Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 2 › Seite 64

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Februar 1862, Seite 64

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64 Kirchlich-Zeitgeschichtliches.

Kraft dem Dienste der Mission gewidmet hatte. Und es ist uns Bedürfniß, dies hiermit auf das Entschiedenste öffentlich auszusprechen. Je mehr er in seiner bisherigen Wirksamkeit von manchen Seiten her Undank hat erfahren müssen, um so mehr möge er wenigstens von uns dessen gewiß sein, daß wir nie vergessen werden, was er für die Mission gethan hat. Wenn wir seine Entlassung dennoch annahmen und auf jeden weiteren Versuch, ihn zur Aenderung seines Entschlusses zu bestimmen, verzichteten, so geschah es nur, weil wir die Gründe seines Austritts, da sie in den oben erwähnten sachlichen Verhältnissen liegen, welche von persönlichen Wünschen und Einwirkungen unabhängig sind, anerkennen mußten, zugleich aber auch in der Hoffnung, daß mit diesem Schritt der Zusammenhang zwischen ihm und uns sich nicht völlig lösen, sondern er auch fernerhin sein Interesse und seine Kräfte der Mission zuwenden und uns verstatten werde, in vorkommenden Fällen seine Hülfe und Dienste in Anspruch zu nehmen. So geleite denn der Segen Gottes unsren Freund auf allen seinen Wegen! Uns aber verbinde auch ferner mit ihm die Gemeinschaft des Einen Glaubens und der Einen Liebe zur Reichssache unsres Herrn Jesu Christi! — Nach dem Ausscheiden Dr. Graul's aus dem Collegium mußten wir natürlich darauf bedacht sein, dasselbe so bald als möglich durch die Wahl neuer Mitglieder wieder zu ergänzen. Gott sei Dank, daß uns das schon jetzt auf das Erwünschteste gelungen ist! Herr Professor Dr. Keil (früher in Dorpat) und Herr Kaufmann Moritz Bredt hieselbst haben sich auf unsere Bitte willig finden lassen, in's Collegium einzutreten. Wir sind überzeugt, daß diese Wahl und die Annahme derselben von allen Seiten mit freudigster Zustimmung begrüßt werden wird. Der Herr aber, dem wir dienen und ohne den wir nichts thun können, spreche Sein Amen dazu, und wie er bisher mit Seiner Gnade und Seinem Segen so sichtlich bei uns gewesen ist, so lasse er auch ferner Sein heilig Werk durch unsere Hände fröhlich fortgehen zu Seines Namens Ehre. Das Collegium der evangelisch-lutherischen Mission zu Leipzig. Dr. v. Harleß, Hardeland, Dr. Luthardt.“

Dr. K. Stier hat es sich bekanntlich zu einer der Hauptaufgaben seines Lebens gemacht, eine verbesserte Luthersche Bibelübersetzung dem deutschen Volke darzubieten. Er schreibt in seiner Schrift: „Der deutschen Bibel Berichtigung“ (Bielefeld bei Velhagen. 1861. 120 S. 6 Sgr.) S. 21: Engelhardt hätte ihm gerathen, sein Werk vor dem Drucken einzelnen tüchtigen Bibelforschern vorzulegen; und antwortet darauf: „Ich bin so stolz durch Gottes Gnade zu sagen, daß ich unter den Zeitgenossen keinen Bibelforscher kenne, dem ich so ganz untergeordnet weichen, dessen Urtheil in dieser Art ich einholen möchte.“ Aber Luther soll Herrn Dr. Stier „so ganz untergeordnet weichen“. Dr. Münkel macht hierzu die Bemerkung: „Ist Stier das große Licht, das den Tag regiert, so wird er sich nicht wundern dürfen, daß sich die kleinen Lichter zurückziehen und ihn bei seinem Werke am Kirchenhimmel im Stiche lassen.“

Nathusius. Folgendes lesen wir im Pilger a. Sachsen: Bei Gelegenheit der preußischen Krönungsfeier ist der Rittergutsbesitzer Philipp Engelhard Nathusius auf Neinstedt, der bekannte Herausgeber des Halleschen „Volksblattes für Stadt und Land“, sammt seinen Brüdern August (Meyendorf), Wilhelm (Königsborn) und Heinrich (Alt-Haldensleben) in den Adelstand erhoben worden.

Mennoniten in Preußen. Folgendes lesen wir in der A. Kirchenz. vom 16. Nov. v. J.: Ein Gesetzentwurf wegen der Mennoniten soll, wie wir hören, dem Landtage bald nach seiner Eröffnung vorgelegt werden. Derselbe hebt die Militärfreiheit der Mennoniten auf, und weil die Regierung daran nicht zweifeln darf, daß viele dieser treuen, fleißigen und wohlhabenden Unterthanen in Folge dessen sich zur Auswanderung entschließen werden, ist in dem Entwurfe Vorsorge getroffen, daß die Entziehung der Militärfreiheit erst in einigen Jahren eintritt, um nicht diejenigen Familien in plötzliche Noth zu versetzen, deren Söhne der Ableistung der Militärpflicht nahe stehen.

