Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 5 › Seite 141
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1855, Seite 141
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Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 141
1. einmal klar über das, was gefürchtet wird. In Röm. 3, 28 spricht Paulus die christliche Lehre aus, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde ohne Werke des Gesetzes. Dies rechtfertigende Urtheil gründet sich auf den Glauben, nicht etwa weil derselbe für sich eine gerechte Handlung wäre, sondern nur insofern als er die im Evangelium angebotene Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, das ist die Gerechtigkeit Christi ergreift und dem Gläubigen zueignet, es rechnet ihm diese Gerechtigkeit Christi, die Früchte seines Gehorsams, Vergebung der Sünden ꝛc. zu, weil er sie annimmt. Mehr als der gläubigen Aufnahme derselben bedarf der Mensch nicht, damit ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, zugesprochen werde; er soll namentlich nicht meinen, daß er, um sie zu erlangen, neben dem Glauben auch eigne Werke des Gehorsams gegen das Gesetz vor Gott bringen und sich dadurch gleichsam würdig machen müßte. Es würde daher der Spruch Röm. 3, 28 umgestoßen
a. durch die Behauptung, daß der Mensch überall nicht durch den Glauben gerechtfertigt werde;
b. durch die Lehre, daß zur Erlangung der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, der alleinige oder bloße Glaube an die Gerechtigkeit Christi nicht ausreiche, vielmehr zu ihm noch die eignen Werke der Gläubigen hinzukommen müßten.
Irrlehre wie in den angeführten zwei Punkten dargestellt ist, glaubt man in dem „und nicht durch den Glauben allein“ erkennen zu müssen. Stellen wir uns daher
2. klar vor die Augen, was Jakobus in den betreffenden Worten ausspricht, indem wir sie
A. für sich allein betrachten. Sie heißen mit allen nöthigen Ergänzungen aus dem Vorigen so „und daß der Mensch nicht durch den Glauben allein gerechtfertigt wird.“ Unter diesen Worten ist uns sicherlich das auffallendste jenes „allein“; wir sind besonders auch durch die Stellung desselben versucht, es bloß auf das unmittelbar vorhergehende „Glauben“ zu beziehen und deßhalb in dem vorliegenden Satztheile die falsche Lehre zu vermuthen, daß der Mensch nicht durch den alleinigen oder bloßen Glauben und also nicht ohne Werke des Gesetzes gerechtfertigt werde. Das „allein“ indeß gehört zunächst mit dem vorhergehenden Wörtlein „nicht“ zusammen, mit demselben das erste Glied jener Ausdrucksform bildend, welche durch ein folgendes „sondern auch“ vollständig wird. Nun folgt zwar in unserer Stelle kein Satz mit „sondern auch,“ jedoch ist dieser vorhanden in dem früheren „daß der Mensch durch die Werke gerechtfertigt wird,“ ist in ihm nur vorangestellt, weil er das nächste Ergebniß der früheren Erörterung war und darf von uns hinter dem „und nicht durch den Glauben allein“ ergänzt werden. Führen wir diese Ergänzung aus, so erhalten wir den vollständigen Ausspruch, der offenbar in V. 24 enthalten ist: daß der Mensch nicht durch den Glauben allein, sondern auch durch die Werke gerechtfertigt werde. Das „allein“ also mit dem „nicht“ zusammen, zu welchem es gehört, beschränkt nicht blos das Wort „Glauben,“
English translation AI translation
James’s Doctrine of Justifying Faith. 141
1. first, clearly, what is feared. In Romans 3:28 Paul declares the Christian doctrine that a person is justified by faith apart from works of the Law. This justifying verdict is based on faith, not because faith is in itself a righteous act, but only insofar as it grasps the righteousness offered in the Gospel, the righteousness that avails before God—that is, the righteousness of Christ—and makes it the believer’s own. It credits to him this righteousness of Christ, the fruits of His obedience, forgiveness of sins, etc., because he receives them. A person needs nothing more than to receive these things in faith in order to have the righteousness that avails before God pronounced his own; in particular, he must not imagine that, in order to obtain it, he must bring before God, in addition to faith, his own works of obedience to the Law and thereby make himself, as it were, worthy of it. The statement in Romans 3:28 would therefore be overturned
a. by the assertion that a person is not justified by faith at all;
b. by the doctrine that faith alone, or mere faith, in the righteousness of Christ is not sufficient to obtain the righteousness that avails before God, but that the believers’ own works must be added to it.
It is believed that the false doctrine presented in the two points cited above must be discerned in the words “and not by faith alone.” Let us therefore place
2. clearly before our eyes what James expresses in the words in question by considering them
A. by themselves. With all the necessary additions from what precedes, they read as follows: “and that a person is not justified by faith alone.” Of these words, the one that certainly strikes us most is “alone”; its position especially tempts us to relate it solely to the immediately preceding word “faith,” and therefore to suspect in this part of the sentence the false doctrine that a person is not justified by faith alone, or mere faith, and thus not without works of the Law. Yet “alone” belongs first of all with the preceding little word “not,” together with it forming the first part of that form of expression which is completed by a subsequent “but also.” Now, although no clause with “but also” follows in our passage, it is present in the earlier statement “that a person is justified by works”; it has merely been placed first there because it was the immediate result of the preceding discussion, and we may supply it after “and not by faith alone.” If we make this addition, we obtain the complete declaration that is evidently contained in verse 24: that a person is justified not by faith alone, but also by works. Thus “alone,” together with the “not” to which it belongs, does not merely qualify the word “faith,”