Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 7 › Seite 194
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1856, Seite 194
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33 · Predgit
194 Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther.
der Sätze, die ich aus Luther aufschreibe, bewahre. Man thut dies ohne besondere Anweisung von selbst, weil die Form viel zu schön ist, als daß wir sie verändern könnten, es sei denn daß wir uns dazu zwängen. So nehme ich denn, wenn irgend möglich, schon am Sonntag Abend das Evangelium und die Epistel des nächstfolgenden Sonntags vor die Augen, gehe sorgfältig den Urtext durch und suche mir die einzelnen Theile und Glieder desselben lebendig vor die Seele zu stellen. Darauf lese ich langsam und mit fortdauerndem Aufzeichnen Luthers Predigten, augenblicklich nur je eine, durch, eine Arbeit, die mich meistens bis zum Donnerstag beschäftigt. Ueber die gemachten Auszüge suche ich alsdann eine Uebersicht zu erlangen, in dem ich sie einzeln und im Zusammenhange betrachte und, wenn es nöthig erscheint, ihre gegenseitige Stellung zu einander durch Zahlen und Buchstaben anzeige. So lebendig, klar und völlig zu eigen werden einem auf diese Weise die Gedanken, daß man bei den im Amte erforderten Wanderungen die Predigt wörtlich sich vorstellen kann, mit rechter Freude an sie denkt und die Ausarbeitung der Predigt selbst, welche wenigstens für mich zugleich das Memoriren ist, mit Vergnügen vollbringt. Nicht sage ich hiemit, daß Andere es eben so anstellen müssen; Jeder wird sich gemäß seiner geistigen Eigenthümlichkeit auch seine eigene Weise ausbilden, aber das Aufschreiben beim Lesen unterlasse niemand, und wer es bisher nicht gethan hat, der versuche es einmal: er wird es beim ersten Versuch bewährt finden.
Die Anordnung des Stoffes zur Predigt, welche den zweiten Haupttheil der Vorbereitung aus Luther bildet, ist eine eben so einfache Arbeit wie die Aneignung der Gedanken. In einer überwiegenden Mehrzahl der Predigten Luthers freilich scheint keine bestimmte Eintheilung hervorzutreten, und namentlich bei denen der Kirchenpostille glaubt man die verschiedenen Predigten erkennen zu können, aus welchen die eine, gerade der Betrachtung vorliegende zusammengesetzt sein mag. Allein auch in dieser Beziehung lernt man durch sorgfältiges Aufschreiben und Betrachten des Aufgeschriebenen sich zurechtsinden; daß aber unterweilen sich einzelne Predigten in einer einzigen unterscheiden lassen, dient nur dazu, die Zahl der verschiedenen Eintheilungen zu vergrößern. Luther folgt gewöhnlich Schritt vor Schritt den Gedanken des Textes nach, die einzelnen unter einem Hauptsatze vereinigend, wenn es ungezwungen angeht, wenn nicht, die einzelnen Gedanken neben einander stellend. Er läßt sich auch in diesem Stücke durchaus vom Schriftworte leiten. Seine Eintheilung leuchtet dem Leser, der mit der Feder liest, bald, meistens sogleich entgegen, oftmals auch eine besondere Anordnung des Textinhaltes in einer besondern Abtheilung einer Predigt der Kirchenpostille. Welche von diesen zu wählen, kann hier natürlich nicht vorgeschrieben werden, vermissen wird indeß der Schüler Luthers nichts, was ihm für das gegenwärtige Bedürfniß irgend Anleitung geben könnte. Eine kurze Uebung macht mit Luthers höchst einfacher und natürlicher Weise der Anordnung der Predigt vertraut und ge⸗
English translation AI translation
Sermon Preparation from Dr. Luther. 194
...preserve the form of the sentences that I write down from Luther. One does this without any particular instruction, simply of itself, because the form is far too beautiful for us to be able to alter it, unless we should force ourselves to do so. Thus, whenever at all possible, I take the Gospel and Epistle of the following Sunday before my eyes already on Sunday evening, go carefully through the original text, and seek to set the individual parts and members of it vividly before my soul. After that I read slowly, and with continual note-taking, through Luther's sermons — at the moment only one at a time — a task that occupies me for the most part until Thursday. Concerning the excerpts thus made I then seek to gain an overview, in that I consider them individually and in context, and, where it seems necessary, indicate their relation to one another by numbers and letters. In this way the thoughts become so vivid, clear, and fully one's own that, during the rounds required by one's office, one can call the sermon to mind word for word, thinks of it with true joy, and accomplishes the working-out of the sermon itself — which for me at least is at the same time the memorizing of it — with pleasure. I do not mean to say hereby that others must go about it in just the same way; each will, according to his own spiritual character, develop his own manner as well, but let no one omit the writing-down while reading, and whoever has not yet done so, let him try it once: he will find it proven from the very first attempt.
The arrangement of the material for the sermon, which forms the second principal part of the preparation from Luther, is a task just as simple as the appropriation of the thoughts. In the great majority of Luther's sermons, to be sure, no definite division seems to stand out, and particularly in those of the Church Postil one thinks one can make out the several sermons out of which the one now under consideration may have been composed. Yet even in this respect one learns, through careful writing-down and consideration of what has been written down, to find one's bearings; and that at times individual sermons can be distinguished within a single one serves only to increase the number of the different divisions. Luther generally follows the thoughts of the text step by step, uniting the individual thoughts under one main proposition where this can be done without forcing, and otherwise setting the individual thoughts side by side. In this respect too he lets himself be guided entirely by the word of Scripture. His division becomes clear to the reader who reads pen in hand, soon, usually at once; often, too, there appears a particular arrangement of the content of the text in a particular section of a sermon of the Church Postil. Which of these one should choose cannot, of course, be prescribed here; the student of Luther will, however, miss nothing that could give him any guidance for his present need. A short exercise makes one familiar and