Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 11 › Seite 336
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — November 1863, Seite 336
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German transcription AI-corrected against the scan
336 Bericht der sechsten ord. Synodalversammlung der norweg.-evang.-luth. Kirche.
dern bestimmten Tag in der Woche als einen Feier- und
Ruhetag auszusondern? Diese Frage wurde von vielen sogleich
mit einem bestimmten „Nein" beantwortet, und außer dem bereits Gesagten
zur Begründung angeführt: Wenn sich irgend eine Verpflichtung für die
Christen findet, einen bestimmten Tag heilig zu halten, so muß dieselbe entweder
eine moralische oder eine ceremonielle sein; nun sind die Ceremonialgebote
uns im N. T. nicht auferlegt: also müßte die Verpflichtung eine moralische
oder bei der Schöpfung uns ins Herz geschriebene sein. Aber dann
müßte sie auch auf eines der 10 Gebote, welche die kurze Summe des Moralgesetzes
sind, zurückgeführt werden können. Nun haben wir aber gehört, daß
sie sich nicht findet im 3. Gebot, auch hat noch keiner nur einmal versucht, sie
in einem andern der 10 Gebote zu finden: folglich kann da keine Verpflichtung
sein. Uebrigens, wenn es eine sein sollte, so dürfte sie nicht herausgefunden
werden allein aus dunklen und verhüllten Hindeutungen und Fingerzeigen
der Schrift, dergleichen Past. Clausen früher für seine Meinung angeführt
hat und wo wir nicht leugnen, daß da Aufforderung genug für uns ist,
lieber den Sonntag als einen andern Wochentag zum besonderen Feiertag zu
wählen, gleichwie Aufforderung genug ist, Ostern und andere Feste zu halten;
es dürfte auch nicht bloß der faktische Umstand sein, daß der HErr an einem
Sonntag auferstanden ist ꝛc.; sondern es müßte ein klarer, bestimmter Befehl
sein, der ohne alle Auslegungskunst könnte verstanden werden. Aber
weit entfernt, daß ein solcher gefunden würde, sind im Gegentheil klare
Worte in der Schrift darüber, daß kein Unterschied unter den Tagen ist und
es heißt da: „Niemand richte euch hierin." Aber wenn Jemand ein Moralgebot
überträte und sich der Hurerei, des Mordes oder der Dieberei schuldig
machte, so könnte doch Gottes Wort darüber nicht zu den Christen sagen:
„Niemand richte euch hierin!" Ja der Apostel straft sogar die Galater, daß
sie „Unterschied unter den Tagen" machten, und fürchtet deßhalb, daß er vergebens
an ihnen gearbeitet haben dürfte. Wir können freilich ein starkes,
eingewurzeltes Vorurtheil haben, daß der Sonntag von Gott gestiftet sei;
aber diese, wie alle menschlichen Gedanken und Meinungen müssen doch vor
so klaren und einfachen Worten Gottes weichen.
Past. Clausen bat jetzt um Erlaubniß, seine Meinung in dieser Sache entwickeln
zu dürfen. Er glaube, wenn wir aus Gottes Wort nach der Analogie
des Glaubens schließen müßten, daß etwas Gottes Wille sei, so wären
wir ebenso verpflichtet dem Folge zu leisten, als wenn wir ein ausgesprochenes
Gebot hätten. Hinsichtlich des ersten Ursprungs des Sabbaths glaube
er, daß des HErrn Wort Marc. 2, 27. „Der Sabbath ist um des Menschen
willen gemacht," uns zeige, derselbe stamme gleich von der Schöpfung her.
Indem er das Wort „Menschen" [nicht Juden] gebrauche, zeige nämlich der
HErr die allgemeine menschliche Bedeutung des Sabbaths an und könne daher
in dieser Stelle nicht von dem durch Mosen im 3. Gebot, sondern nur
von dem gleich nach der Schöpfung gestifteten Sabbath reden. Und wenn
Gott den Sabbath damals stiftete, so mußte ihn der Mensch schon im Stand
English translation AI translation
336 Report of the sixth ordinary synodical convention of the Norwegian Evang. Luth. Church.
other particular day of the week apart as a holy and
rest day? This question was at once answered by many
with a definite "No," and, besides what had already been said, the following
was adduced in support: If any obligation is found for Christians to keep a particular day holy, it must be either a moral or a ceremonial one; now the ceremonial commandments are not imposed on us in the New Testament: therefore the obligation would have to be a moral one, or one written into our hearts at creation. But then it would also have to be traceable back to one of the 10 Commandments, which are the short summary of the moral law. Now we have heard, however, that it is not found in the 3rd Commandment, nor has anyone even once attempted to find it in any other of the 10 Commandments: consequently there can be no obligation here. Moreover, if there were one, it ought not to be discovered solely from dark and veiled hints and allusions of Scripture, such as Pastor Clausen had earlier adduced for his opinion, and where we do not deny that there is encouragement enough for us to prefer Sunday over another day of the week as the particular holy day, just as there is encouragement enough to keep Easter and other festivals; nor ought it to be merely the factual circumstance that the Lord rose on a Sunday, etc.; rather there would have to be a clear, definite command, one that could be understood without any art of interpretation. But far from such a command being found, there are, on the contrary, clear words in Scripture to the effect that there is no distinction among the days, and it says there: "Let no man judge you in this." But if someone transgressed a moral commandment and made himself guilty of fornication, murder, or theft, God's Word could surely not say to the Christians about that: "Let no man judge you in this!" Indeed the apostle even rebukes the Galatians for "observing distinctions among days," and fears on that account that he may have labored among them in vain. We can, of course, have a strong, deeply rooted prejudice that Sunday was instituted by God; but this, like all human thoughts and opinions, must nevertheless yield before such clear and simple words of God.
Pastor Clausen now asked leave to be permitted to develop his opinion in this matter. He believed that if we were compelled to conclude from God's Word, by the analogy of faith, that something was God's will, we would be just as obligated to obey it as if we had an explicit commandment. As to the original origin of the Sabbath, he believed that the Lord's word in Mark 2:27, "The Sabbath was made for man," shows us that it dates back to creation itself. By using the word "man" [not "Jews"], the Lord shows the general, human significance of the Sabbath, and can therefore in this passage not be speaking of the Sabbath given through Moses in the 3rd Commandment, but only of the Sabbath instituted immediately after creation. And if God instituted the Sabbath at that time, then man must already have been in a condition