow no ornament from other churches for our own; ours is rich and glorious enough, and worthy that we hold it in honor and diligently search out its doctrine and whole character. The author closes with the wish that his writing might not wound but heal, not attack but defend, and prays for God's blessing upon our „Lutheran Zion.“ —
The kind readers will naturally find it fitting that I have presented this little writing to them directly in excerpt. To be sure, even in this way the Christian warmth and cordiality with which it is written could not properly come to the fore, as I would certainly have wished; yet the readers see that Mr. Pastor Mann has succeeded in demonstrating:
1. How the „Grundriß“ has grossly misrepresented the Augsburg Confession — when it lets it approve the ceremonies of the Mass, casts the appearance upon it as though it required the retention of ear-confession, makes people believe that it rejects a right Christian observance of Sunday, and finally presents its doctrine of the Holy Supper in such a way that one might think it ascribed to the sacraments the power to grant forgiveness of sins even to the unbelieving. Mr. Pastor Mann has called this a false representation, and is, as I see just now, taken to task for this expression by Dr. B. Kurtz; but how in all the world should he then describe more mildly what richly deserves the name of slander?!
2. Further, Pastor Mann has shown that in the doctrine of Christian liberty, on which the position of our Church toward the edifying ceremonies not contrary to the Word of God, toward the observance of Sunday, and