Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 5 › Seite 147
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1855, Seite 147
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Des Jakobus Lehre vom rechtfertigenden Glauben. 147
lium mit dem Ausdruck „Gesetz des Geistes,“ weil das griechische Wort für „Gesetz“ im allgemeinsten Sinne die Zutheilung heißt; wie sie ein Haushalter oder Hirte macht, das Evangelium aber allerdings, wie das Gesetz Gottes des guten Haushalters Zutheilung (oeconomia) an die Menschen ist; vergl. Röm 3, 27; derselbe Paulus aber würde ernstlich Einsprache erheben, wollten wir etwa im Unterricht das Evangelium Gesetz nennen. Seine Absicht beim Gebrauch eines so auffallenden Ausdrucks ist nur die, uns den Unterschied von Gesetz und Evangelium recht lebhaft vor die Augen zu stellen; so hat Jakobus auch seinen Zweck, weßhalb er von einer Rechtfertigung durch die Werke redet, vollkommen erreicht, wenn die faulen Christen, welche sich des rechtfertigenden Glaubens mit Unrecht trösten und rühmen, betroffen stilleschweigen und sich des argen Mißbrauchs der evangelischen Gnade schuldig erkennen.
Und dennoch, obwohl wir des Jakobus Uebereinstimmung mit den übrigen heiligen Schriftstellern anerkennen müssen, sind geneigt, über seine Redeweise den Kopf zu schütteln, als welche dem Vorbilde der gesunden Worte zuwider sei und daher manchem christlichen schon so viel Noth Gewissen gemacht habe. Allein als Jakobus so schrieb, da war die Lehre von der Rechtfertigung noch nicht in die Form des kirchlichen Glaubenssatzes oder Dogmas gefaßt, wie solches hernach im Gegensatz gegen die Werklehren aller Art und namentlich gegen die römische geschah und zur Zeit der Reformation vollendet wurde; die zum Ausdruck jener Lehre gebrauchten Worte waren damals noch nicht so fest bestimmt oder gleichsam geheiligt für diese eine, als daß sie nicht bei der Darstellung anderer Lehren hätten gebraucht werden dürfen. Wir sinds allerdings gewohnt, rechtfertigen im christlichen Unterricht nur und ganz allein vom Glauben auszusagen, der Gegensatz gegen die römische Irrlehre, in welchem wir fortdauernd jenes Wort so anwenden, nöthigt uns, es immer nur in jener einen Bedeutung und Beziehung auf den Glauben zu fassen, und so fällt es uns schwer, uns darein zu finden, wenn es einmal wie bei Jakobus zur Bezeichnung anderer Vorgänge im christlichen Leben dient. Jakobus dagegen konnte den Ausdruck mit der Gewißheit gebrauchen, daß diejenigen, an welche er schrieb, nicht bloß den Gebrauch von „rechtfertigen“ in der Predigt vom Glauben, sondern auch die Grundbedeutung des Wortes selbst vor Augen haben und darnach seine Rede recht wohl verstehen würden. Auf uns natürlich konnte er nicht Rücksicht nehmen, wir aber sollen Sinn und Meinung seiner Worte erkunden mit Berücksichtigung der Umstände, unter welchen er schrieb.
Jakobus zieht die Gelegenheit, von der Rechtfertigung zu reden, nicht mit den Haaken herbei noch streitet er wider den Paulus, sondern der grobe und gefährliche Irrthum, in welchem die faulen Christen sich die Gerechtigkeit aus dem Glauben zusprachen, nöthigte ihn zu seiner Strafrede und ist der Feind, gegen welchen er sie richtet; er bekennt die Rechtfertigung durch den Glauben gleich dem Apostel Paulus und nennt die Bewährung jenes Glau=
English translation AI translation
James’s Doctrine of Justifying Faith. 147
[illegible] with the expression “law of the Spirit,” because the Greek word for “law,” in its most general sense, means an apportionment, such as a steward or shepherd makes; and the Gospel, like the law, is indeed God the good householder’s apportionment (oeconomia) to humankind; cf. Romans 3:27. Yet the same Paul would vigorously object if we were to call the Gospel law in our teaching. His sole purpose in using so striking an expression is to set the distinction between law and Gospel vividly before our eyes. In the same way, James has fully achieved his purpose in speaking of justification by works if the indolent Christians who wrongly console themselves with and boast of justifying faith fall silent in dismay and recognize themselves as guilty of the wicked abuse of evangelical grace.
And yet, although we must acknowledge James’s agreement with the other holy writers of Scripture, we are inclined to shake our heads at his manner of speaking, as though it ran contrary to the pattern of sound words and had therefore already caused so much distress to many a Christian conscience. But when James wrote in this way, the doctrine of justification had not yet been formulated as an article of church faith or dogma, as later occurred in opposition to every kind of doctrine of works, especially the Roman doctrine, and was completed at the time of the Reformation. At that time, the words used to express this doctrine had not yet been so firmly defined, or in a sense consecrated to this one doctrine, that they could not also have been used in presenting other doctrines. We are indeed accustomed, in Christian instruction, to predicate justification solely and exclusively of faith. Our continuing opposition to the Roman false doctrine, in which we constantly use that word in this way, compels us always to understand it only in that one meaning and in relation to faith; and so we find it difficult to accept when, as in James, it is used to designate other processes in the Christian life. James, by contrast, could use the expression with the certainty that those to whom he wrote would bear in mind not only the use of “justify” in the preaching of faith, but also the word’s own basic meaning, and would therefore understand his words correctly. Naturally, he could not take us into consideration; but we must ascertain the sense and meaning of his words by considering the circumstances under which he wrote.
James does not drag in the occasion to speak of justification by hook or by crook, nor does he argue against Paul. Rather, the gross and dangerous error by which indolent Christians ascribed to themselves righteousness from faith compelled him to deliver his rebuke and is the enemy against which he directs it. Like the apostle Paul, he confesses justification by faith and calls the demonstration of that faith—