Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 3 › Seite 84
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1856, Seite 84
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(Eingesandt von A. B.)
Eine freie Conferenz.
Da es, um die Idee einer freien Conferenz rechtgläubiger Lutheraner
zur Reife zu bringen, zweckdienlich sein möchte, wenn sich möglichst viele Stimmen
darüber, sei es dafür oder dagegen, vernehmen ließen, so eile ich den Anfang
zu machen, in der Hoffnung, bald viele Nachfolger zu finden, welche den
Gegenstand gründlicher und allseitiger behandeln werden, als ichs zu thun im
Stande bin.
Es war mir eine freudige Ueberraschung im Vorworte des 2. Jahrgangs
der „„Lehre und Wehre,““ einen Gedanken angeregt zu finden, der bereits
seit einigen Jahren in mir lebt und dem ich auch in engeren und weiteren
Kreisen Theilnahme zu verschaffen gesucht habe.
Wer die Geschichte der lutherischen Kirche in den Vereinigten Staaten
seit dem letzten Jahrzehend verfolgt hat, wird zum Preise Gottes bekennen
müssen, daß eine zu den fröhlichsten Aussichten in die Zukunft berechtigende
Umwandlung angefangen hat. Große Massen von rechtgläubigen Schriften
sind während dieser Zeit in Umlauf gebracht worden, das Concordienbuch ist
nicht allein in deutscher, sondern nun auch in englischer Sprache ein Gemeingut
für Tausende von Lutheranern geworden. Der hierdurch ausgestreuete
göttliche Same kann unmöglich ohne Frucht geblieben sein, wie denn auch viele
Thatsachen die Wahrheit der göttlichen Verheißung Jes. 55, 10. 11. versiegeln.
Mehrere Synoden bekennen sich ausdrücklich und ohne Vorbehalt mit größerer
oder geringerer Entschiedenheit und Treue zu den Bekenntnißschriften der lutherischen
Kirche. Die Zahl der Männer, welche das edle Kleinod einer Lehre
zu schätzen wissen, wächst von Jahr zu Jahr, und selbst mitten in den Synoden,
welche sich am weitsten von der lutherischen Lehre entfernt haben, werden
Stimmen immer lauter, welche bald muthiger, bald schüchterner auf Rückkehr
zum unverfälschten Lutherthum dringen. Das sind Ursachen zur Freude, die
wir uns durch Wahrnehmung so mancher leider noch fortdauernden betrübten
Erscheinungen nicht sollten schmälern lassen.
Nichtsdestoweniger mangelt es zur Zeit an völliger Einigkeit; theils
möchte sich unter den Freunden der symbolischen Bücher in Auffassung der in
ihnen niedergelegten Lehren manche nicht unbedeutende Differenz der Ueberzeugung
herausstellen, theils stehen sich die Freunde der symbolischen Bücher
einander noch so fern, kennen einander zum großen Theil nicht einmal persönlich
, ja sind vielleicht noch von verschiedenen, gegründeten oder grundlosen
Vorurtheilen gegen einander eingenommen. Geschrieben worden ist bisher
genug, geredet wenig. Mir ist kein geeigneteres Mittel bewußt, sowohl unter
Gleichgesinnten Einigkeit des Geistes zu fördern, als auch in weitern Kreisen
dem lutherischen Bekenntniß immer allgemeinere Anerkennung zu verschaffen,
als eine freie Conferenz, und wenn ich gleich an sie die Hoffnung einer einheitlichen
amerikanisch⸗lutherischen Kirche zu knüpfen nicht wage, als welche
English translation AI translation
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(Submitted by A. B.)
A Free Conference.
Since it would seem expedient, in order to bring the idea of a free conference of orthodox Lutherans to maturity, if as many voices as possible were heard on the matter, whether for it or against it, I hasten to make the beginning, in the hope of soon finding many followers who will treat the subject more thoroughly and comprehensively than I am able to do.
It was a joyful surprise to me to find, in the preface to the second volume of „Lehre und Wehre,“ a thought stirred up that has already lived in me for some years, and to which I have also sought to procure sympathy in narrower and wider circles.
Whoever has followed the history of the Lutheran Church in the United States over the last decade will have to confess, to the praise of God, that a transformation has begun that justifies the most joyful prospects for the future. Great masses of orthodox writings have been put into circulation during this time; the Book of Concord has become common property for thousands of Lutherans, not only in the German but now also in the English language. The divine seed thus scattered abroad
cannot possibly have remained without fruit, as indeed many facts seal the truth of the divine promise, Isaiah 55:10-11. Several synods confess themselves, expressly and without reservation, with greater or lesser decisiveness and fidelity, to the confessional writings of the Lutheran Church. The number of men who know how to value the noble jewel of a pure doctrine grows from year to year, and even in the very midst of the synods that have departed furthest from Lutheran doctrine, voices are becoming ever louder — now more boldly, now more timidly — urging a return to unadulterated Lutheranism. These are causes for joy, which we ought not let be diminished by our perception of so many, alas still persisting, distressing phenomena.
Nevertheless, complete unity is at present lacking; in part, no small difference of conviction may show itself among the friends of the symbolical books in their understanding of the doctrines laid down in them; in part, the friends of the symbolical books still stand so far apart from one another, for the most part do not even know one another personally, and are perhaps still possessed of various prejudices against one another, well-founded or groundless. Enough has been written up to now, but little has been spoken. I know of no more suitable means, both to foster unity of spirit among the like-minded and to procure for the Lutheran confession an ever more general recognition in wider circles, than a free conference; and although I do not venture to attach to it the hope of a unified American-Lutheran church, as which