Bibel und Wissenschaft. Der Allg. K. Z. wird unter dem 7. Nov. aus London geschrieben: Ueber die „Essays and Reviews“ hielt vor einigen Tagen wieder der Graf von Shaftesbury vor dem Bromwicher Zweig des „Britischen und ausländischen Bibelvereins“ eine Vorlesung, in welcher er unter Anderm sagte: „Es leide keinen Zweifel, daß die ungeheure Verbreitung der heiligen Schrift über die ganze Erde, ihre Uebertragung in so viele Sprachen und Mundarten, die Wuth der Ungläubigen erregt hat. Sie fragten sich, wie diese Verbreitung der Bibel aufzuhalten sei, und sie empfanden wohl, daß dieß nach der alten Weise nicht mehr angehen würde; die Echtheit der heiligen Schrift ganz und gar zu leugnen, würde der heutigen Generation nicht zusagen, und sie stifteten daher eine großartige Verschwörung an, die nicht wenig Aehnlichkeit mit der von Guy Fawkes hat, und beschlossen, das ganze System der christlichen Religion in die Luft zu sprengen und in einem großen Brande zu begraben. Um dieß besser zu vollbringen, hatten sie die Wissenschaft in ihren Dienst genommen, und so riefen sie den unnatürlichen Bürgerkrieg zwischen Wissenschaft und Offenbarung hervor. Wenn die Wissenschaft in den Herzen eines Milliontheils des Menschengeschlechts nur ein Milliontheilchen des Guten gestiftet haben wird, das die Bibel in England allein jede Stunde stiftet, dann und nur dann kann die Wissenschaft auch nur mit den Verzierungen an dem offenbarten Worte Gottes in Concurrenz zu treten wagen.“

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64 Church and Contemporary Notes.

power to the service of the mission. And it is a need of ours to declare this here most decidedly and publicly. The more he has had to experience ingratitude from many quarters in his previous work, the more he may at least be assured on our part that we will never forget what he has done for the mission. If we nevertheless accepted his release, and desisted from any further attempt to move him to change his resolve, this happened only because we had to recognize that the grounds for his withdrawal lie in the objective circumstances mentioned above, which are independent of personal wishes and influences — while at the same time hoping that, with this step, the connection between him and us will not be entirely dissolved, but that he will continue to devote his interest and his powers to the mission and will allow us, as occasion arises, to call upon his help and services. So may the blessing of God accompany our friend on all his ways! But may we remain bound to him further by the fellowship of the one faith and the one love for the cause of the kingdom of our Lord Jesus Christ! — After Dr. Graul's withdrawal from the Board, we naturally had to see to it that it be filled again as soon as possible through the election of new members. Thank God, this has already succeeded in the most desirable way! Mr. Professor Dr. Keil (formerly of Dorpat) and Mr. Merchant Moritz Bredt of this city have been willing, at our request, to enter the Board. We are convinced that this election, and its acceptance, will be greeted from all sides with the most joyful approval. May the Lord, however, whom we serve and without whom we can do nothing, speak His Amen to it; and as He has hitherto been so visibly with us with His grace and His blessing, so may He also let His holy work go forward joyfully through our hands, to the honor of His name. The Board of the Evangelical Lutheran Mission at Leipzig. Dr. v. Harless, Hardeland, Dr. Luthardt."

Dr. K. Stier has, as is well known, made it one of the chief tasks of his life to offer the German people an improved Lutheran translation of the Bible. He writes in his tract "Correction of the German Bible" (Bielefeld, Velhagen, 1861, 120 pp., 6 groschen), p. 21: Engelhardt had advised him to submit his work, before printing, to individual competent Bible scholars; and he answers thereupon: "By God's grace I am proud enough to say that I know of no Bible scholar among my contemporaries to whom I feel so entirely subordinate as to yield to him, or whose judgment on such a matter I should wish to seek." But Luther, it seems, is to "yield so entirely" to Mr. Dr. Stier. Dr. Münkel remarks on this: "If Stier is the great light that rules the day, he need not be surprised if the little lights withdraw and leave him alone at his work in the firmament of the church."

Nathusius. The following we read in the Pilger aus Sachsen: On the occasion of the Prussian coronation festivities, the estate owner Philipp Engelhard Nathusius of Neinstedt — the well-known publisher of the Halle "Volksblatt für Stadt und Land" — has, together with his brothers August (of Meyendorf), Wilhelm (of Königsborn), and Heinrich (of Alt-Haldensleben), been raised to the nobility.

Mennonites in Prussia. The following we read in the A. Kirchenz. of November 16 of last year: A bill concerning the Mennonites is, we hear, to be laid before the Diet soon after its opening. It abolishes the Mennonites' exemption from military service; and since the government cannot doubt that many of these loyal, industrious, and well-to-do subjects will as a result resolve to emigrate, provision has been made in the draft that the withdrawal of the exemption from military service take effect only after some years, so as not to place in sudden distress those families whose sons are close to fulfilling their military obligation.

The Bible and Science. The Allg. K. Z. is written to under date of November 7 from London: Concerning the "Essays and Reviews," the Earl of Shaftesbury recently gave a lecture before the Bromwich branch of the "British and Foreign Bible Society," in which he said, among other things: "There is no doubt that the immense spread of Holy Scripture over the whole earth, its translation into so many languages and dialects, has aroused the fury of unbelievers. They have asked themselves how this spread of the Bible might be checked, and they have well perceived that this could no longer be done in the old way; to deny outright the authenticity of Holy Scripture would not suit the present generation, and so they set on foot a grand conspiracy, which bears no small resemblance to that of Guy Fawkes, and resolved to blow the whole system of the Christian religion into the air and bury it in one great conflagration. To accomplish this the better, they took science into their service, and thus called forth the unnatural civil war between science and revelation. If science shall have wrought in the hearts of one millionth part of mankind but one millionth part of the good that the Bible works in England alone every hour, then, and only then, may science venture even to enter into competition, with mere ornaments, against the revealed Word of God."