# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 31 — Daß Sie alle, meine theuren Brüder in Chriſto, hieher gekommen ſind mit der herzlichen Bitte zu Gott um eine ſolche Frucht unſeres Thuns hier und mit dem heiligen Vorſatze, als Glieder dieſes Körpers eine ſolche Frucht vor allem als das Ziel Ihrer Thätigkeit feſt im Auge zu behalten, daran zweifle ich keinen Augenblick. Vielleicht bewegt aber uns alle, den einen mehr, den andern minder, Ein Gedanke zu der Beſorgniß, daß unſere Berathun⸗ gen leicht fruchtlos bleiben könnten; ich meine den Gedanken, daß wir nach der Verfaſſung, unter welcher unſer Synodalverband beſteht, eben nur die Macht haben, uns zu berathen, daß wir nur die Gewalt des Wortes und der Ueberzeugung beſitzen. Laut unſerer Conſtitution haben wir kein Recht, Decrete zu verfaſſen, Geſetze und Verordnungen zu erlaſſen, und in irgend einer Sache, welche den Gemeinden etwas auferlegt, einen Richter⸗ ſpruch zu thun, dem ſich dieſelben unbedingt unterwerfen müßten. Unſere Conſtitution macht uns keineswegs zu einer Art Conſiſtorium, keineswegs zu dem oberſten Gerichtshof unſerer Gemeinden. Sie läßt vielmehr denſelben in Allem die vollkommenſte Freiheit, nichts ausgenommen, als das Wort Gottes, den Glauben und die Liebe. Nach unſerer Verfaſſung ſtehen wir nicht über unſeren Gemeinden, ſondern wir ſtehen in ihnen und ihnen zur Seite. Wie? ſollte uns hiermit nicht die Möglichkeit ſchon faſt gänzlich genommen ſein, einen durchgreifenden heilſamen Einfluß auf unſere Ge⸗ meinden auszuüben? Sollten wir durch Annahme einer Conſtitution, wie die unſrige iſt, nicht ſelbſt uns zu einem bloßen Schatten einer Synode ge⸗ macht haben? Sollten wir, unter Verhältniſſen, wie wir ſie eingegangen ſind, uns nicht mit Arbeiten ermüden, die leicht ganz verloren ſein können, da niemand gezwungen iſt, ſich unſeren Beſchlüſſen zu fügen? Hierauf antworten gewiß Sie alle mit mir entſchieden: Nein! Sie be⸗ dürfen dafür keiner, am wenigſten meiner Beweisführungen. Ich hoffe jedoch, daß Sie mir gerne jetzt Ihr Ohr leihen werden, wenn ich zur Eröff⸗ nung unſerer diesjährigen Sitzungen Ihre Gedanken für einige Augenblicke auf den angeregten Gegenſtand noch weiter zu lenken ſuche. Zwar iſt unter uns gewiß niemand, der es lebendiger erkennt, wie völlig untüchtig ich bin, in dieſer ehrwürdigen Verſammlung, mitten unter Lehrern, lehrend aufzu⸗ treten, als ich es ſelbſt erkenne: allein nicht nur liegt es mir nach dem Amte, das Sie mir, als dem Geringſten unter Ihnen, einmal aufgelegt haben, ob, das Wort zu nehmen; ſondern ich hoffe auch, durch einige Andeutungen, die ich nach dem Maß meiner Erkenntniß und der mir geſtatteten nur äußerſt flüchtigen Vorbereitung vorlegen kann, Ihnen wenigſtens einen Impuls zu geben, daß Sie dem wichtigen Gegenſtande beſſer ſelbſt weiter nachdenken. Die Frage, deren Beantwortung ich jetzt kürzlich zu geben gedenke, iſt dieſe: Warum ſollen und können wir unſer Werk mit Freuden treiben, obwohl wir keine Gewalt, als die Gewalt des Wor⸗ tes, beſitzen? Der erſte und wichtigſte Beweggrund hierzu iſt: weil Chriſtus ſeinen Dienern nur dieſe und keine andere Gewalt gegeben hat und ſelbſt die hei⸗ ligen Apoſtel keine andere ſich zugeeignet und daher die Diener der Kirche von der Beanſpruchung jeder anderen Gewalt ernſtlich gewarnt haben. Klar und deutlich erklärt erſtlich Chriſtus, daß ſeine Kirche nicht die Beſchaffenheit eines weltlichen Staates habe. Er hat auf die Frage Pilati, ob er der Juden König ſei, u. a. das große wichtige Wort ausgeſprochen: „Mein Reich iſt nicht von dieſer Welt. Wäre mein Reich von dieſer Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet