Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 3 › Seite 66

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1857, Seite 66

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66    Anweisung zu Katechismuspredigten.

dem dritten Jahrhundert angenommen worden, Rücksicht nehmen, nämlich
auf die Anfänger, auf die Zunehmenden und auf die Herangereiften, und
zwar auf die letzteren mehr in der Predigt und auf die beiden ersteren Classen
in dem Examen. Junge und Alte bekommen in der Predigt Gelegenheit,
sich im Merken, bei dem Examen aber, im Antworten zu üben, die ersteren
im lauten Antworten, die letzteren in stillschweigenden, und dieses wird durch
jenes bekräftigt und berichtigt.

2. Die Wichtigkeit der Katechismuspredigten.

In der deutschen Messe vom Jahr 1526 ordnet Dr. Luther an, daß
zween Tage in jeder Woche den Katechismus erhalten und stärken sollen in
seinem rechten Verstande. Ja in seinen Tischreden sagt er: „Ich wollte, daß
man ihn täglich predigte und aus dem Buch einfältig läse,“ was auch laut
der Kirchenordnungen lange Zeit sonntäglich nach der Predigt geschehen ist.
Dr. Luther selbst war ein eifriger Katechismusprediger, besonders zu Anfang
der Reformation, wo er zu solchem Werk noch gar keinen oder doch nur we⸗
nige Gehülfen hatte. Da hat er in den Jahren 1516 und 17 zuerst die zehn
Gebote, in der Fastenzeit des letzten Jahres das Vaterunser, in den 20er Jahren
abermals die zehn Gebote, im Jahre 1533 in Torgau den zweiten Artikel, bei
dem Convent in Schmalkalden das ganze zweite Hauptstück ausgelegt. Ja
sind nicht alle seine Predigten und Auslegungen auf den Katechismus gerich⸗
tet? Denn er bezeugt selbst: „Ich maße mich deß an in allen Predigten, das
ist die vornehmste und beste Lehre.“

Katechismuspredigten werden fleißigen Predigern und Zuhörern immer
lieber. Vieles, was man mehr dem Buchstaben nach kennt, wird einem je
länger je deutlicher. Der ganze Bau der Lehre baut sich immer weiter und
fester auf; besonders lernt man die einzelnen köstlichen Bausteine im großen
Katechismus immer mehr schätzen und gebrauchen, man achtet besser auf ein⸗
zelne Sätze und Ausdrücke, auf die Verbindung derselben ꝛc. Das bereits
Bekannte prägt sich bei jedesmaliger Wiederholung immer besser ein; man
freut sich, das Frühere wieder zu hören, wie man sich freut der Stimme eines
wiederkehrenden Freundes; man fühlt sich immer heimischer in solchen Pre⸗
digten; es erneuern sich die Erinnerungen an früheren Segen, zu dem jedes⸗
mal ein neuer Segen hinzu kommt. Und weil der Katechismus ein Auszug
aus der ganzen Bibel ist, so bekommt man dadurch mehr Einsicht in die ganze
Bibel und in das Ganze derselben, von Anfang der Welt an bis in die ewige
Herrlichkeit hinauf, und dadurch kommt man auch zu einem rechten Ganzen
im Christenthum, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.

Die Prediger lernen durch nichts besser immer die Hauptsachen hervor⸗
heben, sich kurz fassen, einfältig und doch lehrreich predigen. Sie üben sich
dabei namentlich in der großen Kunst, „sich des Katechismus nach dem Vor⸗
bilde Luthers in allen Predigten anzumaßen,“ indem sie nicht bloß Worte
daraus anführen, sondern bei jeder Gelegenheit in das Verständniß der Worte

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66    Instruction for Catechism Sermons.

...adopted since the third century, have regard, namely to the beginners,
to those advancing, and to those who have grown mature — indeed, more
to the latter in the sermon, and to the two former classes in the
examination. Young and old alike get, in the sermon, the opportunity to
exercise themselves in retaining; but in the examination, in answering
— the former in answering aloud, the latter in answering silently — and
this is confirmed and corrected by that.

2. The Importance of Catechism Sermons.

In the German Mass of the year 1526, Dr. Luther orders that two days in
every week shall maintain and strengthen the Catechism in its right
understanding. Indeed, in his Table Talk he says: "I would that it were
preached daily and read simply out of the book" — which, according to
the church orders, has indeed happened for a long time every Sunday
after the sermon. Dr. Luther himself was a zealous catechism preacher,
especially at the beginning of the Reformation, when he still had no
helpers at all for such work, or at most only a few. Thus, in the years
1516 and '17, he first expounded the Ten Commandments; in the Lenten
season of the last-mentioned year, the Lord's Prayer; in the [15]20s,
again the Ten Commandments; in the year 1533, at Torgau, the Second
Article; at the Convent in Schmalkalden, the whole Second Chief Part.
Indeed, are not all his sermons and expositions directed toward the
Catechism? For he himself testifies: "I claim this for myself in all my
sermons, that it is the foremost and best doctrine."

Catechism sermons become ever dearer to diligent preachers and hearers.
Much that one knows more by the letter becomes ever clearer the longer
one lives with it. The whole structure of doctrine builds itself ever
further and firmer; in particular, one learns to value and use the
individual precious building-stones in the Large Catechism ever more,
one pays closer attention to individual sentences and expressions, to
their connection with one another, etc. That which is already known
impresses itself ever more deeply with each repetition; one rejoices to
hear the earlier material again, just as one rejoices at the voice of a
returning friend; one feels ever more at home in such sermons; the
memories of earlier blessing are renewed, to which each time a new
blessing is added. And because the Catechism is an extract from the
whole Bible, one thereby gains more insight into the whole Bible and
into its entirety, from the beginning of the world up to eternal glory,
and thereby one also comes to a right wholeness in Christianity, in
faith, in hope, and in love.

Through nothing do preachers learn better to bring out the main points,
to express themselves briefly, and to preach simply and yet
instructively. In doing so they exercise themselves especially in the
great art of "claiming the Catechism for themselves, after Luther's
example, in all their sermons," in that they do not merely quote words
out of it, but on every occasion lead into the understanding of the
words