Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 263

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1863, Seite 263

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Einige Bemerkungen über eine neue Apologie der Reformirten Kirche. 263

Erwachsene nicht abfallen, sondern im Glauben bleiben und daher die in ihnen gewirkte Wiedergeburt in allerlei Früchten des Geistes spüren lassen. Aber wie ist das auch anders möglich, da die Erziehung der getauften Kinder, selbst von Seiten christlich sein wollender Eltern, meist so unchristlich ist, die zarte Glaubenspflanze, die in das Herz des jungen Täuflings gepflanzt wurde, durch tägliche Vorhaltung der demselben bereits in der Taufe geschenkten Gnade nicht eifrig begossen und der hervorbrechenden Macht des zurückgebliebenen erbsündlichen Verderbens nicht mit aller Macht durch ernste Zucht gesteuert wird? Von der großen Masse der ungläubigen, gottlosen Eltern getaufter Kinder gar nicht zu reden, die nicht nur die Taufgnade in ihren Kindern nicht zu bewahren, sondern vielmehr selbst auf alle Weise zu dämpfen suchen. — Fürwahr, es ist traurig, wenn Menschen ihre heilige Pflicht, die durch die Taufe zu ihrem Heilande gebrachten Kinder, so viel an ihnen ist, bei ihm zu erhalten, vernachlässigen und, — weil diese Kinder nun bei ihrer „Entwickelung“, anstatt an Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen zu wachsen, an Blindheit und Sünde wachsen, darum die Kraft des Gnadenmittels leugnen, das bei ihnen angewendet wurde; am traurigsten aber ist, wenn diese Erfahrung sogar zu einem theologischen Beweisgrund dagegen gemacht werden soll.

Wenn Lic. K. zum Dritten schreibt: „Die oft zur Erhärtung der lutherischen Lehre herangezogenen Stellen Joh. 3, 5. und Tit. 3, 5. sind, wie Einsender dieses in den theol. Studien und Kritiken bewiesen zu haben glaubt, gar nicht auf die Taufe zu beziehen und würden jedenfalls, wenn sie fälschlich auf dieselbe bezogen würden, nicht auf die Taufe von bewußtlosen Kindern, sondern auf die Taufe erwachsener Gläubiger zu beziehen sein“ — so können wir nun freilich die Gründe, welche Hr. K. dagegen angeführt hat, daß Joh. 3, 5. und Tit. 3, 5. auf die Taufe zu beziehen seien, nicht widerlegen, da wir dieselben nicht kennen; es ist dies aber auch gar nicht nöthig. Da Hr. K. kein Wiedertäufer sein und die Kindertaufe als ein Schüler Calvins nicht geradezu verwerfen will, so hilft es ihm gar nichts, wenn er durch allerlei exegetische Künste bewiesen zu haben glaubt, daß die angeführten zwei Stellen nicht von der Taufe handeln. Entweder muß er zugeben, daß die Taufe wirklich ein Bad oder wirksames Mittel der Wiedergeburt sei, oder er muß beweisen, daß alle Stellen der h. Schrift, welche von der Kraft und Frucht der Taufe handeln, sich ebenfalls „gar nicht auf die Taufe beziehen.“)

*) Auch das wollen wir gar nicht in Anschlag bringen, daß Calvin selbst, der „Reformator“ der Reformirten Kirche, und das Hauptsymbol derselben, der Heidelberger Katechismus, Tit. 3, 5. ausdrücklich für eine von der Taufe handelnde Stelle erklären. In letzterem Bekenntniß heißt es unter Frage 71 also: „Diese Verheißung (Matth. 28, 19. Marc. 16, 16.) wird auch wiederholt, da die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt und Abwaschung der Sünden nennt. Tit. 3, 5. Apost. 22, 16.“ Calvin schreibt zu den Worten: „Durch das Bad der Wiedergeburt“ u. A. Folgendes: „Ich zweifle nicht, daß er wenigstens auf die Taufe anspielt, ja ich mag es leicht geschehen lassen, daß die Stelle von der Taufe ausgelegt werde. . Die Apostel pflegen von den Sacramenten ihren Beweis herzuleiten, um die darin bezeichnete Sache zu beweisen, weil unter den Frommen der Grund⸗

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Some Remarks on a New Apology of the Reformed Church. 263

grown-up believers do not fall away, but remain in the faith and therefore let the regeneration worked in them be perceived in all manner of fruits of the Spirit. But how could it be otherwise, when the upbringing of baptized children, even on the part of parents who wish to be Christian, is for the most part so unchristian — the tender plant of faith, planted in the heart of the young baptized child, is not watered diligently by a daily reminder of the grace already bestowed on it in baptism, and the breaking-forth power of the remaining sinful corruption of original sin is not restrained with all one's might through earnest discipline? Not to speak at all of the great mass of unbelieving, godless parents of baptized children, who not only fail to preserve the grace of baptism in their children but rather themselves seek by every means to stifle it. — Truly it is sad when people neglect their sacred duty to keep, so far as lies in them, with their Savior the children brought to him through baptism; and — because these children, in the course of their "development," instead of growing in wisdom and grace before God and men, grow in blindness and sin, and on that account deny the power of the means of grace that was applied to them — saddest of all is it when this experience is even turned into a theological argument against it.

When Lic. K. writes, thirdly: "The passages John 3:5 and Titus 3:5, often adduced to corroborate the Lutheran doctrine, do not, as the present writer believes he has proven in the theol. Studien und Kritiken, refer to baptism at all, and would in any case, if they were mistakenly referred to it, refer not to the baptism of unconscious children but to the baptism of believing adults" — we can, to be sure, not refute the grounds which Hr. K. has adduced against referring John 3:5 and Titus 3:5 to baptism, since we do not know them; but this is also not at all necessary. Since Hr. K. does not wish to be an Anabaptist, and as a disciple of Calvin does not wish flatly to reject infant baptism, it does not help him in the least that he believes he has proven, through all manner of exegetical arts, that the two passages cited do not deal with baptism. Either he must concede that baptism really is a bath or effective means of regeneration, or he must prove that all the passages of Holy Scripture that deal with the power and fruit of baptism likewise "do not refer to baptism at all.")

*) Nor do we wish to take into account at all that Calvin himself, the "Reformer" of the Reformed Church, and its chief confession, the Heidelberg Catechism, expressly declare Titus 3:5 to be a passage that deals with baptism. In the latter confession it says under Question 71: "This promise (Matt. 28:19; Mark 16:16) is also repeated where Scripture calls baptism the washing of regeneration and the washing away of sins (Tit. 3:5; Acts 22:16)." Calvin writes on the words "through the washing of regeneration," among other things, the following: "I do not doubt that he alludes at least to baptism; indeed I readily allow the passage to be expounded of baptism. . The apostles are accustomed to derive their proof from the sacraments, in order to prove the thing signified in them, because among the pious the prin-