Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 5 › Seite 141
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1859, Seite 141
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Aus dem diesjährigen Vorwort des sächsischen Kirchen⸗ und Schul⸗Blattes.
Während die Kirche des Bureaukratismus sich zu erwehren sucht, ist ein neuer Feind über sie gekommen, oder vielmehr ein alter: der Rationalismus. Er fühlt sich als ein anderer Simson, dem in der Zwischenzeit seine Haare wieder gewachsen sind und damit die alte Stärke wieder gekommen. Er schickt sich an, den Philistern aufzuspielen zum Tanz. Aber das wird er wohl bleiben lassen, daß er ihnen wie jener das Haus über dem Kopf zusammenwirft. Vielmehr, er träumt von neuen Siegen. Voll Zukunftshoffnung erhebt er sein Haupt. Vorderhand hat er noch mannigfache Gestalt, nicht überall seine eigentliche. In Preußen tritt er als Unionsfanatismus auf. Ein folgenschweres Ereigniß, mehr noch in kirchlicher als in politischer Beziehung, ist der Eintritt der Regentschaft des Prinzen von Preußen. Weniger in politischer Beziehung. Denn ein Staat ist ein festes Gefüge; da kann sich mancher Demokratenkopf daran zerstoßen, ehe er eine Bresche in die Mauer macht, und in Preußen ist die monarchische Gesinnung eine große Macht im Volke. Dazu werden dem neuen Regiment seine neuen Freunde bald unbequem werden und es wird sich spröder gegen sie stellen und weniger Hoffnung gebend. Auch wird die Rücksicht auf die übrigen deutschen Regierungen, so wie die streng monarchische Gesinnung des Regenten selbst nach dieser Seite heilsame Schranken ziehn. Anders ist's auf kirchlichem Gebiet. Die Kirche ist ein zarteres, loseres Gefüge; da kann man eher wirthschaften. Da kommt man auch nicht so leicht in Conflikt mit der Regierung und dem Säckel des Volks; auch pflegen unsre Politiker in der Regel viel weniger darnach zu fragen, was man hier treibe und anstelle. Es ist ein bedeutsames Wort, welches der Regent gesprochen: „Alle Heuchelei, Scheinheiligkeit, kurzum alles Kirchenwesen als Mittel zu egoistischen Zwecken ist zu entlarven, wo es nur möglich ist. Die wahre Religiosität zeigt sich im ganzen Verhalten des Menschen: dieß ist immer ins Auge zu fassen und von äußrem Gebahren und Schaustellungen zu unterscheiden.“ Man rühmt am Prinz⸗Regenten ein ritterliches Wesen. Und etwas Ritterliches liegt auch in dem ganzen Ton dieser Kriegserklärung wider „alle Heuchelei, Scheinheiligkeit“ u. s. w. Wenn nur das Ding so leicht ginge, wie die Worte leicht geredet werden können. Es soll es einmal einer versuchen, „alle Heuchelei“ u. s. w. „zu entlarven.“ Es würde vor allen Andern den höchsten Preis der Staatskunst verdienen und den Namen eines Wohlthäters der Menschheit, wer uns von diesem Geschmeiße der Heuchler und Scheinheiligen befreien könnte! Was könnte der Kirche und dem Reiche Gottes für ein größerer Dienst erwiesen werden! Schade nur, daß das Ding über Menschenvermögen hinausgeht und dem lieben Gott für den jüngsten Tag wird überlassen bleiben müssen. Da werden des Herzens Gedanken offenbar werden. Bis dahin aber werden wir uns wohl bescheiden müssen, den Menschen ins Herz zu schauen und über ihre Aufrichtigkeit oder Unaufrichtigkeit abzuurtheilen.
English translation AI translation
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From this year's Preface to the Saxon Church and School Paper.
While the Church is struggling to fend off bureaucratism, a new enemy has come upon her — or rather an old one: rationalism. He feels like another Samson, whose hair has grown back in the meantime and with it his old strength has returned. He is getting ready to strike up a dance for the Philistines. But he will probably think better of bringing the house down on their heads, as that other Samson did. Rather, he dreams of new victories. Full of hope for the future he lifts up his head. For the time being he still wears many shapes, not everywhere his true one. In Prussia he appears as Unionist fanaticism. A momentous event, more significant in ecclesiastical than in political terms, is the accession of the Regency of the Prince of Prussia. Less so in political terms. For a state is a firm structure; many a democrat's head may bruise itself against it before it breaches the wall, and in Prussia the monarchical sentiment is a great power among the people. Besides, the new regime's new friends will soon become inconvenient to it, and it will grow less yielding toward them and less encouraging. Regard for the other German governments, as well as the Regent's own strictly monarchical sentiment, will also draw salutary limits on that side. It is different in the ecclesiastical sphere. The Church is a more delicate, looser structure; there one can manage more freely. There one also does not so easily come into conflict with the government and the people's purse; and our politicians, as a rule, are much less inclined to ask what is being carried on and undertaken here. It is a significant word which the Regent spoke: "All hypocrisy, sanctimoniousness — in short, all use of church affairs as a means to selfish ends — is to be unmasked wherever possible. True religiosity shows itself in a person's whole conduct: this must always be kept in view and distinguished from outward bearing and displays." One praises in the Prince Regent a chivalrous character. And something chivalrous lies also in the whole tone of this declaration of war against "all hypocrisy, sanctimoniousness," etc. If only the thing went as easily as the words are easily spoken. Let someone once try to "unmask" "all hypocrisy," etc. He would deserve, above all others, the highest prize of statecraft and the name of a benefactor of mankind — whoever could free us from this vermin of hypocrites and sanctimonious people! What greater service could be rendered to the Church and to the Kingdom of God! It is only a pity that the thing is beyond human power and must be left to the dear God for the Last Day. Then the thoughts of the heart will be made manifest. Until then, however, we shall probably have to content ourselves with looking into people's hearts and judging their sincerity or insincerity.