Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 7 › Seite 224

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1856, Seite 224

193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33

⤓ Download .txt · copy text

224 Vermischte kirchliche Nachrichten.

zur „Platform“ Mann für Mann durch Aufstehen öffentlich und feierlich bekannt. Herr Dr. Benj. Kurtz ist natürlich darob ganz entzückt. Er sieht getröstet die Todtkranke sich wieder aufrichten. Wenn sich der oft getäuschte Mann nur nicht abermals betrügt und die neuen Muskelbewegungen nicht etwa nur durch galvanische Experimente erzeugt sind! — In derselben Zeit versammelte sich auch die ev.-luth. Synode von Pennsylvanien, die gegenwärtig von 98 Predigern gebildet wird, in Lancaster. In einem Berichte von den Verhandlungen dieser Synode heißt es in dem von Herrn Pastor Brobst herausgegebenen „Jugendfreund“: „Seit einiger Zeit ist der englische Theil der lutherischen Kirche durch eine nach dem Zeitgeist gezimmerte „„Platform““ sehr beunruhigt worden. Diese Sache wurde auch vor die Synode gebracht; kein Mensch wagte es, ein Wörtlein zu Gunsten der Platform zu sagen, sondern Jedermann sprach mit Verachtung davon, und die Synode erklärte aufs neue, daß sie an den Bekenntnißschriften der Kirche festhalten und auf dem alten Grund des Glaubens stehen bleiben wolle.“

Methodismus. Am 8. Mai hielten die deutschen Vorstehenden Aeltesten der method. Gemeinschaft in Indianopolis eine besondere Versammlung, worin sie u. A. darin übereinkamen, „solche ihrer Reiseprediger, welchen es zu sehr an Gaben mangelt, um mit Segen fernerhin wirken zu können, liebevoll, aber offen und bestimmt zu bitten, sich zurückzuziehen, und vorzüglich daß sie in Zukunft vorsichtiger sein sollen in der Aufnahme von Predigern auf Probe und in volle Verbindung.“ Wir fürchten, diese Sache wird vielfach übel ablaufen, denn es giebt offenbar nur zu viele, welche eben deßwegen Methodisten geworden sind, weil sie auf diesem Wege so leicht Reverends werden konnten.

Oldenburg. So schreibt der „Pilger aus Sachsen“: „Auf der 3. Landessynode des Herzogthums Oldenburg (1853) wurde das Anfangs- und Schlußgebet bei den Sitzungen der Kirchenältesten mit 19 gegen 3 Stimmen verworfen, „damit das Gebet nicht entweiht werde.“ Das Staatsgrundgesetz daselbst verordnet, daß an die Beobachtung kirchlicher Feiertage Niemand gebunden ist. 1854 auf der 4. Landessynode wurden die ersten Sitzungen mit Gebet begonnen, dasselbe mußte aber eingestellt werden, „weil es das Gefühl Einzelner verletze.“ Nach heftigen Debatten wurde endlich mit einer Mehrheit von 2 Stimmen ein Anfangsgebet für künftige Synoden beschlossen; die Einführung eines Bußtags (seit 60 Jahren ist keiner mehr gehalten worden) wurde abgelehnt. Die Kirche des Landes will eine evangelisch-lutherische heißen.“

So schreibt ferner die lutherische Dorfkirchenzeitung: „Lange schon war die frühere lutherische Landeskirche des Großherzogthums Oldenburg durch den Rationalismus dem Bekenntniß der Väter entfremdet worden, als die Umwälzungen von 1848 hereinbrachen. Der Landtag veranlaßte 1819 eine Synode, in welcher die Kirche ihren lutherischen Namen und ihr Bekenntniß und alle bisherige Ordnung hinwarf, und statt dessen sich bloß evangelisch nannte, kein Bekenntniß aufstellte und eine demokratische Verfassung einrichtete. Später fing man an sich zu schämen und 1852 ernannte der Großherzog eine Commission von 7 Männern, welche eine bessere Kirchenverfassung vorschlagen sollte. Die Vorschläge derselben enthielten keine besondere Besserung, man nahm den lutherischen Namen zwar wieder an; aber ohne Buße und ohne sich offen zum reinen Bekenntniß und zu lutherischer Kirchenordnung zurückzuwenden. Eine Synode vom Anfange des Jahres 1853 und ein Gutachten des Oberkirchenrathes nahmen nicht einmal die scheinbaren Verbesserungen alle an. Die Kirche nannte sich zwar wieder lutherisch, will aber Glied nicht der lutherischen, sondern einer „evangelischen“ Gesammtkirche sein, von welcher zu reden schon unlutherisch ist. 1854 trat wieder eine Synode zusammen und bekannte sich zu diesem Wesen. — Die Kirche wird nun von unten auf durch die majorennen, männlichen Mitglieder nach Kopfzahlwahl regiert: Das Gesangbuch ist unlutherisch, der Religionsunterricht der Prediger kann lutherisch und unlutherisch ertheilt werden, denn das Bekenntniß ist nicht wieder aufgerichtet. Kirchenzucht ist nicht vorhanden und die Kirche ist für ein Glied der evangelischen Gesammtkirche erklärt, die als Kirche Eines Bekenntnisses gar nicht existirt. Man wird zugeben, daß ein solcher Zustand einer Kirche, deren Massen noch dazu ganz weltlich sind, ein sehr trauriger ist. Das allertraurigste aber ist, daß man wagt, solch ein Wesen eine evangelisch-lutherische Kirche zu nennen. Mit tiefstem Schmerze müssen wir's hier beklagen, daß nicht die andern lutherischen Kirchen wenigstens ermahnend gegen Oldenburg aufgetreten sind oder noch auftreten. Was soll daraus werden, wenn jedes Ländchen nach Gefallen das Bekenntniß ändert und dann noch gar den Namen der lutherischen Kirche für sich in Anspruch nimmt? Wird derselbe dadurch nicht ganz um seine Bedeutung gebracht? Und wenn Ermahnungen nicht helfen, so müßte die wirkliche lutherische Kirche aller Lande doch öffentlich gegen diesen Bann in Israel zeugen, damit wir nicht Alle Theilhaber so großer Sünden würden. Besser wir werden noch geringer, als wir schon sind, mit gutem Gewissen, als daß wir durch unser Schweigen uns mit in's Verderben herabreißen lassen.“

