Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 5 › Seite 146

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1863, Seite 146

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146 Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei.

scheint der Name eines Herren oder Knechtes für schändlich zu gelten; denn da die Taufe alle zu Brüdern macht, wie schickt sich's für einen Bruder, den Bruder einen Knecht zu nennen? — Aber er irrt sich gar sehr, indem er die christliche Freiheit mit der bürgerlichen verwechselt. Es ist daher zu wissen, daß ein Mensch nach einem doppelten Stand und Verhältniß zu betrachten ist. Erstlich als ein Christ und Hausgenosse Gottes, welcher es mit den Dingen der ewigen Seligkeit zu thun hat; und da ist freilich die höchste Gleichheit unter Herren und Knechten; denn in Christo ist weder Mann noch Frau, weder Knecht noch Freier, Gal. 3, 28. Jedoch hat da eine gewisse freiwillige Knechtschaft statt, davon es Gal. 5, 13. heißt: Durch die Liebe diene einer dem andern. Und solcherlei Knechtsdienste würden sich die Menschen auch im Stande der Unschuld gegenseitig geleistet haben, wie es denn angemessen ist, daß die Jüngeren den Aelteren, die Unerfahreneren den Weiseren gehorchen. Zum andern aber wird der Mensch als eine bürgerliche Person betrachtet, oder sofern er ein bürgerliches Leben lebt, das mit leiblichen und äußerlichen Dingen zu thun hat. Da ist ein Unterschied zwischen freien Menschen und Knechten, wo weder das Herrsein die christliche Freiheit mehrt, noch die Knechtschaft sie mindert; denn sie besteht nicht in jenem äußerlichen Verhältniß, noch gehört sie zu den staatlichen Rechten, sondern zu Christi Reich, welches geistlich ist; und darum kann Knechtschaft mit dem Christenthum und der christlichen Freiheit ebensowohl bestehen, wie die schuldige Unterwerfung der Kinder unter die Eltern. Von dem Ursprung der Knechtschaft sprechen anders die Politiker, anders die Theologen. Jene meinen nach Plinius im 7. Buch jener Naturhistorie Cap. 56, daß die Lacedämonier, jene ersten unter den griechischen Völkerschaften (unter denen Knechtschaft während eines langen Zeitraums nach dem Zeugniß Herodot's im 7. Buch unbekannt war), die Knechtschaft erfunden haben, und daß es hernach überhand genommen habe, daß Sieger diejenigen, die sie mit der Hand gefangen (manu cepissent) und nicht getödtet hätten, für sich behielten (servarent), daher sie Knechte (servi) und Leibeigene (mancipia) genannt wurden; worauf sich Horaz bezieht in seinen Episteln, B. 1. Ep. 16, wo es heißt: Kannst du den Gefangenen verkaufen, so tödte ihn nicht (vendere cum possis captivum, occidere noli), und der Apostel Petrus, wenn er 2 Petr. 2, 19. schreibt: Von welchem jemand überwunden ist, deß Knecht ist er geworden. Aber der Ursprung der Knechtschaft ist weit älter, den die Theologen annehmen, die die Knechtschaft eine Strafe der Sünde nennen; und nicht mit Unrecht. Denn da der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen, Gottes Natur aber ist, zu gebieten, nicht Gebotenes zu thun, so folgt hieraus, daß es nicht zur Natur des Menschen gehöre, daß er Knecht sei. Und aus dieser Ursache gab es auch im Stande der Unschuld keine Herrschaft der Menschen über den Menschen, da sie alles freiwillig übernahmen und vollbrachten, um dem Willen des Schöpfers genugzuthun. Aber nach dem Falle ist alles in das Gegentheil ausgeschlagen und nach und nach eine Herrschaft des Menschen über Menschen und der Unterschied zwischen Herrn und Knecht entstan-

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146 The Old Lutheran Teachers on Slavery.

the name of master or servant seems to be held disgraceful; for since baptism makes all men brothers, how does it befit one brother to call another brother a servant? — But he errs very greatly, in that he confuses Christian liberty with civil liberty. It is therefore to be known that man is to be considered according to a twofold state and relation. First, as a Christian and a member of God's household, who is concerned with the things of eternal salvation; and there, indeed, is the highest equality among masters and servants, for in Christ there is neither male nor female, neither servant nor free, Gal. 3:28. Yet there is a certain voluntary servitude, of which Gal. 5:13 says: Through love serve one another. And servile duties of this kind men would also have rendered to one another in the state of innocence, just as it is fitting that the younger obey the elder, the less experienced the wiser. In the second place, however, man is considered as a civil person, or insofar as he lives a civil life, which has to do with bodily and external things. Here there is a difference between free men and servants, where neither mastery increases Christian liberty nor servitude diminishes it; for it does not consist in that external relation, nor does it belong to civil rights, but to the kingdom of Christ, which is spiritual; and therefore servitude can coexist with Christianity and Christian liberty just as well as the dutiful subjection of children to their parents. Concerning the origin of servitude, the statesmen speak one way, the theologians another. The former hold, following Pliny in the 7th book of his Natural History, chapter 56, that the Lacedaemonians, those first among the Greek peoples (among whom servitude, according to the testimony of Herodotus in his 7th book, was unknown for a long period), invented servitude, and that it afterward gained the upper hand, in that victors kept for themselves those whom they had taken captive by hand (manu cepissent) and had not killed (servarent), whence they were called servants (servi) and bondsmen (mancipia); to which Horace refers in his Epistles, Book 1, Epistle 16, where it says: If you can sell the captive, do not kill him (vendere cum possis captivum, occidere noli); and so too the Apostle Peter, when he writes, 2 Pet. 2:19: By whom a man is overcome, of the same is he brought into bondage. But the origin of servitude is far older than the theologians suppose, who call servitude a punishment for sin — and not without reason. For since man was created in the image of God, and it is God's nature to command, not to do what is commanded, it follows that it does not belong to man's nature that he should be a servant. And for this reason there was also, in the state of innocence, no dominion of men over men, since they undertook and accomplished everything of their own free will, in order to satisfy the will of the Creator. But after the Fall everything turned into its opposite, and gradually a dominion of man over man arose, and the distinction between master and servant