Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 1 › Seite 3
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1857, Seite 3
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Vorwort zu Jahrgang 1857. 3
haben ? Der müßte fürwahr in der Geschichte unserer Kirche übel bewandert sein, der nicht wüßte, wie die lutherischen Kirchen, welche die ganze Concordia als ihr Symbol eingeführt hatten, nie anders als schwesterlich mit denjenigen verkehrt haben, welche nur dieses und jenes aus ihren Bekenntnissen, mindestens nämlich den „Augapfel“ unserer Kirche, als ihr Normalbekenntniß eingeführt hatten; natürlich vorausgesetzt, daß sie dies nicht offenkundig in Falsch thaten und den in den anderen Bekenntnissen gegebenen authentischen Erklärungen und Ausführungen der in dem Grundbekenntnisse enthaltenen Lehre nicht widersprachen; die dieses thaten, wurden, wie u. A. in Pfalz⸗Zweibrücken, nur zu bald als Antilutherische offenbar und schlugen sich endlich auch äußerlich zu den Reformirten. Endlich wäre noch zu fragen, ob es wenigstens nicht für die Glieder solcher Synoden, in denen sämmtliche lutherische Bekenntnisse symbolische normative Auctorität haben, gefährlich sein dürfte, an einer Conferenz theilzunehmen, welche allein die Augsburgische Confession als symbolische Norm zu ihrem Fundamente hat. Sollte das nicht vielleicht ein Weg werden können, auf welchem es dem Satan gelingen dürfte, diese Synoden um das große Kleinod eines so herrlichen, ausführlichen, reichen Lehrbekenntnisses zu bringen, das die Resultate und Siegesbeute so treuer Arbeiten und so großer Kämpfe unserer Väter enthält? Es wäre freilich thöricht, diese Gefahr in Abrede zu stellen. Allein, wenn durch eine Handlung nicht der Glaube verletzt wird, dieselbe aber wohl durch die Liebe zu den Brüdern im Einzelnen und zu der Kirche im Ganzen geboten ist, dann würde es ebensowohl ein Werk des Unglaubens als der Lieblosigkeit sein, eine solche Handlung um möglicher Gefahr willen zu unterlassen. Dazu kommt, wenn diejenigen, die da von Gott begnadigt sind, die Herrlichkeit aller unserer kirchlichen Bekenntnisse zu erkennen, von allen denen, welche, obwohl denselben Glauben, doch nicht dieselbe Erkenntniß haben, sich scheu zurückziehen, daß dann die nicht weniger erschreckliche Gefahr nahe liegt, daß der eine Theil in pharisaisches, fleischliches, geistlich stolzes, liebloses Pochen auf seinen strengen Confessionalismus gerathe, der andere aber, anstatt mit Zutrauen und Liebe zu dem Ausbau und den weiteren Verschanzungen unserer Bekenntnißburg erfüllt zu werden, davor mehr und mehr als vor einem Gefängnißthurm des Geistes und Glaubens zurückgeschreckt und daß so das in Amerika offenbar von Gott begonnene Werk einer Verjüngung unserer Kirche auf dem alten erprobten Grunde in bester Meinung es zu fördern aufgehalten werde.
Es sind nicht menschliche Klugheitsmaßregeln, welche eine Schaar Lutheraner in der Veranstaltung einer solchen Conferenz der Kirche zu helfen ergriffen haben; diese könnten sich freilich leicht als überaus thörichte erweisen; Gott kann es nicht leiden, wenn Menschen die Kirche durch ihre Klugheit erhalten und regieren wollen, er will das selbst thun durch sein Wort und seinen Geist. Es sind nicht neue Experimente, die man in Verzagung an den alten Mitteln zum Bau der Kirche mit einer solchen Zusammenkunft gemacht hätte; diese könnten freilich nur zu leicht fehlschlagen;
English translation AI translation
Preface to Jahrgang 1857. 3
have? Whoever did not know this would truly have to be poorly versed in the history of our Church — how the Lutheran churches which had introduced the entire Concordia as their symbol never dealt otherwise than sisterly with those who had introduced only this or that out of their confessions, namely at least the "apple of the eye" of our Church, as their normative confession; naturally provided that they did not do this openly in a false manner, and did not contradict the authentic explanations and elaborations, given in the other confessions, of the doctrine contained in the fundamental confession. Those who did this became, as for instance in Palatinate-Zweibrücken, all too soon manifestly anti-Lutheran, and at last also joined the Reformed outwardly. Finally, it would still have to be asked whether it might not be dangerous, at least for the members of those synods in which all the Lutheran confessions have symbolical, normative authority, to take part in a conference which has the Augsburg Confession alone as symbolical norm for its foundation. Might this not perhaps become a way by which Satan could succeed in bringing these synods to give up the great treasure of so glorious, so extensive, so rich a doctrinal confession, which contains the results and the spoils of victory of such faithful labors and such great struggles of our fathers? It would indeed be foolish to deny this danger. But if by an action the faith is not injured, while that same action is well commanded by love toward the brethren individually and toward the Church as a whole, then it would be equally a work of unbelief and of lovelessness to omit such an action for fear of a possible danger. Add to this: when those who are graced by God to recognize the glory of all our churchly confessions withdraw shyly from all those who, although holding the same faith, do not have the same insight, then the no less alarming danger lies near that the one party fall into a pharisaical, fleshly, spiritually proud, loveless insistence on its own strict confessionalism, while the other, instead of being filled with trust and love toward the building-up and the further fortification of our confessional stronghold, shrinks back from it more and more as from a prison tower of the spirit and of faith — so that the work of a rejuvenation of our Church, manifestly begun by God in America upon the old, tried foundation, is hindered in the very effort, meant in the best sense, to further it.
It is not human counsels of prudence which have moved a company of Lutherans to undertake the arrangement of such a conference to help the Church; these might indeed easily prove utterly foolish. God cannot bear it when men wish to preserve and govern the Church by their own cleverness — he will do that himself, through his Word and his Spirit. Nor are these new experiments which one, despairing of the old means, has made for the building of the Church by such a gathering; these might indeed all too easily fail;