Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 4 › Seite 126

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1864, Seite 126

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126 Kirchlich-Zeitgeschichtliches.

nung einer obwohl schlechten Regierung immerhin noch besser ist, als ein Zustand der Anarchie oder der Mangel irgend einer Regierung. Ebenso werden die Knechte ermahnt zur Treue und zum Gehorsam, indem dadurch ihr Dienstverhältniß erträglich gemacht und ihr geistliches Wachsthum und Erhebung befördert werden mochte. Eine Rebellion ist nur dann zu rechtfertigen, wenn sie nicht blos erfolgreich ist, sondern auch bessere Verhältnisse herbeiführt, als das System, gegen welches rebellirt wurde, verleihen konnte.“ Herr Dr. Nast hat also den Grundsatz, daß man nicht um des Gewissens willen, wie Paulus sagt, einem Nero unterthan sein müsse, sondern aus Klugheitsrücksichten. Fast scheint er jenes Princip festzuhalten: Laß dich nicht kriegen!

„Welche Eigenschaften sollte der nächste Präsident besitzen?“ Diese Frage beantwortet Dr. Nast in dem religiösen Theil seines „Apologeten“, obgleich derselbe auch eine gleichgroße „weltliche Beilage“ zur Besprechung politischer Angelegenheiten hat. Bei den Methodisten sind die Landmarken des religiösen und politischen Gebietes völlig aufgehoben.

Texas und New Orleans. Aus einem im Luth. Kirchenboten vom 19. Febr. befindlichen Correspondenzartikel entnehmen wir folgende Nachrichten. Die Pastoren Helzinger in Yorktown, Fled in Indianola und Kitterer in Victoria (sämmtlich in Texas) warten nur auf eine Gelegenheit, um Texas zu verlassen und im Norden Arbeit zu suchen, weil sie dort nichts mehr zu leben haben. Ihre Gemeinden können sie nicht mehr erhalten. Nur von Pastor Bohnenberger in Galveston heißt es, daß er wohl auf sei und in voller Arbeit stehe. In letzterer Stadt wird jedoch kein Gottesdienst mehr gehalten außer in der katholischen und in der deutschen ev.-luth. Kirche. Auch die Lehrer müssen in Texas in das Heer (der Conföderirten) treten, wenn die Zahl ihrer Schulkinder unter 20 ist. Die Texas-Synode konnte sich im vorigen Jahr wegen der Kriegsunruhen nicht versammeln. Von den Zuständen in New Orleans entwirft der Correspondent ein sehr düsteres Bild. Er schreibt: „Als der Norden New Orleans nahm, dachten wir allerdings, der religiöse Zustand werde sich hier etwas bessern. Von den Soldaten erwartete man natürlich nicht viel Gutes, denn Rohheit und unzüchtiges Wesen folgten selbst den besten Armeen von je her nach; aber von der militärischen Obrigkeit, die bei dem Belagerungszustand Alles in Händen hat, wurde, offen gesagt, von jedem christlich Gesinnten mehr erwartet. Der bestehenden hiesigen Sonntags-Entheiligung hofften wir, werde wenigstens etwas Einhalt gethan. Aber wir täuschten uns gewaltig. Niemals zuvor wurde Sonntags ein Gerichtssaal geöffnet, wie es jetzt geschieht. An den verschiedenen Buß- und Bettagen erhielt die sämmtliche Geistlichkeit den Befehl, ihre Kirchen zur Gottesverehrung öffnen zu lassen, und mit Recht erwarteten wir, daß dagegen die Geschäfts- und Wirthshäuser geschlossen werden müßten. Aber wir täuschten uns wieder. In den Straßen, Geschäfts- und Wirthshäusern war kein Buß- und Bettag zu sehen. Manch armer Mann, der gern Buß- und Bettag gefeiert hätte, mußte arbeiten, wenn er seinen Platz nicht verlieren wollte. Die Kirchen wurden zwar geöffnet, aber in wenigen Gottesdienst gehalten, und wo gehalten, sehr wenig besucht. Meine Kirche war zwar bei dem ersten Bußtag sehr zahlreich besucht, worauf meine Gemeinde als Yankee-Gemeinde und ich als ein Yankee-Prediger verschrieen wurde, ja sogar heimlich gedroht, die Yankee-Kirche früher oder später niederzubrennen. Das ist hier die eigentliche Gesinnung und alles Andere Lüge. Von einem an-die-Brust-schlagen und Bußethun, daß der Herr uns gnädig sein möchte und bald Frieden schenken könnte, ist hier durchaus nichts wahrzunehmen; vielmehr nimmt die Bosheit und Ungerechtigkeit immer mehr zu, und die Liebe erkaltet, und statt Buße zu thun, wird fürchterlich gelästert.“

