Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 6 › Seite 174

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juni 1858, Seite 174

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: König 153

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174 Ueber Krankenbesuche.

allzu vielem Zutrauen, aber auch nicht mit allzu starkem Mißtrauen wegen früherer Eindrücke und Erfahrungen, denn es kann in der Zeit der Trübsal sehr leicht eine solche Veränderung mit dem Kranken vorgegangen sein, daß er bald das Gegentheil von dem wahrnimmt, was er sich vorgestellt hat. Endlich nehme er sich fest vor, bei seinen kranken Schaafen mehr den Stab Sanft als den Stab Wehe zu gebrauchen (Zach. 11, 7.); denn die, welche weder unter die Sicheren und Leichtsinnigen, noch unter die Verstockten und Heuchler gehören, fühlen ohnehin unter der züchtigenden Hand Gottes mehr als sonst ihre Sündhaftigkeit und gewisse besondere Sünden, sie erschrecken da weit mehr vor Gottes Zorn und Gericht, es ist ihnen um Trost bange, sie wollten aber gern den Verheißungen des Evangelii von ganzem Herzen glauben.

Im Betreff dessen, was dem Kranken aus Gottes Wort zu sagen ist habe ich mich seit beinahe zwei Jahrzehnten nach gewissen kirchlichen Vorbildern gerichtet, denen ich besonders auch wegen ihrer seit Jahrhunderten bewährten Kraft und Wirkung den Vorzug vor vielen ähnlichen Anweisungen geben mußte. So habe ich bei dem ersten Besuche schwer Erkrankter gewöhnlich ein Echo des tröstlichen Sermons von Bereitung zum Sterben erklingen lassen und folgende Anrede angeschlagen: Nimm leiblich Abschied von der Welt, daß du dein Haus bestellest und geistlich, daß du dich mit Jedermann versöhnest. Dann richte dein Herz allein zu Gott und bereite dich auf dein Ende mit Beichten und zuversichtlichem Empfahen des heiligen Abendmahls. Wenn dich dann die drei Bilder des Todes, der Sünde und der Verdammniß erschrecken, so halte ihnen die drei Bilder der Gnade, des Lebens und der Seligkeit in Christo entgegen. Laß jener Bilder keines in dein Herz, sonst bist du verloren, diese aber bilde durch festen Glauben in dein Herz, so wirst du endlich gewiß den Sieg erhalten, wie Gideon mit seinen drei Kriegerhaufen gegen das große Heer der Midianiter. Darum siehe auch jene drei Feinde ja nicht an in den Exempeln derer, die von ihnen überwunden sind, sondern allein in denen, die sie überwunden haben;*) allermeist aber schaue Christum am Kreuze an, der da auch dir zum Trost solche Anfechtungen erlitten und überwunden hat. Kurz: Suche dich nicht in dir, sondern in Christo, so wirst du dich in ihm finden ewiglich.

Gesetzt nun, daß der Kranke auf solche Ansprache wenig oder nichts erwiedert, so ist es noch kein Zeichen weder der Unzulänglichkeit des gepredigten Wortes, noch eines Mangels an Glauben daran, sonst müßte derselbe Maßstab bei der öffentlichen Verkündigung desselben gelten. Es finden sich bei Gesunden, noch mehr aber bei Kranken, mancherlei Ursachen, warum es zu einer solchen Aussprache nicht kommen will. Daher sollen wir auch wie ein Ackersmann thun, der auf die reichliche Frucht der Erde wartet und ist gedul⸗

*) Hast du an solcher Gnade Gottes ihnen erwiesen ein herzliches Wohlgefallen, so bist du auch, wie sie, von Gott erwählt, laut seiner eigenen Zusage, 1 Mos. 13, 3.: Ich will segnen, die dich segnen.

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174 On Visiting the Sick.

with too much trust, but likewise not with too strong a mistrust because of earlier impressions and experiences; for in the time of affliction such a change can very easily have come over the sick person that he soon perceives the opposite of what he had pictured to himself. Finally, let him firmly resolve to use, with his sick sheep, more the rod of gentleness than the rod of woe (Zech. 11:7); for those who belong neither among the secure and the frivolous, nor among the hardened and the hypocrites, feel all the more, under the chastening hand of God, their sinfulness and certain particular sins; they are far more terrified there of God's wrath and judgment, they are anxious for comfort, yet they would gladly believe with their whole heart the promises of the Gospel.

As to what is to be said to the sick from God's Word, I have for nearly two decades guided myself by certain churchly models, to which I felt bound to give preference over many similar directions, especially because of their strength and effect, proven over centuries. Thus at the first visit to the gravely ill I have usually let an echo of the comforting sermon on preparing for death resound, and have struck up the following address: Take leave of the world bodily, so that you set your house in order, and spiritually, so that you reconcile yourself with everyone. Then direct your heart to God alone, and prepare yourself for your end with confession and confident receiving of the holy Supper. When the three images of death, sin, and damnation then terrify you, hold up against them the three images of grace, life, and blessedness in Christ. Let none of those images into your heart, or else you are lost; but engrave these, through steadfast faith, into your heart, and you will at last surely obtain the victory, as Gideon did with his three companies against the great host of the Midianites. Therefore look also upon those three enemies, not indeed in the examples of those who have been overcome by them, but only in those who have overcome them;*) but most of all look upon Christ on the cross, who for your comfort also suffered and overcame such temptations. In short: seek yourself not in yourself, but in Christ, and you will find yourself in him forever.

Suppose now that the sick person responds little or nothing to such an address; that is still no sign either of the insufficiency of the Word preached, or of a lack of faith in it — otherwise the same standard would have to hold for its public proclamation. There are found, in the healthy, and still more in the sick, all sorts of reasons why such a response does not come about. We should therefore also act like a farmer, who waits for the abundant fruit of the earth and is pati-

*) Have you shown them a heartfelt delight in such grace of God, then you too, like them, are chosen of God, according to his own promise, Gen. 13:3: I will bless those who bless you.