Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 9 › Seite 272

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1859, Seite 272

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272 Urtheil eines Norwegischen Lutheraners über die Generalsynode.

ist es ganz zufällig, wenn einzelne Lehrer oder Districtssynoden in derselben wirklich die reine Lehre haben. Darum ist die Generalsynode dadurch, daß sie sich mit einer solchen feierlichen Farce statt einer bestimmten, rückhaltslosen Annahme des Bekenntnisses der reinen Lehre und der Verpflichtung dazu begnügt, unlutherisch und kann als Gemeinschaft auch nicht mit einem Schein von Recht verlangen, von irgend einem lutherisch genannt zu werden, welcher weiß, was lutherisch ist.

2) Aber man könnte sagen: „Vielleicht liegt der Fehler nur im unüberlegten Ausdruck in jener Formel, vielleicht meint man es anders, vielleicht ist die Praxis viel besser.“ Nun, wenn es so wäre, sollten wir gewiß nicht am Buchstaben hängen, sollten es mit Freuden erkennen, selbst wenn wir behaupten müßten, daß, wenn eine Gemeinschaft von der Wahrheit recht lebendig durchdrungen ist, sie unverzüglich einen derartigen mißverständlichen Ausdruck berichtigen wird; denn es folgt nothwendig aus rechter Erkenntniß der Wahrheit, daß man sie klar und deutlich bekennt. Dies ist ein Bedürfniß und eine Pflicht für den, der die Wahrheit liebt. Er kann sie nicht verschweigen oder mit zweideutigen, vorbehaltsweisen Ausdrücken verdunkeln, welche die bestimmte Meinung verbergen, statt sie klar zu bekennen. Denn wenn der rechtgläubige Christ sagt: „ich glaube, darum rede ich,“ so meint er nicht, wie jener französische Philosoph sagt, und, wie es scheint, die Generalsynode denkt, „daß die Rede dem Menschen gegeben ist, um seine Meinung verbergen zu können,“ nein! der Gläubige meint, daß seine Rede dazu dienen soll, seine Meinung zu bekennen.

Aber wir wollen nun darthun, daß die Generalsynode so weit davon entfernt ist, die Sache besser auszuführen, als jene Formel vermuthen läßt, daß sie vielmehr in der Praxis allzu deutlich beweist, daß dieser zweideutige Vorbehalt nur dazu dient, die gröbsten Abweichungen von der reinen Lehre zu verdecken, daß also deren sogenannte Bekenntnißformel dazu da ist, die Irrlehren zu verbergen und nicht die Wahrheit zu bekennen.

In der Generalsynode wird es nämlich geduldet, daß man geradezu sagt: „Die Augsburgische Confession enthält mehrere Irrthümer,“ und daß man an ihrer Statt völlig reformirte Lehre aufstellt. Wir wollen zunächst bloß hierbei bleiben. Die sogenannte Definite Platform war ein derartiges neues Glaubensbekenntniß, welches mehrere von den höchststehenden Leitern der Generalsynode als geeigneter, die Anschauungen der „amerikanisch⸗lutherischen“ Kirche auszusprechen, an die Stelle der Augsburgischen Confession zu setzen suchten. Darin wird geradezu behauptet, daß die Augsburgische Confession in mehreren Puncten falsch lehre, z. B. von der Taufe, vom Abendmahl ꝛc., wo sie es Irrthum nennt, daß die Augsburgische Confession lehrt, daß in der Taufe die Wiedergeburt geschieht und daß Christi Leib und Blut im Abendmahl wirklich gegenwärtig ist. Die Generalsynode selbst hat es wohl noch nicht für expedient (zweckmäßig) gehalten, diese Platform anzunehmen. Hingegen nahm sie jene leitenden Männer nicht in Kirchenzucht, duldete deren Verrath an den theuersten und

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272 Judgment of a Norwegian Lutheran on the General Synod.

it is purely accidental when individual teachers or district synods within it actually hold the pure doctrine. Therefore the General Synod, by contenting itself with such a solemn farce instead of a definite, unreserved acceptance of the confession of the pure doctrine and the obligation thereto, is un-Lutheran, and cannot, as a body, demand with any semblance of right to be called Lutheran by anyone who knows what Lutheran means.

2) But one might say: "Perhaps the fault lies only in an ill-considered expression in that formula; perhaps it is meant differently; perhaps the practice is much better." Now, if that were so, we certainly should not cling to the letter; we should gladly acknowledge it, even if we had to maintain that, when a fellowship is truly and livingly permeated by the truth, it will without delay correct such a misleading expression; for it follows necessarily from a right knowledge of the truth that one confesses it clearly and plainly. This is a need and a duty for one who loves the truth. He cannot keep silent about it, or obscure it with ambiguous, hedging expressions that conceal a definite opinion instead of confessing it clearly. For when the orthodox Christian says, "I believe, therefore I speak," he does not mean, as that French philosopher says, and as the General Synod seems to think, "that speech is given to man in order that he may conceal his opinion" — no! the believer means that his speech is meant to serve the confessing of his opinion.

But we now wish to show that the General Synod is so far from carrying out the matter better than that formula would suggest, that it rather proves all too clearly in practice that this ambiguous reservation serves only to cover over the grossest deviations from the pure doctrine, so that its so-called confessional formula exists in order to conceal errors and not to confess the truth.

For in the General Synod it is in fact tolerated that one says outright: "The Augsburg Confession contains several errors," and that one sets up in its place a wholly Reformed doctrine. We will for now confine ourselves to this alone. The so-called Definite Platform was just such a new confession of faith, which several of the highest-standing leaders of the General Synod sought to put in the place of the Augsburg Confession, as better suited to express the views of the "American-Lutheran" church. It is asserted there outright that the Augsburg Confession teaches falsely on several points, e.g. concerning Baptism, the Lord's Supper, etc., where it calls it an error that the Augsburg Confession teaches that regeneration takes place in Baptism and that Christ's body and blood are truly present in the Supper. The General Synod itself has, it seems, not yet considered it expedient to adopt this Platform. It did, however, fail to bring those leading men under church discipline, and tolerated their betrayal of the dearest and