Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 4 › Seite 123

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1864, Seite 123

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Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 123

synode, die uns Deutsch-Lutherischen, d. h. Lutherischen, keinen geringen Antheil an dem geschehenen Unglück beimißt, und die wir daher unsern Lesern mittheilen zu müssen glauben. Sie lautet, wie folgt: „Seit Jahren habe ich den Gang der Ereignisse in unserem lutherischen Zion beobachtet. Es gab eine Zeit, da unsere Kirche vergleichungsweise Friede hatte. Von 1830 bis 1840 erfreute sie sich eines allgemeinen Friedens und großen Aufblühens, und dieser blühende Zustand erstreckte sich weit hinein in das nächste Jahrzehent. In diesen Tagen und schon etwas früher verursachte der Uebergang von dem Deutschen in das Englische einige Reibung, aber nichtsdestoweniger war es eine Zeit der Erweckungen und großer Blüthe. Die Zahl unserer Kirchen mehrte sich. Unser Seminar zu Gettysburg war mit Studenten angefüllt. Die Freigebigkeit unseres Volkes war angeregt, ihre Beiträge zu wohlthätigen Zwecken mehrten sich. Die von Europa einwandernden Deutschen vermischten sich mit wenigen Ausnahmen mit den Americanisch-Lutherischen und wurden Glieder ein und derselben Gemeinden. Diese Verbindung setzte sie in den Stand, den Geist des americanischen Christenthums einzusaugen, sie verloren allmählig ihre transatlantischen Anschauungen und wurden sehr nützliche Glieder der Kirche. Zwischen 1845 und 1850 ging mit einem Theile unserer Kirche eine Veränderung vor. Eine kleine Wolke wie eines Mannes Hand erschien im Westen. Die Deutschen kamen in größerer Menge und schneller hinter einander. Sie schlossen sich nun nicht mehr allgemein an die americanisch-lutherischen Gemeinden an. Ein Altlutheraner in Bayern (Löhe) richtete sein Augenmerk auf dieses Land und schickte Colonien von Hyper-Lutheranern herüber. Diese waren wider die Erweckungen. Einige von ihnen waren fromme Leute, aber ihr religiöser Typus war ein anderer als der americanische. Sie waren von vielen Einflüssen umgeben, die sie hinderten, sich mit den americanischen Christen zu verschmelzen. Es war ihnen ein Mißtrauen gegen die Generalsynode beigebracht.“ (Sollte freilich geschichtlicher Wahrheit gemäß heißen: die Generalsynode selbst machte durch falsche Lehre und falsche Praxis sich ihnen verdächtig.) „Ihr System war ein solches, das geistliches Leben und den Fortschritt nicht ermuthigte. Das war das erste große Hinderniß, das der Generalsynode bei ihrem glorreichen Unternehmen, die Kirche dieses Landes in eine geistliche, heilige, fortschreitende Kirche umzugestalten, in den Weg kam. Es streute den Samen der Zwietracht aus. Diese Kinder eines fremden Bodens waren herübergesendet mit einem bittern Vorurtheil gegen das freisinnige Lutherthum Americas. Im Jahr 1845 waren wohl nicht mehr, als ein oder zwei Dutzend altlutherische Gemeinden in diesem Lande. Jetzt sind vielleicht nicht weniger, als 700 symbol-lutherische Gemeinden der alten Schule im Lande, deren Prediger — nahezu 500 an der Zahl — alle Symbol- und Hyper-Lutheraner sind, die zu glauben bekennen, daß der wirkliche Leib und Blut Christi mündlich im Abendmahl genossen werde und daß der ungläubige Communicant ebensowohl wie der gläubige den wahren Leib und Blut des Heilandes empfange“ (wie erschrecklich!). „Sie glauben auch an die Wiedergeburt durch die Taufe und einige von ihnen auch an die Privatbeichte, an den Exorcismus, an das Schmücken der Kirchen mit Bildern und Crucifixen; einige zünden auch am hellen Tage Wachskerzen bei der Communion an. Sie halten auch, daß alle Lutheraner gerade so glauben und prakticiren müßten wie sie. Ich war in einigen ihrer Kirchen. Ich habe ihre Bilder, Crucifixe und Wachskerzen gesehen. Ich habe mit einigen ihrer einsichtsvollsten Prediger gesprochen, habe stundenlang mit ihnen disputirt. Ich stelle ihre Ansichten nicht falsch dar. Ich verstehe ihr System völlig.“ (Großes, aber eitles Selbstvertrauen!) „Sie sind so eifrig wie die Jesuiten, die schwachen Seiten und Irrthümer ihres Systems auszubreiten. Dieses deutsche, antibiblische, antiamericanische Element hätte von der americanischen Kirche gezügelt und absorbirt werden können, wenn nicht ein anderes Element hinzugekommen wäre. Aber unglücklicherweise kam im Aufschwung der großen Erweckungen des vierten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts in unserer eigenen Kirche eine Classe von Leuten auf, die weit gefährlicher und Uebel anzurichten mächtiger sind, als die europäischen Prediger. Diese americanischen Prediger wurden unloyal gegen die Basis der Generalsynode und begannen ein Panier aufzupflanzen gegen die Erweckungen (?) und gegen ein freisinniges, geistliches (?) Lutherthum. Persönlicher Ehrgeiz und böswillige, rachsüchtige Gefühle (?) gegen die, von welchen sie glaubten, daß sie die Werkzeuge gewesen

