Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 3 › Seite 81
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1858, Seite 81
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Austritt 1 · Indifferentismus 7 · Kirche 30 · Lehre. — Lehre und Leben 3 · Spaltung
Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden. 81
Und daß wir so steif und eigensinnig sind, lehret uns St. Paulus hier mit seinem eigenen Exempel, der um einer Sache willen, so die falschen Apostel sammt ihren Jüngern nicht allein geringe und leicht, sondern auch ganz unbillig däuchte (denn sie hielten beiderseits, daß diese recht und göttlich lehreten, und jene recht und göttlich gläubeten), darf die falschen Apostel so frei und thürstiglich verdammen, und sagen: „Sie werden ihr Urtheil tragen, die euch irre machen.“ Darum muß man, wie ich viel und oft zu vermahnen pflege, die Lehre fleißig vom Leben scheiden. Die Lehre ist der Himmel, das Leben die Erde: im Leben ist Sünde, Irrthum, Uneinigkeit, eitel Mühe und Arbeit; da soll die Liebe überhören und übersehen, soll sich leiden, da soll die Vergebung der Sünden regieren und walten; so ferne doch, daß man solche Sünde und Irrthum nicht vertheidigen wolle. Aber mit der Lehre ist es viel ein ander Ding; denn sie ist heilig, rein, lauter, himmlisch, göttlich. Wer die ändern oder fälschen will, gegen den ist weder Liebe noch Barmherzigkeit zu beweisen, darum bedarf sie auch keiner Vergebung der Sünden.
Darum taugt es gar nicht, daß man Lehre und Leben mit einander vergleichen will: denn an einem Buchstaben, ja, an einem einigen Titel der Schrift ist mehr und größer gelegen, denn an Himmel und Erden. Darum können wir es nicht leiden, daß man sie auch in dem Allergeringsten verrücken wollte. Was aber betrifft die Gebrechen und Fehler am Leben, da können wir wohl zu gut halten und übersehen. Denn wir sind auch arme Menschen, so täglich straucheln und sündigen; ja, alle liebe Heiligen bekennen mit großem Ernst im Vater Unser, daß sie Sünder seien, und gläuben Vergebung der Sünde. Aber unsere Lehre ist von Gottes Gnaden rein; so ist kein Artikel unseres Glaubens, daß wir nicht guten beständigen Grund in der heiligen Schrift haben: dieselben wollte uns der Teufel gerne besudeln und verkehren. Darum greift er uns so tückisch an mit diesem Argument, daß er uns durch die Rotten Schuld giebt, wir halten nicht Friede, sondern sind zänkisch und zerreißen die Einigkeit und Liebe in der Kirche oder Christenheit.
Da siehest du, was St. Paulus hält von einem kleinen Irrthum in der Lehre, der sich für geringe, ja wohl für die Wahrheit läßt ansehen; nämlich so groß und gefährlich hält er ihn, daß er die falschen Apostel, so doch nach dem Ansehen große Leute waren, verfluchen darf. Darum dürfen wir den Sauerteig der falschen Lehre nicht so geringe achten: denn er sei so wenig, als er immer sein mag, machet er gleichwohl, wenn man nicht Acht darauf hat, daß die Wahrheit und Seligkeit dadurch niederliegt und zu Boden geht und Gott dadurch verläugnet wird. Denn wenn das Wort gesälschet, und Gott (wie von Noth wegen folgen muß) verläugnet und verlästert wird, ist keine Seligkeit mehr zu hoffen. Ob aber wir gleich verlästert, verflucht und erwürgt werden, da liegt keine Macht an: denn Er ist noch unerwürget, der uns wiederum kann aufwecken und erlösen vom Fluch, Tod und Hölle.
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English translation AI translation
On the Divisions in the Lutheran Congregations Here. 81
And that we are so stiff and stubborn, St. Paul teaches us here by his own example, who, for the sake of a matter that seemed to the false apostles and their disciples not only slight and trivial but altogether unjust (for both sides held that the one taught rightly and in a godly manner, and the other believed rightly and in a godly manner), dares to condemn the false apostles so freely and boldly, saying: "They will bear their judgment, those who trouble you." Therefore, as I am often and much accustomed to admonish, one must diligently separate doctrine from life. Doctrine is heaven, life is earth: in life there is sin, error, disunity, mere toil and labor; there love should overhear and overlook, should suffer, there the forgiveness of sins should rule and reign — yet only so far as one does not wish to defend such sin and error. But with doctrine it is quite a different matter; for it is holy, pure, clear, heavenly, divine. Toward whoever wants to alter or falsify it, neither love nor mercy is to be shown; therefore it needs no forgiveness of sins either.
Therefore it does not do at all to compare doctrine and life with one another: for a single letter, indeed a single word of Scripture, matters more and weighs more than heaven and earth. Therefore we cannot tolerate anyone wanting to shift it even in the very smallest point. But as for the failings and faults of life, there we can well be lenient and overlook them. For we too are poor human beings who stumble and sin daily; indeed, all the dear saints confess with great earnestness in the Lord's Prayer that they are sinners, and believe in the forgiveness of sin. But our doctrine is, by God's grace, pure; there is no article of our faith for which we do not have a good, firm foundation in Holy Scripture: these the devil would gladly like to defile and pervert for us. That is why he attacks us so maliciously with this argument, blaming us through the sects, saying that we do not keep peace but are quarrelsome and tear apart the unity and love in the church or in Christendom.
There you see what St. Paul thinks of a small error in doctrine, one that lets itself be regarded as trivial, indeed even as the truth; namely, he considers it so great and dangerous that he dares to curse the false apostles, who by outward appearance were great men. Therefore we must not regard the leaven of false doctrine so lightly: for however little it may be, it still, if one is not on guard, brings it about that truth and salvation are thereby laid low and trodden underfoot, and God is thereby denied. For when the Word is falsified, and God (as must necessarily follow) is denied and blasphemed, there is no more salvation to be hoped for. But if we ourselves are slandered, cursed, and strangled, that carries no real power: for He is not yet strangled who can in turn awaken and redeem us from curse, death, and hell.
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