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

Miscellaneous Church News. 224

—to the "Platform," man by man, by standing up, publicly and solemnly. Dr. Benj. Kurtz is naturally quite delighted about this. He sees, comforted, the deathly-sick woman raising herself up again. If only the often-deceived man is not deceived once more, and the new muscular movements are not perhaps produced merely by galvanic experiments! — At the same time the Evangelical Lutheran Synod of Pennsylvania, at present made up of 98 ministers, also assembled, at Lancaster. In a report on the proceedings of this synod, it is stated in the "Jugendfreund," published by the Rev. Pastor Brobst: "For some time the English part of the Lutheran Church has been greatly disturbed by a 'Platform' built to suit the spirit of the age. This matter was also brought before the synod; no one ventured to say a single word in favor of the Platform, but everyone spoke of it with contempt, and the synod declared once again that it would hold fast to the confessional writings of the church and remain standing on the old foundation of the faith."

Methodism. On May 8 the German presiding elders of the Methodist body held a special meeting in Indianapolis, in which they agreed, among other things, to ask — lovingly, but openly and firmly — that such of their traveling preachers who lack sufficient gifts to go on working with blessing withdraw, and above all that in future they be more cautious in receiving preachers on trial and into full connection. We fear that this matter will in many cases turn out badly, for there are evidently only too many who have become Methodists for the very reason that in this way they could so easily become "Reverends."

Oldenburg. So writes the "Pilger aus Sachsen": "At the third Landessynode of the Duchy of Oldenburg (1853) the opening and closing prayer at the sessions of the church elders was rejected by 19 votes to 3, 'so that the prayer should not be profaned.' The fundamental law of the state there ordains that no one is bound to the observance of church holy days. In 1854, at the fourth Landessynode, the first sessions were begun with prayer, but this had to be discontinued, 'because it offended the feelings of certain individuals.' After heated debates it was finally resolved, by a majority of two votes, to have an opening prayer for future synods; the introduction of a day of repentance (none has been kept for sixty years) was rejected. The church of the land wishes to be called Evangelical Lutheran."

So further writes the Lutheran Dorfkirchenzeitung: "Long ago already the former Lutheran territorial church of the Grand Duchy of Oldenburg had, through rationalism, become estranged from the confession of the fathers, when the upheavals of 1848 broke in. The Diet occasioned a synod in 1819, in which the church cast off its Lutheran name and its confession and all its previous order, and instead called itself simply 'evangelical,' set up no confession, and established a democratic constitution. Later people began to be ashamed of this, and in 1852 the Grand Duke appointed a commission of seven men, who were to propose a better church constitution. Their proposals contained no particular improvement; the Lutheran name was indeed taken up again, but without repentance and without openly turning back to the pure confession and to a Lutheran church order. A synod at the beginning of the year 1853 and an opinion of the supreme consistory did not even adopt all of the seeming improvements. The church did indeed call itself Lutheran again, but wishes to be a member not of the Lutheran, but of an 'evangelical' church at large, of which even to speak is already unlutheran. In 1854 a synod again convened and professed itself to this state of things. — The church is now governed from below, by the adult male members, according to a headcount vote: the hymnbook is unlutheran, religious instruction can be given by ministers in a Lutheran or an unlutheran manner, for the confession has not been restored. Church discipline does not exist, and the church is declared to be a member of the evangelical church at large — which, as a church of one confession, does not exist at all. It will be granted that such a condition of a church, whose masses are, besides, wholly worldly, is a very sad one. But the saddest thing of all is that people dare to call such a state of affairs an Evangelical Lutheran church. With the deepest sorrow we must lament here that the other Lutheran churches have not, at the very least, come forward with admonition against Oldenburg, or do not do so now. What is to become of it, if every little land alters its confession as it pleases, and then even claims for itself the name of the Lutheran Church? Is that name not thereby robbed entirely of its meaning? And if admonitions do not help, then the true Lutheran Church of all lands would have to bear public testimony against this ban in Israel, lest we all become partakers in so great a sin. Better that we become even smaller than we already are, with a good conscience, than that we let ourselves, through our silence, be dragged down together into ruin."