Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 9 › Seite 286
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1863, Seite 286
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286 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.
Einnahme von nur sieben Dollars und fünfzig Cents im letzten Jahre nach. Für Bücher
des Unglaubens, welche verkauft wurden, beliefen sich die Einnahmen im letzten Jahre auf
nur sechs Dollars und fünf und zwanzig Cents.“ Leider! liegt hierin freilich nicht der
Trost, daß der Unglaube hier im Abnehmen ist. Im Gegentheil mag u. A. der Mangel an
Anstrengungen zur Verbreitung desselben durch organisirte Gesellschaften, die diesen Zweck
an der Stirn tragen, seinen Grund darin haben, daß es solcher ihrer Anstrengungen nicht
mehr bedarf, die Zeitungen und die geheimen Gesellschaften haben ihnen diese Arbeit abgenommen.
Methodismus. Pastor C. F. Böhmer hat als Secretär der Nordwestlichen Conferenz
der Wisconsin-Synode einen Bericht über die hiesigen religiösen Zustände und namentlich
über das Treiben der Methodisten nach Deutschland gesendet, der dort erschienen und hier
in mehreren Zeitungen wiedergegeben worden ist, in welchem Bericht die genannte Secte,
sonderlich die methodistischen Evangelischen oder Albrechtsleute, in ihrer ganzen Blöße dargestellt
sind. Ein Schrei der Entrüstung ging nun durch alle methodistischen Zeitschriften
und schwere Drohungen wurden gegen Pastor Böhner ausgestoßen. So hat er sich denn
bewogen gefunden, eine Art Widerruf an Dr. Nast zu senden. Darin schreibt er aus
Fond du Lac unter dem 27. Juli u. A. Folgendes: „Der Wahrheit zu gut muß ich hiermit
aussprechen, daß ich in meinem Berichte an den ev. Verein zu Berlin zu weit gegangen bin
und viele Punkte zu übertrieben dargestellt habe. Ich nehme es darum hiermit zurück.“
In der That eine traurige Sache. Aber das ist leider! die Art von Lutheranern, die, ohne
eine reine lutherische Erkenntniß zu besitzen, an den Secten zu Rittern werden wollen. Erst
nehmen sie den Mund gegen dieselben voll und hernach werden sie bei dem ersten sich erhebenden
Sturmwinde alsbald kleinlaut und widerrufen. Auf diese Weise stärken sie denn die
Secten nur um so mehr; ja nicht selten sind solche unverständige Helden wider die Secten die
hoffnungsvollsten Candidaten der von ihnen bekämpften Sectirerei.
Scheußlich! — So schreibt der „Evangelist“ vom 15. August: „Vor einigen Wochen
berichteten englische Zeitungen, daß in Massachusetts mehr Kinder von eingewanderten,
meist irischen Katholiken, als von eingeborenen Eltern geboren werden.
Dieser Gegenstand wird jetzt von ihnen weiter besprochen und bei dieser Gelegenheit
Klage geführt, daß bei vielen amerikanischen Frauen, selbst frommen, die Kinderlosigkeit
durch sie selbst herbeigeführt wird.“
Der „Apologete“ vom 3. Aug. gibt seinen methodistischen Predigern folgenden
für dieselben gewiß wohl motivirten, eindringlichen Rath: „Macht es zur Gewissenssache,
so viele Familien zu besuchen, als ob ihr einen Dollar für jeden Besuch bekämet, und der
Dollar wird kommen, ohne daß ihr ihn fordert.“ — In demselben Blatte finden sich „Be-
schlüsse der deutschen“ (in Deutschland befindlichen) „Missions-Conferenz über die
Verhältnisse der Union.“ Darin heißt es denn u. A.: „Beschlossen, daß wir im Namen
der Menschheit (!), der Freiheit und des Gesetzes uns für die kräftige Führung des Krieges
aussprechen.“ Ferner: „Beschlossen, daß wir dem Zweige der amerikanischen Kirche,
welchem die meisten von uns anzugehören die Ehre haben, unseren Beifall ausdrücken für
seine rühmliche Theilnahme an diesem bedeutungsvollen Drama. Wir versichern unsere
Brüder in Amerika, daß wir auf das Zeugniß der bischöflichen Methodistenkirche in dieser
Krisis des nationellen Lebens mit wohl begründetem Stolz hinweisen. Mit Bewunderung
lasen wir die patriotischen Aussprüche ihrer offiziellen und anderen Organe und mit dem in-
nigsten Interesse blicken wir auf die Schicksale ihrer Söhne in der Armee hin. Es freut uns,
daß sie im vollsten Sinne zu dem Titel einer streitenden Kirche berechtigt ist.“ Man
sieht hieraus, daß die Methodisten jenseits des Meeres von demselben, Kirche und Welt ver-
mischenden und Christenthum und Civilisation mit einander verwechselnden Geiste, also kurz
von demselben Weltgeiste erfüllt sind, wie die hiesigen. — Der „Apologete“ speculirt unter
Anderem auch darauf, an den im Felde stehenden Soldaten einen guten Zuwachs von Abneh-
mern zu erhalten, er schmeichelt daher fast in allen Nummern den Soldaten auf die ekelhaf-
teste Weise. In der angezogenen Nummer heißt es u. A.: „Die Armee ist, was die großen
Tagesfragen des Landes betrifft, dem zu Hause bleibenden Volke im Allgemeinen weit vor-
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286 Church-Related Contemporary History.
