Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 12 › Seite 379
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — December 1860, Seite 379
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Vorläufiger Bericht über die Generalsynode der Preuß. lutherischen Kirche. 379
sie zu juristisch, zu sehr in's Einzelne gehend, ein förmlicher Gesetzcodex, ein
„Landrecht“ der Kirche u. dgl. m. Daß aber diese Synodalbeschlüsse festwurzeln
in unsern Gemeinden, ersahen wir daraus, daß jene Diedrich'schen
Angriffe allgemeine Entrüstung hervorriefen, daß sich kaum eine einzige
Gemeinde in seinem Sinne aussprach und auch weitaus die Mehrzahl der
Synodalen gegen Diedrich sich erklärten. In Folge dessen erklärten am 1.
Oktober sieben Pastoren auf der Synode, daß sie zwar das Band mit der lu⸗
therischen Kirche in Preußen durchaus nicht lösen wollten, daß sie auch vom
hochwürdigen Oberkirchencollegio sich nicht trennen möchten, daß sie aber
diese freiere Stellung sich vorbehielten, daß sie in der Kirchenordnung (den
Synodalbeschlüssen) eine göttlich gegebene Ordnung nicht erkennen könnten,
welche man ohne Sünde nicht übertreten dürfe. Im übrigen wollten sie ihr
Amt nach wie vor nach dem Worte Gottes, den symbolischen Büchern und
dem Herkommen in ihren Gemeinden führen. Diese sieben Pastoren sind:
Gummlich, Diedrich, Räthjen, Wolf, Crome, Lohmann und Ebert in Danzig.
— Die Synode erklärte hierauf, nachdem eine Commission von Fünfen (Na⸗
gel, Ehlers, Eichhorn, Frommüller, Flügge) sich darüber berathen und ver⸗
söhnende Vorschläge gemacht hatte, daß sie diese Brüder tragen könnte, weil
sie hoffe, daß von ihnen auch die andere Ansicht werde getragen und nicht als
eine unevangelische werde betrachtet werden. So war denn der drohende
Bruch glücklich vermieden, und von dieser Sitzung an wuchs die gegenseitige
Annäherung und damit das Vertrauen sichtbar; der HErr hatte geholfen,
nachdem wir gedemüthigt waren und uns gedemüthigt hatten. — Uebrigens
beschloß auch noch die Synode, das hochwürdige Oberkirchencollegium solle
ermächtigt werden, noch vor der nächsten Generalsynode im Jahre 1864 eine
frei zu wählende Commission mit den Vorbereitungen zur Ausarbeitung einer
neuen Kirchenordnung zu beauftragen. Auch wurde ausdrücklich erklärt, daß
der Ausdruck: „kirchliche Obrigkeit“, welcher einmal in den Synodalbe⸗
schlüssen vorkömmt, und die Stellung letzterer selbst in ihrer Eigenschaft als
Kirchenordnung, dem 28. Artikel der Augsb. Confession in keiner Weise
zu nahe treten dürfe.
Eine fernere wichtige Arbeit der Synode machten Lehrfragen, beson⸗
ders der Chiliasmus oder die Lehre vom tausendjährigen Reiche, näm⸗
lich, „daß Christus vor seiner Wiederkunft zum Gerichte kommen werde,
um ein Reich der Herrlichkeit zu gründen, in welchem eitel Heilige mit ihm
auf dieser Erde regieren werden,“ aus. Nach längeren Berathungen wur⸗
den die Vorschläge, einen neuen Bekenntnißakt oder eine Ergänzung zum
XVII. Artikel der Augsburgischen Confession auszuführen, nicht angenommen,
dagegen wurde aber beschlossen, daß ein belehrendes und vermahnendes
Schreiben an unsere Gemeinden solle gerichtet werden, welches sie namentlich
auch darüber beruhigen solle, daß das Gerücht, welches aufgetaucht war, die
ganze Verfassung der preußischen lutherischen Kirche sei aus Chiliasmus er⸗
wachsen, mit großer Gewißheit als ein bodenloses könne betrachtet werden.
Viele, viele Petitionen, Beschwerden, Appellationen und Anfragen
English translation AI translation
Preliminary Report on the General Synod of the Prussian Lutheran Church. 379
...too legalistic, going too much into particulars, a formal legal code, a "territorial law" of the church, and the like. That these synodical resolutions, however, have taken firm root in our congregations, we could see from the fact that those attacks by Diedrich provoked general indignation, that scarcely a single congregation spoke in his sense, and that by far the majority of the synod's members declared themselves against Diedrich. As a result, seven pastors declared at the synod on October 1st that they by no means wished to sever the bond with the Lutheran Church in Prussia, and that they did not wish to separate themselves from the venerable Supreme Church Council either, but that they reserved for themselves this freer position: that they could not recognize in the church order (the synodical resolutions) a divinely given ordinance which one might not transgress without sin. For the rest, they wished to conduct their office as before according to the Word of God, the symbolical books, and the custom in their congregations. These seven pastors are: Gummlich, Diedrich, Räthjen, Wolf, Crome, Lohmann, and Ebert in Danzig. — The synod thereupon declared, after a commission of five (Nagel, Ehlers, Eichhorn, Frommüller, Flügge) had deliberated on the matter and made conciliatory proposals, that it could bear with these brothers, because it hoped that the other view would likewise be borne by them and not be regarded as unevangelical. Thus the threatening breach was happily averted, and from this session onward mutual rapprochement and, with it, trust visibly grew; the Lord had helped, after we had been humbled and had humbled ourselves. — The synod, moreover, further resolved that the venerable Supreme Church Council should be authorized, before the next General Synod in the year 1864, to charge a freely chosen commission with the preparations for drawing up a new church order. It was also expressly declared that the expression "ecclesiastical authority," which occurs once in the synodical resolutions, and the standing of the latter itself in its character as a church order, must in no way infringe upon Article 28 of the Augsburg Confession.
A further important piece of work for the synod was doctrinal questions, especially chiliasm, or the doctrine of the thousand-year kingdom — namely, that Christ will come before His return to judgment to found a kingdom of glory in which mere saints will reign with Him on this earth. After lengthy deliberations, the proposals to draw up a new confessional act, or a supplement to Article XVII of the Augsburg Confession, were not adopted; instead, however, it was resolved that an instructive and admonishing letter should be addressed to our congregations, which should, among other things, also reassure them that the rumor which had arisen — that the whole constitution of the Prussian Lutheran Church had grown out of chiliasm — could with great certainty be regarded as baseless.
Many, many petitions, complaints, appeals, and inquiries