Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 4 › Seite 127
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1864, Seite 127
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Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 127
von Armeen, Detachements, Corps und Posten, und an alle in besagten Departements im Dienste befindlichen Ver. Staaten Offiziere. Sie sind hiermit angewiesen, dem Rev. Bischof Ames alle Gotteshäuser, welche der bischöflich methodistischen Kirche angehören und in welchen zur Zeit kein loyaler, von einem loyalen Bischof besagter Kirche angestellter Geistlicher fungirt, zur Verfügung zu stellen. Es ist für die Regierung in ihren Bestrebungen für Wiederherstellung der Ruhe in dem bürgerlichen Gemeinwesen und des Friedens in der Nation eine Sache von hoher Wichtigkeit, daß christliche Geistliche durch Beispiel und Lehre die loyale Gesinnung des Volkes unterstützen und nähren. Bischof Ames genießt das volle Vertrauen dieses Departements, und es ist kein Zweifel, daß alle von ihm angestellten Geistlichen durchaus loyal sein werden. Es wird von Ihnen erwartet, daß Sie ihn bei Ausführung seiner wichtigen Mission in jeder Weise unterstützen werden. Sie sind ferner autorisirt und angewiesen, dem Bischof Ames und seinem Clerk Transport- und Subsistenzmittel zu liefern, sofern dies ohne Nachtheil für den Dienst geschehen kann, und ihm überhaupt in freundschaftlichem Entgegenkommen Hülfe und Unterstützung zu leisten. Auf Befehl des Kriegsministeriums: E. D. Townsend, Ass. Adj. Gen.“
Wisconsin-Synode. Dr. Wangemann schreibt im diesjährigen Vorwort zu seiner Monatsschrift: „Wir sind an die wachsende kirchliche Noth unserer deutschen lutherischen Brüder in Nord-America erinnert worden; eine directe Aufforderung ist an uns ergangen, den armen Auswanderern, die von ihren reichen Nachbarn geistlich im Stiche gelassen sind, ein theologisches Seminar in der Synode Wisconsin bauen zu helfen. Möge der Herr dies sein Werk ein Band werden lassen zwischen uns und America, denn unter den verschiedenen dort in heftigem Kampf wider einander begriffenen luth. Kirchen dürfte die von der Synode Wisconsin vertretene Richtung mit der von den luth. Vereinen“ (innerhalb der preußisch-unirten Landeskirche) „verfochtenen Position — Wahrung der reinen luth. Lehre mit Vermeidung der ketzerischen Anmaßung, die Kirche des Herrn in die engen Grenzen lutherischen Namens und lutherischer Orthodoxie einpferchen zu wollen — wenngleich dem dort neu ausgekrochenen Küchlein noch manche ungehörige Eierschalen anhängen mögen, doch im Wesentlichen übereinstimmen.“ Man sieht hieraus, daß die Herren Wisconsiner in Deutschland ihre Negation eines röm. Kirchenbegriffes als ihr Charakteristicum allen luth. Synoden hier gegenüber angeben. Dr. Wangemann scheint freilich trotzdem zu merken, daß nicht alles ganz sauber sei. Als ein „steifer Lutheraner“ innerhalb der Union achtet er das natürlich nur für „manche dem neu ausgekrochenen Küchlein noch anhängende ungehörige Eierschalen.“ Es ist das gewiß nicht befremdlich. Wahrscheinlich dachte der Herr Doctor hierbei an die „Eierschalen“ des Synkretismus und Romanismus, die ihm selbst und seinen luth. Vereinen innerhalb der Union anhängen. Was z. B. den Romanismus desselben betrifft, so schreibt er in demselben Heft: „Die Ordination ist der (der alttestamentlichen Salbung entsprechende) durch die Praxis der Apostel beglaubigte, abschließende sacramentale Act, durch welchen die Vocation zum geistlichen Amte kirchlich bestätigt und durch Ertheilung der Amtsgabe des h. Geistes versiegelt wird.“ Und dies schreibt W. im ausgesprochenen Gegensatz gegen Luther, den er nur an einer Stelle, und natürlich auch hier mißverständlich, über jenen Punct zu Verstand kommen läßt.
II. Ausland.
Norwegen. In der Neuen Ev. Kirchenz. aus Berlin wurden jüngst Reiseerinnerungen aus Norwegen veröffentlicht. Darin sagt der Schreiber, die Prediger in diesem Lande zerfallen in drei Classen. Die erste derselben bestehe aus solchen, die, von pietistischer Richtung, den s. g. „Lesern“ im Volke entsprechen. Die zweite Classe könne als die der „orthodoxen Weltleute“ bezeichnet werden. „Eine dritte Classe“, heißt es weiter, „steht unter dem Einfluß der Erweckungen“, trägt aber ein streng confessionelles Gepräge an sich. Es gehören dazu meist jüngere Männer, die mit Segen in ihrem Amte wirken, aber zugleich als eifrige Vertheidiger des Lutherthums stets bereit sind, dafür eine Lanze zu brechen... Die jüngere Generation der Theologen scheint zum großen Theil der zuletzt bezeichneten Richtung anzugehören... Gebe Gott, daß nicht die Keime des frischen, lieblichen Christenlebens, wie sie in den Gemeinden selbst durch die belebende Kraft des heil. Geistes zu sprießen angefangen haben, unter dem Eishauch, der in Norwegen vielfach vom „Amte“ herweht, ersterben!“ Wenn der Schreiber damit meint, daß man dem Gehorsam gegen das Evangelium den gegen das Amt substituirt, so mag sein Wunsch wohl einer nicht ungegründeten Besorgniß entsprungen sein.