income of only seven dollars and fifty cents last year. For books
of unbelief that were sold, the receipts last year amounted to
only six dollars and twenty-five cents.” Alas, there is, to be sure, no
comfort in this — that unbelief is on the decline here. On the contrary, the lack of
efforts to spread it through organized societies that carry this purpose
on their brow may well have its ground in the fact that such efforts of theirs
are no longer needed — the newspapers and the secret societies have taken this work
off their hands.
Methodism. Pastor C. F. Böhmer, as secretary of the Northwestern Conference
of the Wisconsin Synod, sent a report on the religious conditions here, and particularly
on the doings of the Methodists, to Germany; it appeared there and has here
been reprinted in several newspapers — a report in which the sect named,
especially the Methodist Evangelicals or Albrecht's People, is shown
in its full nakedness. A cry of indignation went up through all the Methodist
periodicals, and severe threats were hurled against Pastor Böhner. So he found
himself moved to send a kind of retraction to Dr. Nast. In it he writes from
Fond du Lac, under date of July 27, among other things: “In fairness to the truth I must
hereby declare that in my report to the Evangelical Society at Berlin I went too far
and portrayed many points too exaggeratedly. I hereby take it back.”
Indeed a sad affair. But that is, alas, the way of those Lutherans who, without
possessing a pure Lutheran understanding, want to become knights against the sects. At first
they talk big against them, and then, at the first storm-wind that rises against them,
they soon turn faint-hearted and retract. In this way they only strengthen
the sects the more; indeed, not infrequently such ill-advised heroes against the sects are
the most promising candidates for the very sectarianism they fought.
Disgusting! — So writes the “Evangelist” of August 15: “A few weeks ago
English newspapers reported that in Massachusetts more children are being born
of immigrants — mostly Irish Catholics — than of native-born parents.
This subject is now further discussed by them, and on this occasion
complaint is made that among many American women, even pious ones, childlessness
is brought about by themselves.”
The “Apologete” of August 3 gives its Methodist preachers the following
advice, surely well-intentioned and urgent for them: “Make it a matter of conscience
to visit as many families as if you were to receive a dollar for every visit, and the
dollar will come without your having to ask for it.” — In the same paper are found “Resolutions
of the German” (located in Germany) “Missions Conference on the
circumstances of the Union.” It says there, among other things: “Resolved, that we, in the name
of humanity(!), of freedom and of the law, declare ourselves for the vigorous prosecution of the war,”
and further: “Resolved, that we express our approval to that branch of the American Church
to which most of us have the honor of belonging, for
its glorious participation in this momentous drama. We assure our
brethren in America that we point, with well-founded pride, to the testimony of the
Episcopal Methodist Church in this crisis of national life. With admiration
we have read the patriotic utterances of its official and other organs, and with the most
intimate interest we look upon the fate of its sons in the army. It gladdens us
that in the fullest sense it is entitled to the name of a militant Church.” One
sees from this that the Methodists across the sea are filled with the very same spirit,
confounding Church and world, confusing Christianity and civilization — in short
the very same spirit of the age — as those here. — The “Apologete” speculates,
among other things, on gaining a good increase in subscribers among the soldiers
in the field, and so it flatters the soldiers in almost every number in the most
nauseating manner. In the number cited it says, among other things: “The army is, as far as
the great questions of the day facing the country are concerned, far ahead in general of the people who