Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 3 › Seite 86
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1857, Seite 86
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86 Ein Zeugniß Dr. Hengstenbergs gegen den Chiliasmus.
dem Schließen des Kirchenfriedens ist daher nicht nur darauf zu sehen, welche Hauptstücke der christlichen Lehre zu glauben für alle schlechterdings nöthig ist, so daß man Glauben und Seligkeit unbeschadet mit denselben nicht einmal unbekannt sein darf, sondern auch auf die Lehre, welche der Kirche vertraut ist, damit Gott geistliche Söhne zu zeugen und im Glauben aufzuerziehen und zu nähren, und zu deren Vertheidigung und Reinerhaltung von Irrthum und Verfälschung dieselbe verpflichtet ist. Sie ist aber verbunden, wie oben gesagt, zur Schützung und Bewahrung der ganzen christlichen Lehre. Es bleibt daher fest und unumstößlich, daß der Syncretismus oder sündlicher und unerlaubter Friede der Kirche ist, welcher bei Fortbestand des Zwiespaltes in Betreff der christlichen Lehre geschlossen wird, mag man immerhin in einigen Theilen derselben, namentlich in denjenigen, welche für die Einfältigeren und dem ungebildeten Volke zur Seligkeit hinreichend sein können, unter sich einstimmig sein.“
Ein Zeugniß Dr. Hengstenbergs gegen den Chiliasmus.
Je tiefer jetzt der chiliastische Irrthum in die neuere Theologie eingedrungen ist, um so wohlthuender ist es hingegen, in den Schriften selbst eines Hengstenberg einem entschiedenen Zeugniß dagegen zu begegnen. Es hat derselbe einen Commentar zur Offenbarung St. Johannis im Jahre 1850 herausgegeben. Da derselbe wohl in den Händen nur weniger unserer geehrten Leser ist, so dürfte es manchem nicht unlieb sein, wenn wir eine, den Chiliasmus betreffende Stelle daraus hier mittheilen. Es ist folgende:
Wir haben das tausendjährige Reich bereits hinter uns, und stehen bei C. 21, 7—9., dem Loswerden Satans aus seinem Gefängniß nach Ende der tausend Jahre und seinem Ausgehen zu verführen die Heiden in den vier Oertern der Erde, sie zu versammeln in einen Streit; diese von uns ausgesprochene Ueberzeugung hat, wie wir voraussahen, weil sie mit den traditionellen und herrschenden Ansichten in offenen Widerspruch tritt, wenigen Anklang gefunden, Viele befremdet, Einigen sogar Anstoß gegeben.
Der Verwunderung über die aufgestellte Ansicht würde jedenfalls viel weniger gewesen sein, wenn man sich erinnert hätte, daß die jetzt gangbare und gewöhnlich ohne Weiteres für die eigentlich kirchlich gehaltene Ansicht, wonach das tausendjährige Reich erst zukünftig sein soll, erst durch Bengel in Umlauf gebracht und von dem Pietismus adoptirt worden ist. Schröckh, in den Lebensbeschreibungen berühmter Gelehrten Th. 3 S. 98 sagt: „Seit Bengel ist die Abneigung gegen den Chiliasmus, welche sonst ein Kennzeichen der Rechtgläubigkeit in unserer Kirche war, bei Vielen verschwunden.“ Bengel selbst gesteht es an einer ganzen Anzahl von Stellen zu, daß er die herrschende kirchliche Ueberzeugung (der Chiliasmus oder die Lehre von dem
English translation AI translation
86 A Testimony of Dr. Hengstenberg against Chiliasm.
In the closing of the peace of the Church, therefore, regard must be had not only to which chief articles of Christian doctrine it is absolutely necessary for all to believe, such that one may not be unacquainted with them without prejudice to faith and salvation, but also to the doctrine that has been entrusted to the Church, so that God may beget and rear and nourish spiritual sons in the faith, and to whose defense and preservation from error and corruption she is obligated. But she is bound, as said above, to the protection and preservation of the whole of Christian doctrine. It therefore remains firm and unshakeable that syncretism, or a sinful and unlawful peace of the Church, is one which is concluded while discord concerning Christian doctrine still persists — even though people may agree among themselves on some parts of it, namely those which can suffice for the salvation of the simpler and uneducated folk."
A Testimony of Dr. Hengstenberg against Chiliasm.
The deeper the chiliastic error has now penetrated into recent theology, the more welcome it is, by contrast, to meet with a decided testimony against it in the very writings of a Hengstenberg. He published a commentary on the Revelation of St. John in the year 1850. Since this is probably in the hands of only a few of our esteemed readers, it may not be unwelcome to many if we here communicate from it a passage concerning chiliasm. It is as follows:
We have the thousand-year kingdom already behind us, and stand at C. 21:7–9, at Satan's release from his prison after the end of the thousand years, and his going out to deceive the nations in the four corners of the earth, to gather them together for battle; this conviction expressed by us has, as we foresaw — because it stands in open contradiction to the traditional and prevailing views — found little favor, astonished many, and even given offense to some.
The astonishment at the view here set forth would in any case have been much less had one remembered that the view now current, and commonly held without further ado to be the properly churchly one — according to which the thousand-year kingdom is still to come in the future — was first put into circulation by Bengel and adopted by Pietism. Schröckh, in his Biographies of Famous Scholars, vol. 3, p. 98, says: "Since Bengel, the aversion to chiliasm, which was formerly a mark of orthodoxy in our Church, has vanished among many." Bengel himself concedes, in quite a number of passages, that he