Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 3 › Seite 71
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1858, Seite 71
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Einigkeit · Kirche und Staat 9 · Kirche und Staat 11 · Kirche und Staat 17 · Spaltung
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(Eingesandt.)
Von den Spaltungen in den hiesigen lutherischen Gemeinden.
Die lutherische Kirche Nord⸗Amerika's hat vor ihrer Mutterkirche in Deutschland einen köstlichen, tiefgreifenden Vorzug, das ist ihre Selbständigkeit, ihre Freiheit von der unnatürlichen, schädlichen Verbindung mit dem Staate. Ihre Entwickelung wird nicht gestört weder durch Druck und Verfolgung, noch durch eben so gefährliche Begünstigung weltlicher Macht. Vollkommene Glaubens⸗ und Gewissensfreiheit ist ihr hiesiges unschätzbares Kleinod. Man läßt die Kirche hier sein, was sie sein will, und nach dem Willen ihres Königs sein soll, ein Reich nicht von dieser Welt, ein geistliches Reich, ein Reich für sich selbst, ein Reich, das seinen eigenen König hat, und auf dieses Königs Kraft, Macht und Weisheit, allein beruht, und durch dessen Hülfe und Schutz allein erhalten wird. Die Braut Jesu Christi ist weder so arm und kraftlos, daß sie der Staat aus Erbarmen durch seine Mittel erhalten, und durch seinen Schutz, seine Polizei⸗Krücken tragen müßte; noch hat sie so ihre hohe Würde und Ehre vergessen, daß sie die Befehle ihres himmlischen Bräutigams für unzulänglich und unzweckmäßig achtend, sich von einem fremden Eindringlinge in ihrem eigenen Haushalte maßregeln ließe.
Es ist wahr, dieses köstliche Gut der Freiheit will von den Gemeinden wie von den Predigern erst begriffen, erst erkannt, erfahren, geübt sein, ehe es recht gewürdigt und geliebt wird. Ein unmündiges Kind das unter der Vormundschaft steht, lebt ruhiger und sorgenfreier als ein selbstständiger, freier Mann, auch dieser muß sich seiner eigenen Würde erst recht bewußt, und im rechten Gebrauch seiner Freiheit geübt sein, soll er sich nicht oft schmerzlich nach den Jahren seiner Unmündigkeit zurücksehnen, und wohl gar in die verkehrte Ansicht gerathen, als ob Knechtschaft und Unmündigkeit doch im Grunde der Freiheit und Selbstständigkeit vorzuziehen sei. Aehnliches begegnet hier aber manchem Gemeindegliede und Prediger, denn es giebt zumal in neuen Gemeinden oft gar viel Kampf, Unruhe, Unsicherheit, Unerfahrenheit, Ungeschick, Noth und Seufzen. In Deutschland hatten die königlichen oder großherzoglichen Konsistorien und sonstigen Kirchenbehörden die Gemeinden unter ihre vormundschaftlichen Hände genommen, diese nach ihrem Ermessen und Wohlgefallen, gaben den Gemeinden Prediger und Lehrer und nahmen sie ihnen wieder, diese, nach ihren jemaligen theologischen Standpunkten, gaben den Gemeinden Gesangbücher und Katechismen und nahmen sie ihnen wieder, diese nach ihrer königlichen ꝛc. Machtvollkommenheit setzten das Maß, wie weit von den Gemeinden, oder vielmehr allein von den Predigern Kirchenzucht auszuüben sei oder nicht, in den meisten Fällen erschien es aber ihrer Weisheit am zweckmäßigsten und am schnellsten zum Ziele führend, die Zucht in den Gemeinden den königlichen Aemtern und Polizeidienern zur sichern Handhabung zu überlassen. Zwar sagt der oberste, der himmlische König seiner
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(Submitted.)
On the Divisions in the Lutheran Congregations Here.
The Lutheran Church of North America has, before her mother church in Germany, one precious and far-reaching advantage, namely her independence, her freedom from the unnatural, harmful union with the state. Her development is hindered neither by oppression and persecution, nor by the equally dangerous favor of worldly power. Complete freedom of faith and conscience is her priceless jewel here. Here the church is allowed to be what she wishes to be, and what she is meant to be according to the will of her King: a kingdom not of this world, a spiritual kingdom, a kingdom unto itself, a kingdom that has its own King and rests solely upon that King's power, might, and wisdom, and is preserved solely through his help and protection. The Bride of Jesus Christ is neither so poor and powerless that the state must sustain her out of pity by its own means and she must bear the crutches of its police protection; nor has she so forgotten her high dignity and honor that, judging the commands of her heavenly Bridegroom insufficient and inexpedient, she would let herself be governed by some foreign intruder in her own household.
It is true that this precious gift of freedom must first be grasped, first recognized, experienced, and practiced by the congregations as well as by the pastors, before it is rightly valued and loved. An immature child under guardianship lives more calmly and free of care than a self-reliant, free man; even the latter must first become truly conscious of his own worth and be practiced in the right use of his freedom, lest he often painfully long back for the years of his immaturity, and even fall into the perverse notion that bondage and immaturity are, at bottom, preferable to freedom and independence. Something similar befalls many a church member and pastor here, for especially in new congregations there is often a great deal of strife, unrest, insecurity, inexperience, awkwardness, distress, and sighing. In Germany the royal or grand-ducal consistories and other church authorities had taken the congregations under their guardian hand; these, according to their own judgment and pleasure, gave the congregations pastors and teachers and took them away again; these, following their ever-changing theological standpoints, gave the congregations hymnals and catechisms and took them away again; these, by their royal etc. plenary power, set the measure of how far church discipline was to be exercised by the congregations, or rather by the pastors alone, or not at all; in most cases, however, it seemed to their wisdom most expedient and quickest to the goal to leave the discipline in the congregations to the sure handling of the royal officials and police officers. To be sure, the supreme, the heavenly King, says of his