Kirche und Staat sind bisher in America durchaus gesonderte Gebiete gewesen. Seit Ausbruch des gegenwärtigen Bürgerkrieges aber haben sich nicht nur die Kirchendiener ihrerseits vielfach in die Staatsangelegenheiten gemengt und die Kirche zu politischen Agitationen schändlich gemißbraucht; sondern auch der Staat hat seinerseits angefangen, nicht nur rebellische Prediger festzusetzen und Kirchen, in denen Rebellion gepredigt wird, zu schließen (was ja beides ganz recht ist), sondern die militärische Gewalt hat sich auch herausgenommen, die wichtigsten kirchlichen Handlungen in die Hände zu nehmen und durch von ihr bestellte willige Werkzeuge zu vollziehen. Hiermit ist denn bereits die durch die, von Regierung und Volk beschworene, Constitution gewährleistete Gewissens-, Religions- und Cultusfreiheit, um welcher willen viele Christen allein in die Ver. Staaten eingewandert sind, auf das schnödeste verletzt. Wir würden dieser Freiheit nicht werth sein und dieselbe mit verrathen helfen, würden wir dieses Gebahren der militärischen Gewalt nicht verdammen und dagegen öffentlich protestiren. Nicht rebellische Gesinnung, sondern gerade unsere Loyalität fordert uns hierzu auf. Damit man aber nicht meine, wir klagten hier über eine nur in unserer Einbildung existirende Chimäre, so theilen wir hier folgende officielle, aus unserem Kriegsministerium ausgegangene, allerdings durch unseren Präsidenten indirect bereits desavouirte, Ordre mit. Es ist folgende: „Kriegsdepartement. Generaladjutantur, Washington, 30. November 1863. An die commandirenden Generale in den Departements von Missouri, Tennessee, am Golfe, und an alle Generale und andere Commandanten

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126 Church and Contemporary History.

—er of a government, though a bad one, is nevertheless still better than a state of anarchy or the lack of any government at all. Likewise, servants are exhorted to fidelity and obedience, since thereby their condition of service is made tolerable and their spiritual growth and advancement might be promoted. A rebellion is only then to be justified when it is not merely successful, but also brings about better conditions than the system against which it rebelled could have afforded." Mr. Dr. Nast therefore holds the principle that one need not, for conscience's sake, as Paul says, be subject to a Nero, but rather out of considerations of prudence. He seems almost to hold fast to that maxim: Don't get caught!

"What Qualities Should the Next President Possess?" This question is answered by Dr. Nast in the religious part of his "Apologete," although the same paper also has an equally large "secular supplement" for the discussion of political affairs. Among the Methodists the boundary-markers between the religious and the political domain are entirely done away with.

Texas and New Orleans. From a correspondence article found in the Lutheran Kirchenbote of Feb. 19, we take the following reports. Pastors Helzinger in Yorktown, Fled in Indianola, and Kitterer in Victoria (all in Texas) are only waiting for an opportunity to leave Texas and seek work in the North, because they have nothing left to live on there. Their congregations can no longer support them. Only of Pastor Bohnenberger in Galveston is it said that he is apparently well and in full activity. In that latter city, however, no church service is held any more except in the Catholic church and in the German Evangelical Lutheran church. In Texas even the teachers must join the army (of the Confederates) if the number of their schoolchildren falls below 20. The Texas Synod was unable to meet last year on account of the disturbances of war. Of conditions in New Orleans the correspondent draws a very gloomy picture. He writes: "When the North took New Orleans, we certainly thought the religious condition would improve here somewhat. Of the soldiers, of course, one expected nothing much good, for coarseness and licentious conduct have followed even the best armies from time immemorial; but from the military authority, which under the state of siege has everything in its hands, more was expected, frankly speaking, by every Christian-minded person. We had hoped that at least some check would be put on the Sunday desecration prevailing here. But we were greatly deceived. Never before was a courtroom opened on a Sunday, as is now done. On the various days of fasting and prayer, the entire clergy received orders to open their churches for divine worship, and we rightly expected that, in return, the business houses and taverns would be closed. But again we were deceived. In the streets, business houses, and taverns there was no sign of any fast or prayer day. Many a poor man who would gladly have kept the fast and prayer day had to work, if he did not want to lose his place. The churches were indeed opened, but in few of them was a service held, and where one was held, it was very poorly attended. My own church was, to be sure, quite well attended on the first day of fasting, whereupon my congregation was denounced as a Yankee congregation and I myself as a Yankee preacher; indeed, secret threats were even made to burn down the Yankee church sooner or later. That is the real sentiment here, and everything else is a lie. Of any beating of the breast and doing of penance, that the Lord might be gracious to us and might soon grant peace, there is absolutely nothing to be observed here; rather, wickedness and injustice increase more and more, and love grows cold, and instead of doing penance, there is dreadful blaspheming."

Church and state have hitherto in America been altogether separate domains. But since the outbreak of the present civil war, not only have the ministers of the church, for their part, in many instances meddled in affairs of state and shamefully misused the church for political agitation; but the state, too, has for its part begun — not merely to arrest rebellious preachers and to close churches in which rebellion is preached (both of which are indeed entirely right) — but the military power has also taken it upon itself to seize the most important ecclesiastical functions into its own hands and to carry them out through willing instruments appointed by itself. By this the liberty of conscience, religion, and worship, guaranteed by the Constitution sworn to by government and people alike — for the sake of which many Christians emigrated to the United States in the first place — has already been most shamefully violated. We would not be worthy of this liberty, and would help to betray it ourselves, if we did not condemn this conduct of the military power and publicly protest against it. It is not a rebellious disposition but precisely our loyalty that calls upon us to do so. But so that no one may suppose we are here complaining of a chimera existing only in our imagination, we here communicate the following official order, issued from our War Department, though admittedly already indirectly disavowed by our President. It reads as follows: "War Department, Adjutant General's Office, Washington, November 30, 1863. To the commanding Generals in the Departments of Missouri, Tennessee, the Gulf, and to all Generals and other Commanders—