Hermannsburg. Pastor Harms meldet in seinem Missionsblatt vom December v. J., daß seine Arbeit für America erfolgreich sei. Er hat bereits sechs Zöglinge im Unterricht, die sich für das americanische Predigtamt ausbilden lassen. Auch die Beiträge für diesen Zweck nehmen zu.
Pastor Löfflad ist aus der preußisch-luth. Kirche in die unirte zurückgetreten.
English translation AI translation
Church and Contemporary History. 127
—of armies, detachments, corps, and posts, and to all United States officers on duty within the said Departments. You are hereby directed to place at the disposal of the Rev. Bishop Ames all houses of worship belonging to the Methodist Episcopal Church in which no loyal minister, appointed by a loyal bishop of said church, is at present officiating. It is a matter of high importance to the government, in its endeavors toward the restoration of quiet in the civil community and of peace in the nation, that Christian clergymen should support and foster, by example and teaching, the loyal disposition of the people. Bishop Ames enjoys the full confidence of this Department, and there is no doubt that all clergymen appointed by him will be thoroughly loyal. It is expected of you that you will support him in every way in the execution of his important mission. You are further authorized and directed to furnish Bishop Ames and his clerk with transportation and subsistence, so far as this can be done without detriment to the service, and in general to render him assistance and support in a friendly and accommodating manner. By order of the War Department: E. D. Townsend, Ass't Adj't Gen."
Wisconsin Synod. Dr. Wangemann writes in this year's preface to his monthly periodical: "We have been reminded of the growing ecclesiastical distress of our German Lutheran brethren in North America; a direct appeal has come to us to help build a theological seminary in the Wisconsin Synod for the poor emigrants who have been left in the lurch spiritually by their wealthy neighbors. May the Lord let this, his work, become a bond between us and America; for among the various Lutheran churches there engaged in fierce conflict with one another, the direction represented by the Wisconsin Synod may, with the position championed by the Lutheran societies" (within the Prussian United state church) "— the maintenance of pure Lutheran doctrine while avoiding the heretical presumption of wishing to confine the Lord's church within the narrow bounds of the Lutheran name and Lutheran orthodoxy — even though the newly hatched little chick there may still have clinging to it a number of unbecoming eggshells, nevertheless agree in essentials." One sees from this that the Wisconsin gentlemen in Germany put forward their negation of a Roman concept of the church as their distinguishing mark over against all Lutheran synods here. Dr. Wangemann does, however, seem to notice, in spite of this, that not everything is quite clean. As a "stiff Lutheran" within the Union, he naturally counts that only among "some unbecoming eggshells still clinging to the newly hatched little chick." That is certainly not surprising. The learned Doctor was probably thinking here of the "eggshells" of syncretism and Romanism that cling to himself and to his Lutheran societies within the Union. As for the Romanism of the same, for example, he writes in the very same number: "Ordination is the (corresponding to the Old Testament anointing) sacramental act, attested by the practice of the apostles, which concludes the process, by which the call to the spiritual office is ecclesiastically confirmed and sealed through the bestowal of the gift of the Holy Spirit belonging to the office." And this W. writes in outspoken opposition to Luther, whom he lets come to a right understanding on that point in only a single passage — and, naturally, even there, misunderstanding him.
II. Abroad.
Norway. In the Neue Ev. Kirchenzeitung of Berlin, travel reminiscences from Norway were recently published. In them the writer says that the ministers in that country fall into three classes. The first of these consists of those who, of pietistic bent, correspond to the so-called "Readers" among the people. The second class might be termed that of the "orthodox men of the world." "A third class," it goes on to say, "stands under the influence of the 'revivals,' but bears a strictly confessional stamp. It consists for the most part of younger men who labor with blessing in their office, but who at the same time, as zealous defenders of Lutheranism, are always ready to break a lance for it... The younger generation of theologians seems for the most part to belong to this last-named direction... God grant that the seeds of fresh, lovely Christian life, which have begun to sprout in the congregations themselves through the quickening power of the Holy Spirit, may not perish under the icy breath that blows in Norway so often from 'the Office'!" If the writer means by this that obedience to the office is being substituted for obedience to the Gospel, then his concern may well spring from a not ungrounded anxiety.
Hermannsburg. Pastor Harms reports in his mission paper of December last that his work for America is succeeding. He already has six pupils under instruction who are training for the American preaching office. Contributions for this purpose are also increasing.
Pastor Löfflad has gone back from the Prussian Lutheran church into the United church.