Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 3 › Seite 86
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1856, Seite 86
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
86 Eine freie Conferenz.
verehrter Freund und Bruder in Obigem schreibt, „die Theilnahme an der
Conferenz bedingt sein durch die rückhaltslose Zustimmung zu dem Concordienbuch
von 1580.“ Es ist uns ja kein Zweifel, daß derjenige, welcher ohne
Rückhalt die ungeänderte augsburgsche Confession unterschreibt, auch nicht
Einen Satz in den übrigen Bekenntnissen verwerfen kann, indem diese nichts
anderes sind, als weitere Entwickelungen und Vertheidigungen des in der
Augustana Enthaltenen. Allein, wie die kirchlichen Zustände hier in den
letzten Decennien gewesen sind und zum Theil noch sind, dürfte es wohl manchen
redlichen Lutheraner geben, der der ungeänderten augsburgschen Confession
von Herzen zugethan ist, ohne in der klaren Erkenntniß zu stehen, recht daran
zu thun, die ganze Concordia schon jetzt unterschreiben zu können. Auch solche
Lutheraner aber sind ohne Zweifel unsere Brüder. Die freie allgemeine Conferenz
sollte sich daher, meinen wir, auf keine Grundlage stellen, durch welche
sie den Schein gäbe, als ob sie aufrichtigen ehrlichen Mitbekennern jenes allgemeinen
Bekenntnisses aller Lutheraner die Bruderhand nicht reichen wolle
oder könne; noch sollte sie, meinen wir, auf den Segen verzichten, der auch
daraus erwachsen könnte, wenn sie auf ihrer Basis auch für solche Lutheraner
Raum machte, die bei aller Entschiedenheit für die Lehre unseres Grundbe⸗
kenntnisses noch Bedenken hegen gegen den Schlußstein unseres Bekenntnißbaues
, die Formula Concordiae. Uns dünkt, eine der wichtigsten Aufgaben
der Conferenz wäre gerade diese, unseren mit Bedenken gegen die consequente
Durchführung der in Augsburg bekannten Lehre erfüllten Brüdern diese Bedenken
zu benehmen und sie zu der segensvollen freudigen Ueberzeugung durch
Gottes Gnade zu leiten, daß in der von ihnen angenommenen Augustana alle
übrigen Symbole unserer Kirche schon implicite enthalten sind.
Dieser unserer Ueberzeugung gemäß können wir denn auch, bis wir eines
Besseren belehrt sein werden, nicht darin zustimmen, daß die Conferenz zu
diesem Zwecke vorgelegte Thesen zum Leitfaden ihrer Besprechungen mache.
In diesem Betreff stimmen wir einem deutsch⸗lutherischen Prediger aus nördlicher
Gegend bei, welcher, wie die geehrten Leser weiter unten ersehen werden,
den Vorschlag macht, daß in der Conferenz die augsburgische Confession
selbst verlesen und daran die gegenseitige Aussprache geknüpft und dazu die
nöthigen Erörterungen gemacht werden. Hiermit hätte die Conferenz das
beste Mittel, sich selbst kennen zu lernen, und das sicherste Fundament, auf
welcher sie sich weiter erbauen könnte, nach der Schrift selbst die unbestrittenste
Major zu ihren Subsumtionen und Schlüssen.
Es versteht sich von selbst, daß wir hiermit nichts thun, als unsere Stimme
mit abgeben wollen.
— —. — — —
English translation AI translation
86 A Free Conference.
honored friend and brother writes above, „participation in the conference is conditioned on unreserved assent to the Book of Concord of 1580.“ We have indeed no doubt that whoever subscribes without reservation to the unaltered Augsburg Confession can also reject not a single proposition in the remaining confessions, since these are nothing other than further developments and defenses of what is contained in the Augustana. But, given how the churchly conditions have been here in the last decades, and in part still are, there may well be many an honest Lutheran who is sincerely devoted to the unaltered Augsburg Confession without standing in the clear conviction that he would be right to be able to subscribe to the whole Concordia already now. But such Lutherans too are without doubt our brothers. The free general conference should therefore, in our opinion, place itself on no foundation by which it would give the appearance of being unwilling or unable to extend the hand of brotherhood to sincere, honest fellow confessors of that general confession of all Lutherans; nor should it, in our opinion, renounce the blessing that might also grow from this, if on its basis it made room even for such Lutherans who, with all decisiveness for the doctrine of our basic confession, still harbor scruples against the capstone of our edifice of confession, the Formula of Concord. It seems to us that one of the most important tasks of the conference would be precisely this: to remove these scruples from our brothers who are filled with misgivings about the consistent carrying-through of the doctrine confessed at Augsburg, and to lead them, through God's grace, to the blessed and joyful conviction that in the Augustana which they have accepted, all the remaining symbols of our Church are already implicitly contained.
In accordance with this our conviction, we cannot, then, until we are instructed better, agree that the conference should make theses submitted for this purpose the guiding thread of its discussions. In this regard we concur with a German-Lutheran preacher from a northern region who, as the honored readers will see further below, makes the proposal that in the conference the Augsburg Confession itself be read aloud and that the mutual discussion be attached to it, with the necessary deliberations carried out upon it. With this the conference would have the best means of coming to know itself, and the surest foundation on which it could further build itself up — from Scripture itself the most uncontested major premise for its subsumptions and conclusions.
It goes without saying that in this we do nothing but wish to add our own voice.
— —. — — —