Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 3 › Seite 91
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1857, Seite 91
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Ueber Amerika's kirchliche Gegenwart und Zukunft. 91
Geist des Calvinismus sträubt sich nun einmal gegen confessionelle Einheit. Die uneinigen calvinischen „Denominationen“ werden aber vorkommenden Falles nach Kreter-Art einträchtig zusammenhalten gegen Alles, was nicht auf ihrem Stamme gewachsen ist. Und solche Fälle werden nicht ausbleiben; den nächsten, vielleicht blutigen Zusammenstoß erwartet Schaff mit den Mormonen, wenn sie in ihrem jetzigen Territorium zur Größe eines Staates angewachsen sein werden und die Aufnahme in die Union verlangen. Wohl nicht viel später, wenn nicht noch eher, steht der Kampf des Calvinismus mit dem Romanismus bevor; der süße Papistentraum von der auf den Trümmern der sich selbst aufreibenden Secten zu errichtenden alleinseligmachenden Kirche dürfte leicht eine entgegengesetzte Erfüllung finden. Aber auch die amerikanische Kirche der evangelisch⸗lutherischen Reformation wird dem feindlichen Zusammentreffen mit dem Calvinismus nur dann und nur dadurch entgehen können, wenn sie sich mit einer illusorischen Existenz begnügt; denn ihr wahrer Grundgedanke steht dem Calvinismus zu schroff entgegen, als daß er neben ihm Raum finden könnte. Auf die in den Vereinigten Staaten herrschende Religionsfreiheit ist hierbei wenig zu rechnen; es hat damit seine eigene Bewandtniß.“
Hören wir, was Schaff weiter äußert: „Nordamerika hat, wenn man auf das große Ganze sieht, in religiöser Hinsicht einen überwiegend reformirten Character, von welchem auch die dortige lutherische Kirche unwillkürlich mit fortgerissen wird, so daß sie zwar einerseits gewinnt (?), aber andererseits auch verliert. Wenn man eine klare Anschauung von dem enormen Einfluß gewinnen will, den Calvin's Persönlichkeit, sittlicher Ernst und legislatorisches Genie auf die Geschichte ausgeübt hat, so muß man vor allem nach Schottland und nach den Vereinigten Staaten reisen. Die reformirte Kirche dringt, wo sie aus ihrem eigenen Genius heraus lebendig und kräftig sich gestaltet, mit besonderem Nachdruck auf durchgreifende sittliche Reform, auf individuelles, persönliches Christenthum, auf freies, selbstständiges Gemeindeleben und auf strenge Kirchenzucht. Sie trennt scharf zwischen Gott und Welt, Kirche und Staat, Wiedergebornen und Unwiedergebornen. Sie ist wesentlich practisch nach außen gerichtet, in die Verhältnisse der Welt eingreifend, organisirend und gemeindebildend, aggressiv und missionirend. Sie hat aber auch einen gesetzlichen Zug und trifft hier, obwohl vom entgegengesetzten Standpuncte aus, mit der römischen Kirche zusammen. Sie hält die Bibel über alles hoch (?) und will das kirchliche Leben immer wieder unmittelbar aus ihr heraus neu gestalten, ohne sich um die Tradition und die geschichtlichen Vermittelungen viel zu kümmern. Alle diese Eigenschaften treten in dem kirchlich-religiösen Leben Amerika's bei allen Differenzen der einzelnen Zweige scharf und klar hervor.... In Amerika sind gewissermaßen alle Bedingungen zu der umfassendsten Unionsaufgabe gegeben, eben weil sich dort nicht nur die lutherische und reformirte Confession, sondern auch die englischen und alle anderen europäischen Sectionen und Erscheinungsformen
English translation AI translation
On America's Present and Future Church Condition. 91
...spirit of Calvinism resists confessional unity as a matter of course. The mutually disunited Calvinistic "denominations," however, will, when the occasion arises, hold together harmoniously, Cretan-fashion, against anything that has not grown up on their own stock. And such occasions will not fail to arise; the next collision, perhaps a bloody one, Schaff expects with the Mormons, once they shall have grown, in their present territory, to the size of a state and demand admission into the Union. Not much later, if not indeed sooner, the struggle of Calvinism with Romanism is to be expected; the sweet papal dream of a sole-saving church to be erected upon the ruins of the sects that have worn themselves out against one another may easily find just the opposite fulfillment. But even the American church of the evangelical-Lutheran Reformation will be able to escape a hostile collision with Calvinism only if, and only by, being content with an illusory existence; for its true fundamental idea stands too sharply opposed to Calvinism for it to find room alongside it. Little reliance is to be placed here on the religious liberty prevailing in the United States; that has its own peculiar bearing on the matter."
Let us hear what Schaff further declares: "North America has, when one looks at the great whole, in religious respect a predominantly Reformed character, by which even the Lutheran church there is involuntarily carried along, so that on the one hand it indeed gains (?), but on the other hand also loses. If one wishes to gain a clear view of the enormous influence which Calvin's personality, moral earnestness, and legislative genius have exercised on history, one must above all travel to Scotland and to the United States. The Reformed church, where it takes shape, living and vigorous, out of its own genius, presses with particular emphasis for thoroughgoing moral reform, for individual, personal Christianity, for a free, self-standing congregational life, and for strict church discipline. It draws a sharp line between God and world, church and state, the regenerate and the unregenerate. It is essentially oriented practically outward, engaging with the conditions of the world, organizing and congregation-forming, aggressive and missionary. But it also has a legalistic strain, and in this, though from an opposite standpoint, it coincides with the Roman church. It holds the Bible in the highest esteem (?) and wishes ever anew to reshape church life directly out of it, without troubling itself much about tradition and the historical mediations. All these characteristics stand out sharply and clearly in the ecclesiastical-religious life of America, amid all the differences of the individual branches.... In America, all the conditions are, in a sense, given for the most comprehensive task of union, precisely because there not only the Lutheran and Reformed confessions but also the English and all the other European sections and forms of appearance