Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 9 › Seite 279

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1860, Seite 279

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion

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Ein Schriftbeweis gegen die Union. 279

deten. Allein es handelt sich doch gar nicht um den Glauben oder Unglau⸗
ben der einzelnen Glieder einer falsch lehrenden Kirche, der zuletzt doch nur
dem Herzenskündiger allein bekannt ist; sondern es handelt sich um die Stel⸗
lung, welche diese falsch lehrende Kirche durch diese ihre falsche Lehre zur
Wahrheit des göttlichen Wortes einnimmt. Jede falsche Lehre hat ihren
Grund im Reich der Finsterniß, im Vater der Lüge, und ist ein Zeugniß des
Unglaubens an die geoffenbarte Wahrheit. Wenn nun die reformirte Kirche,
dem Zeugniß der Wahrheit gegenüber, das sie in den Bekenntnißschriften
der lutherischen Kirche hat, an der falschen Lehre festhält und dieselbe als
Wahrheit bekennt: so bezeugt sie damit ihren Unglauben. Ob und wie weit
derselbe durch die einzelnen Glieder der reformirten Kirche mitverschuldet
ist — wer will das beurtheilen? Aber wie auf der einen Seite der Glaube
aller daran nicht angezweifelt werden soll, denen der falschen Lehre gegen⸗
über die Wahrheit nicht oder noch nicht genug bezeugt ist; so dürfen
wir uns auf der andern Seite nicht weigern, Unglauben allenthalben da an⸗
zuerkennen, wo man der hinlänglich bezeugten Wahrheit gegenüber dennoch
an der falschen Lehre festhält. Denn nur soviel sich ein Mensch vom Geiste
Gottes ziehen und in der Wahrheit leiten läßt von einer Klarheit zur an⸗
dern, soviel ist er gläubig, und soviel er dem Geiste Gottes und der Wahr⸗
heit in diesem oder jenem Stück widerstrebt, so viel ist er ungläubig. So
kann es ja kommen, daß sich jemand 1 oder 10 Jahre lang vom heiligen Geist
ziehen läßt; er gelangt von einer Klarheit zur andern; er wächst in der
Erkenntniß bis zu einem gewissen Grade. Soweit ist er gläubig gewesen.
Nun treten ihm aber gewisse Seiten der Offenbarung oder der Wahrheit
entgegen, bei denen er seine Vernunft nicht will gefangen nehmen lassen unter
den Gehorsam des Glaubens; er ist also zunächst in diesem Stück un⸗
gläubig. Ueberwindet der heilige Geist diesen natürlichen Unglauben
nicht, so geht es freilich mit einem solchen Menschen alsbald rückwärts in
seinem Glaubensleben; äußerlich kann er noch längere oder kürzere Zeit eine
gewisse Gläubigkeit hervortreten lassen, er kann noch HErr HErr sagen, kann
noch einen großen Eifer in der Bekehrung anderer zeigen, und das alles
kann noch aus einer gewissen Ueberzeugung kommen, während doch der Un⸗
glaube schon angefangen hat, das innere Glaubensleben zu zerstören.

Aus diesem allem wird zur Genüge hervorgehen, daß mit der Anwen⸗
dung des Spruches: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen,“
auf das Verhältniß der Christen untereinander, insonderheit auf das Ver⸗
hältniß der lutherischen Kirche zu der reformirten in keiner Weise ein Ur⸗
theil über den Glauben oder Unglauben ihrer beiderseitigen Glieder ausge⸗
sprochen ist. Aber andererseits wäre es eine schnöde Verleugnung der Wahr⸗
heit, wenn man den Lehrunterschied der reformirten Kirche nicht als das be⸗
zeichnen wollte, was er ist, nämlich als falsche Lehre, die aber als solche
aus dem Unglauben kommt und ihren letzten Grund in Belial hat und
darum Finsterniß ist! Soll das nicht richtig sein, dann wollen wir nur nicht
mehr sagen, daß unser Katechismus mit Gottes Wort übereinstimmt und

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A Scriptural Proof against the Union. 279

— proclaimed it. Yet it is not at all a question of the belief or unbelief of the individual members of a falsely teaching church, which in the end is known only to the knower of hearts; rather, it is a question of the position which this falsely teaching church, through this its false doctrine, takes up in relation to the truth of the divine Word. Every false doctrine has its ground in the kingdom of darkness, in the father of lies, and is a testimony of unbelief toward the revealed truth. If, then, the Reformed church, faced with the testimony of the truth which it possesses in the confessional writings of the Lutheran church, holds fast to the false doctrine and confesses it as truth, it thereby bears witness to its own unbelief. Whether, and how far, this is shared in the guilt of the individual members of the Reformed church — who can judge that? But just as, on the one hand, the faith of all those to whom the truth has not been, or not yet sufficiently, testified in opposition to the false doctrine ought not to be called into doubt, so, on the other hand, we may not refuse to acknowledge unbelief wherever someone nevertheless holds fast to false doctrine in the face of sufficiently attested truth. For only insofar as a person lets himself be drawn by the Spirit of God and guided in the truth from one degree of clarity to the next is he a believer, and insofar as he resists the Spirit of God and the truth in this or that point, to that extent he is an unbeliever. Thus it can indeed happen that someone lets himself be drawn by the Holy Spirit for one or ten years; he progresses from one degree of clarity to the next; he grows in knowledge to a certain degree. To that extent he has been a believer. But now certain aspects of revelation or of the truth confront him, in the face of which he will not let his reason be taken captive under the obedience of faith; he is therefore, at least in this point, an unbeliever. If the Holy Spirit does not overcome this natural unbelief, then things will indeed soon go backward with such a person in his life of faith; outwardly he may still, for a longer or shorter time, let a certain appearance of faith come forward — he may still say "Lord, Lord," may still show great zeal in converting others, and all this may still proceed from a certain conviction — while all the time unbelief has already begun to destroy his inner life of faith.

From all this it will sufficiently appear that the application of the saying, "Be ye not unequally yoked together with unbelievers," to the relation of Christians to one another, and in particular to the relation of the Lutheran church to the Reformed, in no way pronounces a judgment upon the faith or unbelief of the individual members on either side. But on the other hand it would be a base denial of the truth if one were unwilling to call the doctrinal difference of the Reformed church what it actually is, namely false doctrine — which, however, as such comes out of unbelief and has its ultimate ground in Belial, and is therefore darkness! If that is not supposed to be correct, then we may as well no longer say that our catechism agrees with God's Word and