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LCMS Convention Proceedings St. Louis, Missouri — 1848, Page 31

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Daß Sie alle, meine theuren Brüder in Chriſto, hieher gekommen ſind
mit der herzlichen Bitte zu Gott um eine ſolche Frucht unſeres Thuns hier
und mit dem heiligen Vorſatze, als Glieder dieſes Körpers eine ſolche Frucht
vor allem als das Ziel Ihrer Thätigkeit feſt im Auge zu behalten, daran
zweifle ich keinen Augenblick. Vielleicht bewegt aber uns alle, den einen mehr,
den andern minder, Ein Gedanke zu der Beſorgniß, daß unſere Berathun⸗
gen leicht fruchtlos bleiben könnten; ich meine den Gedanken, daß wir nach
der Verfaſſung, unter welcher unſer Synodalverband beſteht, eben nur die
Macht haben, uns zu berathen, daß wir nur die Gewalt des Wortes
und der Ueberzeugung beſitzen. Laut unſerer Conſtitution haben wir
kein Recht, Decrete zu verfaſſen, Geſetze und Verordnungen zu erlaſſen, und
in irgend einer Sache, welche den Gemeinden etwas auferlegt, einen Richter⸗
ſpruch zu thun, dem ſich dieſelben unbedingt unterwerfen müßten. Unſere
Conſtitution macht uns keineswegs zu einer Art Conſiſtorium, keineswegs
zu dem oberſten Gerichtshof unſerer Gemeinden. Sie läßt vielmehr denſelben
in Allem die vollkommenſte Freiheit, nichts ausgenommen, als das Wort
Gottes, den Glauben und die Liebe. Nach unſerer Verfaſſung ſtehen wir
nicht über unſeren Gemeinden, ſondern wir ſtehen in ihnen und ihnen zur
Seite. Wie? ſollte uns hiermit nicht die Möglichkeit ſchon faſt gänzlich
genommen ſein, einen durchgreifenden heilſamen Einfluß auf unſere Ge⸗
meinden auszuüben? Sollten wir durch Annahme einer Conſtitution, wie
die unſrige iſt, nicht ſelbſt uns zu einem bloßen Schatten einer Synode ge⸗
macht haben? Sollten wir, unter Verhältniſſen, wie wir ſie eingegangen
ſind, uns nicht mit Arbeiten ermüden, die leicht ganz verloren ſein können,
da niemand gezwungen iſt, ſich unſeren Beſchlüſſen zu fügen?

Hierauf antworten gewiß Sie alle mit mir entſchieden: Nein! Sie be⸗
dürfen dafür keiner, am wenigſten meiner Beweisführungen. Ich hoffe
jedoch, daß Sie mir gerne jetzt Ihr Ohr leihen werden, wenn ich zur Eröff⸗
nung unſerer diesjährigen Sitzungen Ihre Gedanken für einige Augenblicke
auf den angeregten Gegenſtand noch weiter zu lenken ſuche. Zwar iſt unter
uns gewiß niemand, der es lebendiger erkennt, wie völlig untüchtig ich bin,
in dieſer ehrwürdigen Verſammlung, mitten unter Lehrern, lehrend aufzu⸗
treten, als ich es ſelbſt erkenne: allein nicht nur liegt es mir nach dem Amte,
das Sie mir, als dem Geringſten unter Ihnen, einmal aufgelegt haben, ob,
das Wort zu nehmen; ſondern ich hoffe auch, durch einige Andeutungen, die
ich nach dem Maß meiner Erkenntniß und der mir geſtatteten nur äußerſt
flüchtigen Vorbereitung vorlegen kann, Ihnen wenigſtens einen Impuls zu
geben, daß Sie dem wichtigen Gegenſtande beſſer ſelbſt weiter nachdenken.

Die Frage, deren Beantwortung ich jetzt kürzlich zu geben gedenke, iſt
dieſe:

Warum ſollen und können wir unſer Werk mit Freuden
treiben, obwohl wir keine Gewalt, als die Gewalt des Wor⸗
tes, beſitzen?

Der erſte und wichtigſte Beweggrund hierzu iſt: weil Chriſtus ſeinen
Dienern nur dieſe und keine andere Gewalt gegeben hat und ſelbſt die hei⸗
ligen Apoſtel keine andere ſich zugeeignet und daher die Diener der Kirche
von der Beanſpruchung jeder anderen Gewalt ernſtlich gewarnt haben.

Klar und deutlich erklärt erſtlich Chriſtus, daß ſeine Kirche nicht die
Beſchaffenheit eines weltlichen Staates habe. Er hat auf die Frage Pilati,
ob er der Juden König ſei, u. a. das große wichtige Wort ausgeſprochen:
„Mein Reich iſt nicht von dieſer Welt. Wäre mein Reich von dieſer Welt,
meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet

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— 31 —

That all of you, my dear brothers in Christ, have come here with the
heartfelt prayer to God for such fruit from our work here, and with the holy
resolve to keep such fruit, above all, firmly in view as the goal of your
activity as members of this body — of that I do not doubt for a moment. Yet
perhaps all of us, some more, some less, are troubled by one thought: the
concern that our deliberations might easily remain fruitless. I mean the
thought that, under the constitution by which our synodical association
exists, we have only the power to deliberate — that we possess only the
authority of the Word and of persuasion. According to our Constitution we
have no right to issue decrees, to enact laws and ordinances, or to hand
down, in any matter that imposes something upon the congregations, a
judicial ruling to which they would have to submit unconditionally. Our
Constitution in no way makes us a kind of consistory [Konsistorium], in no
way the supreme court of our congregations. Rather, it leaves them complete
freedom in everything, with nothing excepted but the Word of God, faith, and
love. Under our constitution we do not stand over our congregations, but
stand within them and at their side. What then? Has this not already
deprived us of almost any possibility of exerting a thorough, wholesome
influence upon our congregations? Have we not, by adopting a constitution
such as ours, made ourselves into a mere shadow of a synod? Should we not,
under conditions such as we have entered into, wear ourselves out with
labors that may easily be entirely lost, since no one is compelled to comply
with our resolutions?

To this you will surely all answer with me decisively: No! You need no
proof of it from anyone, least of all from me. I hope, however, that you
will now gladly lend me your ear as I try, in opening this year's sessions,
to direct your thoughts for a few moments further toward the subject
raised. Indeed, no one among us surely recognizes more keenly than I do
myself how utterly unfit I am to stand up and teach in this venerable
assembly, in the midst of teachers; yet it falls to me, by virtue of the
office which you once laid upon me as the least among you, to take up the
word; and I hope, too, through a few remarks which I can offer only
according to the measure of my understanding and the extremely hurried
preparation allowed me, to give you at least an impulse to think further on
this important subject yourselves.

The question I now intend to answer briefly is this:

Why should and can we carry on our work with joy, even though we
possess no power but the power of the Word?

The first and most important reason for this is that Christ gave His
servants this power and no other, and that even the holy apostles claimed no
other for themselves, and therefore earnestly warned the servants of the
church against claiming any other power.

First, Christ declares clearly and plainly that His church does not have
the character of a worldly state. In answer to Pilate's question whether he
was King of the Jews, He spoke, among other things, the great and important
word: "My kingdom is not of this world. If my kingdom were of this world, my
servants would fight, that I should not be delivered to the Jews