Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 4 › Seite 98
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1856, Seite 98
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98 Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc.
endlich die einzelnen so untersuchten und bewährten Glieder des Glaubens
je nach deren gegenseitiger Beziehung oder Verhältniß zu Begriffen zusammen
und diese wieder zu Gebäuden von Begriffen oder Systemen. Allein den
Glauben, insofern als er dem geschriebenen Worte Gottes entspricht, stößt sie
nicht um, auch wenn sie von manchen Theilen desselben noch keine oder doch
nur unvollständige Begtiffe fassen kand. Der wahre, das ist der mit dem geschriebenen
Worte Gottes übereinstimmende Glaube bleibt ihre Schranke;
innerhalb derselben ist sie frei, über dieselbe hinausgehend, geräth sie in die
Willkür oder was dasselbe ist, verliert sie ihren eignen Gegenstand und giebt
sich selbst auf.
Die Macht, welche die Welt überwindet, ist der Glaube dadurch, daß er
Gottes weltüberwindendes Wort zu eigen hat. Diese Bedeutung des Wortes
Gottes, am Glauben das Theil zu sein, welches ihm Licht, Kraft und Leben
giebt, ist so anerkannt, daß eben jenes geglaubte Wort Gottes selbst „der
Glaube“ genannt, also mit dem Namen seines Besitzers geschmückt wird, und
daß die christliche Theologie mit der wissenschaftlichen Behandlung desselben
ihren Anfang nahm (was zur systematischen Theologie, zunächst in Apologetik
und Polemik führte). Zum geglaubten Worte stellt sich die Theologie natürlich
gerade so, wie sie zum Glauben selbst steht; sie sucht es, wie es im Glauben
der Einen heil. christlichen Kirche besteht, sie trachtet es durch die ihr eigenthümliche
Arbeit des Auseinandersetzens, Begründens und Begreifens in
ein Lehrgebäude oder System zu fassen; aber sie stört es so wenig in seinen
Bestehen, daß sie es vielmehr voraussetzt, von ihm ihren Ausgang nimmt, ja
in ihm ihr Ziel und Ende sucht.
Das geglaubte Wort Gottes steht nicht bloß im Herzen der Gläubigen
geschrieben. Wer mit dem Herzen glaubt, der bekennt auch mit dem Munde;
außerdem aber predigen und lehren die Christen Gottes Wort, weil Gott sie
damit beauftragt hat. Deshalb ist unter den Gliedern der christlichen Gemeinde
in Kirchen und Schulen das geglaubte Wort Gottes im Schwange
durch die Rede und natürlich auch durch das Mittel, welches dem Worte noch
eine weitere Ausbreitung giebt, als die Rede, durch die Schrift. „Lehre“ wird
es genannt als Gegenstand jener Rede und Schriftsprache. Daß diese Lehre
in Gemeinden desselben Glaubens ein und dieselbe ist, versteht sich bei ihrer
Entstehung aus dem Glauben von selbst; sie wird aber auch einen gemeinsamen
Ausdruck durchs Wort verlangen, da wie der einzelne Christ, so die
Gemeinschaft der Christen, die in Christo zu einem Leibe vereinigt sind, von
ihrem Glauben Zeugniß abzulegen begehrt. Außer diesem Begehr, welches
im Glauben der Gemeinde liegt, wird die Kirche zu einem gemeinsamen Ausdruck
ihres Glaubens genöthigt durch das Bedürfniß, eine gemeingültige Vorschrift
zu haben für den Unterricht ihrer Glieder in der von ihr anerkannten
Lehre, ein Zeichen, eine Parole gleichsam oder Symbol, zu besitzen, an welchen
sie von den Ihrigen wie von den sie Suchenden erkannt werden mag; endlich
durch die Nothwendigkeit, eine gemeingültige Darstellung der rechten Lehre
English translation AI translation
98 The Obligation to the Church's Confessions, etc.
finally, the individual members of the faith, thus examined and proven, one
with another, each according to its mutual relation or connection, into
concepts, and these again into structures of concepts, or systems. But the
faith itself, insofar as it corresponds to the written Word of God, it does
not overturn, even where it can as yet grasp only incomplete, or indeed no,
concepts of some of its parts. The true faith — that is, the faith agreeing
with the written Word of God — remains its boundary; within that
boundary it is free, but going beyond it, it falls into arbitrariness, or,
what is the same thing, it loses its own proper object and gives itself up.
The power that overcomes the world is faith, in that it possesses as its
own God's world-overcoming Word. This significance of the Word of
God — that of being the part in faith which gives it light, power, and life
— is so fully recognized that that very believed Word of God is itself
called "the faith," and thus adorned with the name of its possessor, and
that Christian theology took its beginning from the scholarly treatment of
that same Word (which led to systematic theology, and first of all to
apologetics and polemics). Theology relates to the believed Word,
naturally, in just the same way it relates to faith itself; it seeks the Word
as it stands in the faith of the one holy Christian Church, and it strives,
through its own proper labor of setting forth, grounding, and grasping, to
gather it into a system of doctrine, or system; but it disturbs the Word's
continued existence so little that it rather presupposes it, takes its own
starting point from it, and indeed seeks its goal and end in it.
The believed Word of God does not stand written merely in the hearts
of believers. He who believes with the heart also confesses with the
mouth; besides this, Christians preach and teach God's Word because God
has commissioned them to do so. For this reason the believed Word of
God is, among the members of the Christian congregation, current in
churches and schools through speech, and naturally also through that
means which gives the Word an even wider dissemination than speech
does — through writing. It is called "doctrine" as the object of that
speech and written language. That this doctrine is one and the same in
congregations of the same faith is self-evident, given its origin out of
faith; but it will also demand a common expression through the Word,
since, just as the individual Christian, so too the fellowship of Christians,
who are united in Christ into one body, desires to bear witness of its
faith. Besides this desire, which lies in the faith of the congregation, the
Church is compelled toward a common expression of its faith by the need
to have a universally valid rule for the instruction of its members in the
doctrine it acknowledges — to possess a sign, a watchword as it were, or
symbol, by which it may be recognized both by its own and by those who
seek it; and finally by the necessity of having a universally valid statement
of the right doctrine