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Church and Contemporary History. 123

—synod, imputes no small share in the misfortune that has occurred to us German Lutherans, that is, Lutherans, and which we therefore believe we must communicate to our readers. It reads as follows: "For years I have observed the course of events in our Lutheran Zion. There was a time when our church had comparative peace. From 1830 to 1840 it enjoyed a general peace and great flourishing, and this flourishing condition extended well into the next decade. In those days, and somewhat earlier already, the transition from German into English caused some friction, but nevertheless it was a time of revivals and great bloom. The number of our churches increased. Our seminary at Gettysburg was filled with students. The generosity of our people was stirred; their contributions to charitable purposes increased. The Germans immigrating from Europe mingled, with few exceptions, with the American Lutherans and became members of the very same congregations. This connection put them in a position to absorb the spirit of American Christianity; they gradually lost their transatlantic views and became very useful members of the church. Between 1845 and 1850 a change came over part of our church. A little cloud like a man's hand appeared in the West. The Germans came in greater numbers and faster, one after another. They no longer joined the American Lutheran congregations generally. An Old Lutheran in Bavaria (Löhe) turned his attention to this country and sent over colonies of hyper-Lutherans. These were opposed to the revivals. Some of them were pious people, but their religious type was different from the American one. They were surrounded by many influences that hindered them from blending with the American Christians. They had been taught a distrust of the General Synod." (This should, to be sure, according to historical truth, read: the General Synod itself, by false doctrine and false practice, made itself suspect to them.) "Their system was one that did not encourage spiritual life and progress. That was the first great hindrance that stood in the way of the General Synod in its glorious undertaking of transforming the church of this country into a spiritual, holy, progressive church. It sowed the seed of discord. These children of a foreign soil had been sent over with a bitter prejudice against the liberal-minded Lutheranism of America. In the year 1845 there were probably not more than one or two dozen Old Lutheran congregations in this country. Now there are perhaps not fewer than 700 symbol-Lutheran congregations of the old school in the land, whose ministers — nearly 500 in number — are all Symbolist and Hyper-Lutherans, who confess to believe that the real body and blood of Christ is orally received in the Supper, and that the unbelieving communicant receives the true body and blood of the Savior just as well as the believing one" (how dreadful!). "They also believe in regeneration through baptism, and some of them also in private confession, in exorcism, in the adorning of churches with images and crucifixes; some even light wax candles in broad daylight at communion. They also hold that all Lutherans must believe and practice exactly as they do. I have been in some of their churches. I have seen their images, crucifixes, and wax candles. I have talked with some of their most discerning ministers, have disputed with them for hours. I do not misrepresent their views. I understand their system perfectly." (Great, but vain, self-confidence!) "They are as zealous as the Jesuits in spreading the weak points and errors of their system. This German, anti-biblical, anti-American element could have been curbed and absorbed by the American church, had not another element been added. But unfortunately, in the upsurge of the great revivals of the fourth decade of this century, there arose within our own church a class of people who are far more dangerous, and more capable of doing harm, than the European ministers. These American ministers became disloyal to the basis of the General Synod and began to raise a banner against the revivals (?) and against a liberal-minded, spiritual (?) Lutheranism. Personal ambition and malicious, vindictive feelings (?) against those whom they believed to have been the instruments—