Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 5 › Seite 144
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1855, Seite 144
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144 Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben.
Einer Rechtfertigung durch die Werke mit der vollsten Anerkennung der Rechtfertigung durch den Glauben und ohne beide mit einander zu vermengen,
ein Ergebniß unserer Auslegung, welches nun wiederum durch den Inhalt der vorausgehenden Verse 22 und 23 bestätigt wird. Da der 24. Vers angiebt, was wir in der Erörterung der Verse 22 und 23 sehen sollen, so muß er natürlich dieselbe Lehre enthalten, die dort ausgesprochen ist. Wir sehen aber in ihnen
1. Abrahams Werke als Zeichen und Beweise seines Glaubens, als Grund der rechtfertigenden Erklärung, daß mit Recht von ihm gesagt sei: Abraham glaubte und sein Glaube wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Und wiederum sehen wir
2. Abrahams Glauben als welcher ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde.
In V. 22 und 23 also deutet Jakobus bereits eine zwiefache Rechtfertigung an, einmal die aus dem Glauben und dann als Folge derselben die Rechtfertigung aus den Werken. Nimmermehr könnte derselbe Jakobus uns darnach auffordern, mit ihm in jener zwiefachen Rechtfertigung eine einige, nemlich eine Rechtfertigung zu sehen, deren Bedingung nicht bloß der Glaube, sondern Glaube und Werke zusammen sein sollten. Eben so wenig läßt sich erwarten, daß er die Werke, die er eben vorhin als Folge der Rechtfertigung durch den Glauben angesehen hat, jetzt mit einem Male für eine Bedingung derselben halten sollte.
Was Jakobus Rechtfertigung durch die Werke nennt, ist der Vorgang im Leben des Gläubigen, da ihm auf Grund oder zufolge seiner Werke die Anerkennung gezollt wird, er habe den rechtfertigenden Glauben; insofern aber als die Werke deßhalb, weil sie Grund des rechtfertigenden Urtheils sind, auch in einer Art bildlicher Rede für das gesetzt werden mögen, welches das Urtheil spricht oder erklärt, können wir des Jakobus Rechtfertigung durch die Werke auch beschreiben als die Beweisung, Bezeugung oder Bewährung des rechtfertigenden Glaubens in guten Werken. Ihr Verhältniß zu der Rechtfertigung durch den Glauben ergiebt sich aus der Betrachtung des Unterschieds und des Zusammenhangs beider.
1. Ihr Unterschied steht
a. in dem, was durch das Urtheil der Rechtfertigung uns zugesprochen wird. Die Rechtfertigung durch den Glauben ist die Erklärung, daß wir die Gerechtigkeit Christi, die vor Gott gilt, wirklich besitzen, weil wir sie durch den Glauben angenommen haben; was dagegen Jakobus Rechtfertigung durch die Werke nennt, ist die Erklärung, daß wir den Glauben, der da rechtfertigt, wirklich besitzen, weil wir ihn in unseren Werken beweisen. Mit jener also haben wir Gerechtigkeit, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit, die Rechtfertigung durch die Werke dagegen tritt überall ein, wo Gerechtigkeit, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit bereits vorhanden ist und zeugt davon.
English translation AI translation
144 James’s Doctrine of Justifying Faith.
A justification by works alongside the fullest acknowledgment of justification by faith, without confusing the two with each other—this is the result of our interpretation, which is now confirmed in turn by the content of the preceding verses 22 and 23. Since verse 24 states what we are to see in the discussion of verses 22 and 23, it must naturally contain the same doctrine that is expressed there. In them, however, we see
1. Abraham’s works as signs and proofs of his faith, as the basis for the justifying declaration that it was rightly said of him: Abraham believed, and his faith was counted to him as righteousness. And again we see
2. Abraham’s faith as that which was counted to him as righteousness. Thus, in verses 22 and 23, James already indicates a twofold justification: first, justification by faith, and then, as its consequence, justification by works. The same James could never thereafter call upon us to see with him in that twofold justification a single justification, namely, one whose condition was to be not faith alone, but faith and works together. Just as little can it be expected that he would now suddenly regard the works that he had just viewed as the consequence of justification by faith as a condition of that justification.
What James calls justification by works is the event in the life of the believer in which, on the basis of or as a result of his works, he is acknowledged to possess justifying faith. Yet insofar as works, because they are the basis of the justifying judgment, may also, by a kind of figurative speech, stand for that which pronounces or declares the judgment, we may also describe James’s justification by works as the proof, testimony, or demonstration of justifying faith in good works. Its relationship to justification by faith becomes clear from considering the distinction and connection between the two.
1. Their distinction lies
a. in what is ascribed to us by the judgment of justification. Justification by faith is the declaration that we truly possess the righteousness of Christ that avails before God, because we have received it through faith. What James calls justification by works, by contrast, is the declaration that we truly possess the faith that justifies, because we prove it in our works. Through the former, therefore, we have righteousness, forgiveness of sins, life, and salvation; justification by works, by contrast, occurs wherever righteousness, forgiveness of sins, life, and salvation are already present, and it bears witness to them.