Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 12 › Seite 365
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — December 1860, Seite 365
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Die Rosenmonate heiliger Frauen. 365
denken der Satz hinweghelfen: „Die Fehler der alten Blutzeugen sind zu groß, als daß unsere Zeit ihnen darin gleich werden könnte“. (S. 39) Wenn die zwölfjährige Eulalia in der Nacht ihrer Mutter entweicht, um den Märtyrertod zu suchen, so heißt es: „Hüte dich, diese Kleine zu richten, bevor du ihre Flamme im Herzen hast und nicht ihre Fehler, deren du wohl nicht fähig bist, sondern die eigenen besser vermeidest, als sie das Uebermaß ihres Zeugnisses und Muthes.“ (S. 52.) Wenn Menschen, die von brünstiger Liebe zu Christus nichts wissen, gewarnt werden, hier zu Gericht zu sitzen, so läßt sich dagegen nichts sagen. Aber wenn gewissermaßen wie ein Makel hingestellt wird, solches Fehlers nicht fähig zu sein, so weiß ich nicht, was für eine Lehre Kinder oder Eltern daraus ziehen sollen. Von Euphrosyne wird erzählt, daß sie eigenmächtig ihres Vaters Haus verließ, in ein Kloster ging, sich als Mönch unter dem Namen Smaragdus verkleidete, und 38 Jahre mit ihrem sie schmerzlich suchenden Vater zusammenlebte, ohne sich ihm erkennen zu geben. Was wird nun dazu bemerkt? „Sie gingen,“ heißt es (S. 47), „einen Weg der Entsagung, der, wenn auch nicht richtig, doch eben bei allem Irrthum erstaunlich ist und geeignet, ein Geschlecht zu strafen, welches in weichlicher Verwandtenliebe das höchste Lebensglück sucht.“ Aber glaubt man denn Beelzebub mit Beelzebub austreiben zu können? Wird die Verletzung der zehn Gebote eine Tugend, weil sie etwas „Erstaunliches an sich hat? Und soll die Weichlichkeit zu ihrer Genesung sich an gottwidriger Unnatur spiegeln? Wo in aller Welt werden wir gelehrt, eine Verkehrtheit entgegengesetzten Verkehrtheiten zur Beschämung vorzuhalten?!
Manchmal zeigt sich auch in unserem Buche das Gefühl, daß das nicht angehe. Aber seltsam ist der Ausweg, welcher dann getroffen wird, um dem einmal aufgestellten Vorbild eine Bedeutung zu belassen. So, nachdem von Marcellina erzählt war, daß sie sich einer selbsterwählten Askese hingab, welcher ihr Bruder Ambrosius Einhalt thun mußte, heißt es zum Schlusse (S. 208): „Wenn du unablässig nach dem ewigen Leben rangest, so hast du genug gelebt, auch wenn du deine Heiligung nicht auf dem Wege der Abtödtung, sondern auf dem echt evangelischen einer immerwährenden Erneuerung der Gnade Gottes in Jesu Christo suchtest.“ Ist denn das nicht so viel, als wenn man sagte: Mache es wie sie, nur ganz anders? — Bei anderen Geschichten wird das aber nicht gesagt. So wird Frauen und Jungfrauen mehr denn eine Erzählung vorgeführt, nach welcher Jungfrauen, wie Kunigunda, Pulcheria, Richardis, in die Ehe mit dem durchgeführten Entschlusse traten, jungfräulich zu bleiben. Wie das mit dem gottgesetzten Zweck der Ehe und mit der ausdrücklichen Vorschrift des Apostels Paulus (1 Cor. 7, 2 flg.) vereinbar sei, davon ist mit keiner Sylbe die Rede. Es heißt dagegen in Bezug auf Kunigunda und Kaiser Heinrich II. (S. 58): „Sie genossen eine Weile ein Glück, von welchem wir so wenig erfahren haben, daß wir ihm mißtrauen.“ Ja den Schluß dieser Lebensgeschichte bilden die begeisterten Worte: „Ein Sinn und Wille war durchgeführt im ganzen
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The Rose-Months of Holy Women. 365
...help us past that with the statement: "The faults of the ancient blood-witnesses are too great for our age ever to become their equal in them." (p. 39) When the twelve-year-old Eulalia flees her mother by night to seek a martyr's death, it is said: "Beware of judging this little one before you possess her flame in your heart — and not her faults, of which you surely are not capable, but rather better avoid your own — as she avoided the excess of her testimony and her courage." (p. 52.) When people who know nothing of ardent love for Christ are warned against sitting here in judgment, nothing can be said against that. But when it is held up, as it were, as a blemish not to be capable of such a fault, then I do not know what lesson children or parents are supposed to draw from it. Of Euphrosyne it is related that she left her father's house on her own authority, entered a convent, disguised herself as a monk under the name Smaragdus, and lived together with her father — who sought her out in sorrow — for thirty-eight years without letting herself be recognized by him. What, then, is remarked upon this? "They went," it says (p. 47), "a way of renunciation which, though not right, is nonetheless, for all its error, astonishing, and fit to rebuke a generation that seeks its highest happiness in soft-hearted love of kin." But does one suppose one can drive out Beelzebub with Beelzebub? Does the violation of the Ten Commandments become a virtue because it has something "astonishing" about it? And is softness supposed to find its cure by mirroring itself in conduct contrary to God and nature? Where in all the world are we taught to hold up one perversity to the shame of an opposite perversity?!
Sometimes our book itself shows a feeling that this will not do. But strange is the way out that is then taken, in order to leave the model once set up some meaning. Thus, after it was told of Marcellina that she gave herself over to a self-chosen asceticism which her brother Ambrose had to restrain, it says at the close (p. 208): "If you strove unceasingly after eternal life, then you have lived enough, even though you sought your sanctification not by the way of mortification, but by the genuinely evangelical way of an ever-renewing renewal of God's grace in Jesus Christ." Is that not as much as saying: do as she did, only quite differently? — With other stories, however, this is not said. Thus more than one tale is set before wives and maidens according to which maidens — such as Kunigunda, Pulcheria, Richardis — entered into marriage with the settled resolve to remain virgins. How that is to be reconciled with the God-ordained purpose of marriage and with the express precept of the Apostle Paul (1 Corinthians 7:2 ff.) is not mentioned with a single syllable. It says instead, regarding Kunigunda and Emperor Henry II (p. 58): "They enjoyed for a time a happiness of which we know so little that we mistrust it." Indeed, the close of this life story is formed by the enthusiastic words: "One sense and one will were carried through the whole